Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Wer seinen Wintergarten abdichten will, bevor Frost, Schnee und Schlagregen kommen, sollte weniger auf das Glas schauen als auf die Fugen dazwischen. Undicht wird ein Wintergarten vor allem an der Glasversiegelung, am Anschluss zur Hauswand, am Fußpunkt und an den Kopplungen der Elemente. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie diese Stellen vor dem Winter prüfen, schadhafte Glasfugen fachgerecht erneuern, Anschlüsse richtig ausbilden und den Dichtstoff nach Untergrund und Glasart auswählen.

Kurz & knapp

Mehr als 90 % der Außenflächen eines Wintergartens sind laut IVD-Merkblatt Nr. 24 materialbedingt dicht, über die Dichtheit entscheiden die Fugen. Alle mit Dichtstoff gefüllten Fugen gelten dort als Wartungsfugen. Schadhafte Glasversiegelungen werden nach IVD-Merkblatt 10 von Ecke zu Ecke erneuert, nicht stellenweise geflickt. Auf Glas empfiehlt das Wintergarten-Merkblatt weder Polyurethan noch Acrylat, auf selbstreinigendem Glas scheidet auch Silikon aus.

1. Wintergarten abdichten: warum die Fugen über die Dichtheit entscheiden

Das IVD-Merkblatt Nr. 24 des Industrieverbands Dichtstoffe, erarbeitet mit dem Bundesverband Wintergarten (Ausgabe November 2014), beschreibt die Abdichtung von Fugen und Anschlüssen im Wintergartenbau. Seine Ausgangslage: Tragwerk, Rahmen und Glas, also mehr als 90 % der Außenflächen (IVD-Merkblatt 24), sind materialbedingt dicht. Ob ein Wintergarten dicht bleibt, entscheiden deshalb neben den Flügelfugen von Fenstern und Türen vor allem die Baufugen. Mängel dort können laut Merkblatt zu Feuchtigkeit, Schimmelbildung und Bauschäden führen.

Die Belastung liegt deutlich über der eines Fensters in der Außenwand. Ein Wintergarten muss Schnee-, Wind- und Eislasten aufnehmen; das Merkblatt nennt für die Außenschale Temperaturunterschiede von bis zu 100 °C (IVD-Merkblatt 24), dazu UV-Strahlung, Algen, Reinigungsmittel und Fußpunkte, die häufiger und länger nass werden. Von innen wirken solare Gewinne und die Raumluftfeuchte, die Menschen, Tiere und Pflanzen abgeben.

„Jede Verfugung, insbesondere an mechanisch belasteten Fugen, hat auch bei fachgerechter Verarbeitung und hochwertigem Dichtstoff eine begrenzte Lebensdauer.“ – IVD-Merkblatt Nr. 24, Vorwort

Daraus folgt zweierlei. Spritzbare Dichtstoffe sollen an belasteten Baufugen auf das unvermeidbare Minimum beschränkt und, wo technisch möglich, durch überlappende Profile oder Leisten geschützt werden. Und sämtliche mit spritzbaren Dichtstoffen abgedeckten Fugen sind im Wintergartenbau Wartungsfugen, die nach Vereinbarung regelmäßig inspiziert und bei Rissen oder Ablösungen instand gesetzt werden. Der Herbst ist dafür der naheliegende Termin.

Wie stark die Raumseite beansprucht wird, hängt von der Nutzung ab. Wikipedia unterscheidet den Wohn-Wintergarten mit über 19 °C Raumtemperatur, den mittelwarmen, auf 12 bis 19 °C beheizten und den kalten, gering oder nicht beheizten Glasanbau (Wikipedia). Je wärmer und feuchter die Raumluft im Winter, desto wichtiger wird eine geschlossene innere Abdichtungsebene.

2. Fugen und Anschlüsse im Überblick: was wie abgedichtet wird

Vor dem Winter hilft es, den Wintergarten in seine Fugenarten zu zerlegen; jede folgt eigenen Regeln:

Fuge oder AnschlussÜbliche AbdichtungRegelwerkWorauf es ankommt
Glasversiegelung zwischen Scheibe und RahmenVerglasungsdichtstoff, mit oder ohne VorlegebandDIN 18545, IVD-Merkblätter 10 und 13außen schlagregendicht, raumseitig weitgehend luftdicht
Senkrechte und obere Bauanschlussfuge zur Hauswandspritzbarer Dichtstoff mit HinterfüllungIVD-Merkblatt 24niedermodulig auf Putz, Bewegungen zwischen Alt- und Neubau
Kopplungen von Seitenelementen, Pfosten, Traufenträger und Randsparrenvorkomprimiertes, imprägniertes DichtbandIVD-Merkblatt 24, DIN 18542Beanspruchungsgruppe und Bandmaß passend zur Fuge
Fußpunkt der Elemente und StützenAusbildung wie ein unterer FassadenanschlussIVD-Merkblatt 24dauerhafte Nässe, kein Abschluss wie beim Lochfenster
Verleistung von Baufugen, RinnenstößeMontageklebstoffIVD-Merkblatt 24Klebstoffsystem passend zu Leiste und Untergrund
Flügelfugen von Fenstern und TürenDichtprofilenicht Gegenstand von Merkblatt 24reinigen, pflegen, nachstellen oder tauschen

Allen Fugen liegt dasselbe Ebenenmodell zugrunde (IVD-Merkblatt 24): Die innere Ebene trennt Raum- und Außenklima und muss luftdicht sein, der Funktionsbereich dazwischen muss trocken bleiben, die äußere Ebene hält Schlagregen ab und lässt Feuchte nach außen entweichen. Der Grundsatz lautet: innen dampfdiffusionsdichter als außen.

Für die Luftdichtheit nennt das Merkblatt bei 50 Pa Druckdifferenz einen höchstens dreifachen Luftwechsel pro Stunde ohne und einen 1,5-fachen mit raumlufttechnischer Anlage. Dieselben Höchstwerte stehen heute in § 26 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), dort für die Prüfung eines zu errichtenden Gebäudes. Für einen bestehenden Wintergarten taugen sie als Orientierung. Wie Flügeldichtungen geprüft und getauscht werden, beschreibt der Ratgeber Zugluft am Fenster stoppen.

3. Kontrollgang vor dem Frost: Schadensbilder richtig lesen

Ein Rundgang innen und außen bei trockenem Wetter zeigt, wo nachgearbeitet werden muss. Für Glasversiegelungen nennt das IVD-Merkblatt 10, auf das Merkblatt 13 dafür verweist, typische Schadensursachen: eine nicht vollsatt gefüllte Fuge mit zu kleiner Haftfläche, gerissenen Dichtstoff (Kohäsionsverlust), Haftverlust an der Flanke durch mangelhafte Vorbehandlung oder Unverträglichkeit mit der Beschichtung (Adhäsionsverlust) sowie Lufteinschlüsse. Dringt dort Wasser in den Glasfalz, sind laut Merkblatt 10 Schäden am Isolierglas-Randverbund, an VSG-Folien und an der Rahmenbeschichtung vorprogrammiert.

  • Glasversiegelung außen: Risse, Ablösungen an Glas oder Rahmen, Lufteinschlüsse
  • Form der Versiegelung: Läuft Wasser ab oder bleibt es auf der Fase stehen?
  • Öffnungen für den Dampfdruckausgleich im Glasfalz frei und nicht zugespritzt
  • Wandanschluss oben und seitlich: Abriss zum Putz, Blechabdeckung intakt
  • Fußpunkt: Nässe, Algen, Abplatzungen am Sockel
  • Kopplungen der Elemente: Dichtband gleichmäßig aufgegangen, keine Lücken an Stößen
  • Rinne und Fallrohr frei von Laub, Rinnenstöße dicht
  • Raumseite: Feuchteflecken, Schimmel oder Tauwasser an Anschlüssen

Beim Nachversiegeln können die Öffnungen für den Dampfdruckausgleich versehentlich zugespritzt werden. Bei dichtstofffreien Glasfalzen verlangt das IVD-Merkblatt 10 in jedem Eckbereich eine Öffnung nach außen und bei einem Glasfalzmaß über 1.200 mm eine weitere im mittleren Bereich; Bohrungen haben mindestens 8 mm Durchmesser, Schlitze mindestens 5 mm × 20 mm (IVD-Merkblatt 10). Sie müssen offen bleiben, damit der Dampfdruckausgleich nach außen funktioniert.

Auch die Dachrinne gehört dazu. Ein Wintergarten ist in der Regel nur gegen nicht drückendes, abfließendes Wasser dicht konstruiert; staut sich Tauwasser an einer vereisten Rinne, kann es nach Wikipedia in die Konstruktion eindringen. Hinweise zu Nähten und Stutzen gibt der Beitrag Dachrinne vor der Laubsaison abdichten, zur Bewertung von Rissen und Ablösungen der Ratgeber Fassadenfugen vor dem Winter prüfen.

Nicht auf das Glasdach steigen

Im Jahr 2025 waren im Zuständigkeitsbereich der BG BAU 41 % (BG BAU) der tödlichen Arbeitsunfälle Absturzunfälle, Dächer waren mit 24 % (BG BAU) der häufigste Unfallauslöser. Dächer und Bauteile dürfen danach nur betreten werden, wenn sie durchtrittsicher sind oder Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Für die Dachfugen eines Wintergartens heißt das in der Praxis: von Gerüst oder Arbeitsbühne aus arbeiten, eine Leiter nur, wenn nichts Sichereres in Frage kommt, und die Scheiben nicht betreten, solange der Systemhersteller das nicht ausdrücklich zulässt.

4. Glasfugen erneuern: Neuversiegelung nach IVD-Merkblatt 10

Die Glasversiegelung nimmt das Wintergarten-Merkblatt ausdrücklich aus und verweist auf Merkblatt 10 für Holzfenster und Merkblatt 13 für Holz-Metall-Konstruktionen. Ist die Scheibe mit Dichtprofilen statt mit Dichtstoff eingedichtet, gelten die Vorgaben des Systemherstellers. Normgrundlage ist DIN 18545 mit Anforderungen an Glasfalze und Verglasungssysteme. Die Ausgabe DIN 18545:2022-01 ersetzt laut Normenlexikon DIN 18545-2 (2008-12) und DIN 18545-3 (1992-02) und verweist für die Klassifizierung elastischer Verglasungsdichtstoffe auf DIN EN 15651-2; die IVD-Merkblätter beziehen sich noch auf die älteren Teile.

Zur Erwartung an eine Reparatur: Eine Erstversiegelung hat festgelegte Dichtstoffmaße und definierte Haftflächen, eine Instandsetzung kann diese Ausgangssituation laut Merkblatt 10 nicht wiederherstellen. Möglich ist aber eine fachgerechte Instandsetzung, die schlagregendicht ist. Weil sich der alte Dichtstoff im Fugengrund nicht restlos entfernen lässt, muss der neue mit dem alten verträglich sein und an Glas und Rahmen einwandfrei haften.

Schritt 1
Alte Versiegelung schräg abschneiden. Zum Glas hin schneiden, ohne Holz oder Rahmenbeschichtung zu verletzen.
Schritt 2
Reinigen und ausbessern. Glas und Rahmen gründlich reinigen, kleine rohe Stellen am Holz nachbeschichten oder mit Primer vorstreichen.
Schritt 3
Abkleben. Am Glas und am Rahmen abkleben, weil die neue Fase deutlich breiter wird.
Schritt 4
Neu versiegeln. Die alte Versiegelung schräg überdecken; empfohlen sind an Glas und Rahmen jeweils mindestens 2 mm neue Haftfläche.
Schritt 5
Formen und kontrollieren. Die Fase so ausbilden, dass kein Wasser stehen bleibt, Klebeband abziehen, Öffnungen für den Dampfdruckausgleich frei lassen.

Erneuert wird die gesamte Fase von Ecke zu Ecke; stellenweises Ausbessern ist nach Merkblatt 10 nicht fachgerecht. Für Verglasungen ohne Vorlegeband nennt es eine Mindestdicke des Dichtstoffs von 4 mm und eine Grenze von 6 m² Scheibengröße und 3 m Kantenlänge (IVD-Merkblatt 10). Bei Holz-Metall-Konstruktionen muss nach Merkblatt 13 zusätzlich die Verträglichkeit mit VSG-Folien, Gießharz und Isolierglas-Randverbund gegeben sein.

Selbstreinigendes Glas: kein Silikon

Die Beschichtung selbstreinigender Gläser ist mit Silikon-Dichtstoffen nicht verträglich; für sie gibt es Dichtstoffe auf Basis Hybrid-Polymer. Das IVD-Merkblatt 24 verlangt geprüfte Verträglichkeit auch für Dichtstoffe oberhalb solcher Gläser, weil Regen Bestandteile auswaschen kann. Nach Merkblatt 10 müssen Dichtstoff- und Glashersteller den Dichtstoff freigeben, auch für die Innenseite.

Bei Mehrscheiben-Isolierglas ohne Spezialbeschichtung kommen überwiegend Silikon-Dichtstoffe zum Einsatz (IVD-Merkblatt 10). Ein neutral vernetzendes Silikon, das der Hersteller für Verglasungen an Holz-, Kunststoff-, Aluminium- und Metallfenstern ausweist, kommt für die üblichen Rahmenwerkstoffe in Frage; auf pulverbeschichteten Profilen ist die Haftung trotzdem vom Hersteller zu bestätigen:

Auf Gebinde oder Merkblatt eines Verglasungsdichtstoffs sollten laut Merkblatt 10 unter anderem Reaktionssystem, Norm und Dichtstoffgruppe, Verträglichkeit mit Randverbund und VSG-Folien sowie die Verarbeitungstemperaturen stehen.

5. Anschlüsse an Hauswand, Fußpunkt und Elementkopplungen

An den Baufugen trifft der Wintergarten auf das Bestandsgebäude. Das IVD-Merkblatt 24 nennt Bautoleranzen, Baukörper, die nicht exakt im Lot stehen, sowie gekürzte Profile und Sparren mit frischen Schnittkanten. Die frühere Außenwand wird im Wintergarten bauphysikalisch zur Innenwand; weil sich die Temperaturen innen und außen unterscheiden, bewegen sich die Fugen unterschiedlich stark.

Oberer Wandanschluss

Das Merkblatt zeigt dafür eine Dichtstoffnaht in Kombination mit einer in den Putz eingeschnittenen Blechabdeckung, die über der Fuge sitzt.

Senkrechter Wandanschluss

Er zählt ausdrücklich zu den Wartungsfugen. Auf Putz ist ein niedermoduliger Dichtstoff vorgesehen, mit Hinterfüllung und ohne Haftung am Fugengrund.

Fußpunkt

Er wird analog zu einem unteren Fassadenanschluss ausgeführt. Ein Abschluss wie beim Einbau eines Lochfensters reicht laut Merkblatt nicht aus.

Kopplungen und Leisten

Seitenelemente, Pfosten, Traufenträger und Randsparren werden typischerweise mit Dichtband gekoppelt, Abdeckleisten und Rinnenstöße mit Montageklebstoff.

Vorkomprimierte, imprägnierte Dichtbänder haften nicht an den Flanken, sie dichten über ihren Anpressdruck. Nach den Beanspruchungsgruppen der DIN 18542, die das IVD-Merkblatt 26-1 nach der Ausgabe 2020-04 wiedergibt, eignen sich Bänder der Gruppe BG1 für die ungeschützte Außenanwendung und sind schlagregensicher bis mindestens 600 Pa, Bänder der Gruppe BG2 nur für abgedeckte Fugen und bis 300 Pa (IVD-Merkblatt 24 / IVD-Merkblatt 26-1). Für Bereiche mit anstauendem Sickerwasser oder stehendem Wasser sind sie nicht zulässig, in horizontalen oder wenig geneigten Fugen nur nach Abstimmung mit dem Hersteller.

Der Einsatzbereich des Bandes muss das Fugenmaß samt Bewegung umschließen: Eine Fuge von 10 bis 12 mm mit ±1 mm Bewegung verlangt nach dem Beispiel im Merkblatt ein Band, das 9 bis 13 mm abdeckt, etwa eines mit dem Bereich 8 bis 15 mm. Für Schlagregendichtheit darf die Fugenbreite höchstens 50 % der Nenndicke betragen (IVD-Merkblatt 24). Senkrechte Fugen werden von unten nach oben belegt, Stöße auf Stauch gesetzt und Ecken stumpf gestoßen.

Für Bauanschlussfugen zwischen Profil und Beton oder Mauerwerk bietet sich ein niedermoduliger Hybrid-Dichtstoff an. Dieser ist nach Herstellerangabe als F-25LM nach DIN EN 15651-1 klassifiziert und für Anschlussfugen an Aluminium, Holz und PVC ausgelegt. Auf Putz und WDVS ist sein Dehnspannungswert im technischen Merkblatt gegen die strengere Grenze von 0,2 N/mm² (IVD-Merkblatt 24) zu prüfen:

6. Dichtstoff wählen: Verträglichkeit geht vor Gewohnheit

Wegen der vielen wechselnden Oberflächen ist eine Haftungsprüfung laut IVD-Merkblatt 24 zwingend erforderlich; für typische Einsatzzwecke kann sie der Systemgeber übernehmen, auf dessen Angaben sich der Verarbeiter stützt. Die Tabellen des Merkblatts zeigen, welche Systeme auf welchen Untergründen üblicherweise einsetzbar sind:

RohstoffsystemZulässige GesamtverformungGlasPutz und BetonEinordnung im Wintergarten
Silikon, neutral vernetzend20 bis 25 %verträglichverträglichüblich für Glasversiegelungen, nicht auf selbstreinigendem Glas
Silikon, sauer vernetzend20 bis 25 %verträglichnicht empfohlenauch auf Stahl, Kupfer und Zink nicht empfohlen
Hybrid-Polymer20 bis 25 %verträglichverträglichOption für selbstreinigendes Glas und Bauanschlüsse
Polyurethan12,5 bis 25 %nicht empfohlenverträglichfür Anschlüsse, nicht für Glasfugen
Acrylatdispersion7,5 bis 25 %nicht empfohlenverträglichbis 25 % Schwund zulässig, im Merkblatt nur für Fugen zu Putz und zwischen Holzbauteilen genannt

„Verträglich“ heißt nur, dass sich Dichtstoff und Baustoff nicht schädigen; über die Haftung sagt es nichts. Bei pulverbeschichtetem Aluminium setzt das Merkblatt für alle fünf Systeme ein „E“: Die Eignung ist vom Hersteller bestätigen zu lassen. Gefordert sind außerdem eine zulässige Gesamtverformung von 25 % außen und mindestens 12,5 % innen, ein Dehnspannungswert von höchstens 0,4 N/mm² auf Beton und Metall und 0,2 N/mm² auf Putz sowie ein Volumenschwund von höchstens 10 % bei nicht wässrigen Systemen und 25 % bei Acrylatdispersionen (IVD-Merkblatt 24).

Auf Putz, Wärmedämmverbundsystemen und Porenbeton sind niedermodulige Dichtstoffe der Klasse LM vorgesehen. Auf rohem, unbehandeltem Holz ist ein Dichtstoff nach dem Merkblatt nicht zulässig, bei geölten oder gewachsten Oberflächen ist Rücksprache mit dem Hersteller nötig. Wo der Dichtstoff den Isolierglas-Randverbund oder die Kante von Verbundsicherheitsglas berührt, verweist das Merkblatt auf die ift-Richtlinien DI-02/1 und DI-02/2. Die Grundlagen erklärt der Beitrag Silikon, Acryl oder Hybrid?; die Systeme führt die Kategorie Dichtstoffe.

Haftprobe auf beschichteten Profilen

Für Pulver- und Flüssigbeschichtungen beschreibt das IVD-Merkblatt 24 eine einfache Prüfung: Fläche mit Isopropanol abwischen, fünf Minuten ablüften, drei etwa 100 mm lange Raupen auftragen. Nach sieben Tagen im Normalklima wird die erste von Hand abgezogen, nach weiteren sieben Tagen in Wasser die zweite. Reißt die Raupe in sich, ist das zulässig; löst sie sich von der Fläche, nicht.

Reiniger und Primer gehören zum System des Dichtstoffs: Glatte Flächen wie Glas, Metall und Lack brauchen andere Vorbehandlungen als saugende wie Putz und Holz. Passende Produkte führt die Kategorie Reiniger und Haftgrund.

7. Fuge bemessen und Schritt für Schritt ausführen

Die nötige Fugenbreite ergibt sich aus den Bewegungen der Bauteile und der zulässigen Gesamtverformung des Dichtstoffs: Je geringer die Verformbarkeit, desto breiter die Fuge. Für Stoßfugen nennt das IVD-Merkblatt 24 eine Mindestbreite von 6 mm; bei Fugen bis 4 mm hilft ein Vorlegeband gegen Dreiflankenhaftung. Das Verhältnis von Breite zu Dichtstofftiefe gibt Tabelle 4 des Merkblatts vor:

Fugenbreite6 mm10 mm15 mm20 mm25 mm30 mm
Dichtstofftiefe6 mm8 mm10 mm12 mm15 mm15 mm

Als Hinterfüllung hat sich laut Merkblatt ein geschlossenzelliges Rundprofil aus geschäumtem Polyethylen bewährt, dessen Durchmesser ein Viertel bis ein Drittel größer ist als die Fugenbreite. Es darf beim Einbau nicht verletzt werden, kein Wasser aufnehmen und weder Bitumen noch Teer oder Öle enthalten. Mehr dazu im Beitrag Dreiflankenhaftung vermeiden; Rundschnüre führt die Kategorie Bänder und Schnüre. Die Arbeitsschritte nach Merkblatt:

  1. Haftflächen reinigen: sauber, trocken, fettfrei, fest und frei von Schaumresten oder Anstrichen.
  2. Mit Primer vorbehandeln, wenn der Hersteller das vorsieht, Ablüftezeit und offene Zeit einhalten.
  3. Fugenränder bei Bedarf abkleben und die Rundschnur einlegen.
  4. Dichtstoff einbringen, abziehen und glätten.
  5. Ränder mit möglichst wenig Glättmittel nachglätten, Klebebänder abziehen.

Beim Glättmittel ist das Merkblatt streng: nur vom Dichtstoffhersteller empfohlene, neutrale Mittel ohne Film auf der Fuge, weil ein aufreißender Film bei Dehnung als Kerbe wirken kann. Stehendes Glättmittel kann die Vernetzung stören. Glättspachtel, Düsen und Winkelstücke finden Sie im Zubehör für Dichtstoffe.

8. Temperatur, Feuchte und Termin: warum der Oktober zählt

Tiefe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit beeinflussen nach dem IVD-Merkblatt 24 die Aushärtung und die Materialeigenschaften des Dichtstoffs. Zu beachten sind Umgebungs-, Objekt- und Materialtemperatur sowie die Umgebungsfeuchte; die Grenzen stehen im technischen Merkblatt des Dichtstoffs. Was bei Kälte und nahe am Taupunkt gilt, behandelt der Ratgeber Dichtstoff bei Kälte verarbeiten.

Für Dichtbänder ist die Temperatur noch kritischer: Bei niedrigen Temperaturen gehen sie langsamer auf, bei Frost stellen sie sich in der Regel gar nicht mehr zurück. Das schadet dem Band nicht, eine abdichtende Wirkung ist dann aber nicht zu erwarten (IVD-Merkblatt 24). Wer die Arbeiten jetzt plant, kann trockene und mildere Tage gezielt nutzen, statt bei Frost nachbessern zu müssen.

Praxistipp: jede Fuge dokumentieren

Das IVD-Merkblatt 24 empfiehlt ein Baustellenprotokoll mit Art der Abdichtung, Materialtemperatur, Witterung samt Bauteiltemperatur und Luftfeuchte sowie Dichtstoff und Primer mit Fabrikat und Chargennummer. Bei der nächsten Wartung ist dann bekannt, welcher Dichtstoff in welcher Fuge steckt.

9. Material und Werkzeug für die Wintergartenwartung

Für Fachbetriebe und Hausverwaltungen lohnt es sich, die Wartung als Bausatz zu planen: Verglasungsdichtstoff passend zur Glasart, ein niedermoduliger Dichtstoff für die Bauanschlüsse, Reiniger und Primer aus demselben System, Rundschnur, Glättwerkzeug sowie Pressen und Düsen, die auch tiefe und verwinkelte Fugen erreichen. Welche Presse zu welchem Gebinde passt, erklärt der Ratgeber Kartuschenpresse wählen.

Wintergartenwartung
Primer, Pressen und Düsen für Glas- und Anschlussfugen
Primer für glatte und saugende Untergründe, Handpressen für Kartuschen und Schlauchbeutel mit passender Kegeldüse, eine Druckluft-Versiegelungspistole, Verlängerungsdüse und Winkelstück für tiefe und verwinkelte Fugen sowie ein Pflegeset für Fenster und Türen.

Für Arbeiten an Verglasungen führt die Auswahl nach Anwendungsgebiet eine eigene Kategorie:

Für Anschlüsse, Klebungen und die Vorbereitung ergänzen sich diese Bereiche:

Die Kurzformel für den Wintergarten

Fugen vor dem Frost kontrollieren, Glasversiegelungen von Ecke zu Ecke erneuern, Dampfdruckausgleich frei halten, Dichtstoff nach Glasart und Untergrund wählen, Fugen richtig bemessen und hinterfüllen, im freigegebenen Temperaturbereich arbeiten und dokumentieren.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen fachlichen Orientierung und ersetzt weder eine Rechtsberatung noch die objektbezogene Beurteilung durch einen Fachbetrieb. Maßgeblich sind die anerkannten Regeln der Technik, insbesondere die IVD-Merkblätter 10, 13, 24 und 26-1 sowie DIN 18545, die Unterlagen des Systemherstellers, das Gebäudemodernisierungsgesetz in seiner geltenden Fassung sowie die technischen Merkblätter und Sicherheitsdatenblätter der eingesetzten Produkte.

10. Häufige Fragen zum Wintergarten abdichten

Wie oft sollte ich die Fugen am Wintergarten prüfen?

Das IVD-Merkblatt 24 ordnet alle Dichtstofffugen im Wintergartenbau als Wartungsfugen ein, die nach Vereinbarung regelmäßig inspiziert werden. Erfahrungsgemäß bietet sich ein Kontrollgang im Herbst an, zusätzlich nach starken Unwettern.

Kann ich eine gerissene Glasfuge stellenweise ausbessern?

In der Regel nicht. Nach IVD-Merkblatt 10 wird die gesamte Fase von Ecke zu Ecke erneuert und die alte Versiegelung schräg überdeckt, empfohlen mit jeweils mindestens 2 mm neuer Haftfläche an Glas und Rahmen.

Welcher Dichtstoff eignet sich für selbstreinigendes Glas?

Typischerweise ein Hybrid-Polymer, weil Silikon mit der Beschichtung nicht verträglich ist. Nach IVD-Merkblatt 10 müssen Dichtstoff- und Glashersteller ihn freigeben, auch für die Innenseite.

Darf ich bei Kälte noch abdichten?

Nur innerhalb der Grenzen, die das technische Merkblatt des Dichtstoffs nennt. Tiefe Temperaturen und hohe Luftfeuchte beeinflussen die Aushärtung; vorkomprimierte Dichtbänder gehen bei Frost in der Regel nicht mehr auf.

Darf ich auf das Glasdach steigen, um die Fugen zu erreichen?

Nach den Regeln der BG BAU nur, wenn das Dach durchtrittsicher ist oder Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Ohne Freigabe des Systemherstellers empfiehlt sich in der Regel die Arbeit vom Gerüst oder von einer Arbeitsbühne aus.

Welche Angaben brauche ich für ein Angebot zu Dichtstoff und Zubehör?

Hilfreich sind Rahmenwerkstoff und Beschichtung, die Glasart, die Fugenlängen und -breiten sowie der Untergrund an der Hauswand. Daraus lässt sich das Material in der Regel zügig zusammenstellen.

Dichtstoffe und Zubehör für die Wintergartenwartung anfragen

Sie betreuen mehrere Wintergärten oder planen die Fugensanierung für ein Objekt? Nennen Sie uns Rahmenwerkstoff, Glasart und Fugenlängen – Sie erhalten ein faires, transparent kalkuliertes Angebot.