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Wer die Dachrinne abdichten will, hat dafür im September das beste Zeitfenster: Das Laub liegt noch nicht in der Rinne, die Bauteile sind trocken und warm genug, und die Herbststürme stehen erst bevor. Undichte Nähte, ein wackelnder Ablaufstutzen oder ein verstopftes Fallrohr fallen sonst erst auf, wenn das Wasser an der Fassade herunterläuft. Dieser Ratgeber führt durch Prüfung, Untergrund, Materialwahl und Ausführung.

Kurz & knapp

Undichte Dachrinnen versagen selten auf der glatten Fläche, sondern an den Fügestellen: Längsnähte, Ablaufstutzen, Rinnenwinkel und Fallrohrbogen. Entscheidend ist weniger die Kartusche als der Untergrund: Metall muss sauber, trocken, fettfrei und tragfähig sein. Betrieb und Wartung regelt DIN 1986-3 (2024-05), Anforderungen an Rinnen und Halter stehen in DIN EN 612 und DIN EN 1462.

1. Warum die Dachrinne vor dem Laubfall an die Reihe kommt

Eine Dachrinne sammelt das Wasser einer großen Fläche auf wenigen Zentimetern Breite – deshalb hat jede kleine Undichtigkeit eine große Wirkung. Ein Riss in einer Längsnaht gibt bei kräftigem Herbstregen über Stunden Wasser an dieselbe Stelle der Fassade ab: konzentriert abgeleiteter Niederschlag.

Der September ist dafür aus vier Gründen günstig: Die Rinne ist noch frei, Rinne und Fallrohr sind trocken, die Temperaturen liegen im Verarbeitungsfenster der meisten Produkte, und auf die Arbeit folgt unmittelbar der Belastungstest aus Laubfall, Dauerregen und den ersten Stürmen.

Dazu kommt ein Folgeeffekt: Eine überlaufende Rinne durchfeuchtet den Bereich unter der Traufe; im Winter friert dieses Wasser und arbeitet die Schadstelle weiter auf. Was im September eine Naht ist, ist im März häufig eine Instandsetzung an Sockel und Fassade – wie der erdberührte Bereich geschützt wird, zeigt der Beitrag Sockel- und Perimeterabdichtung.

Freie Sicht auf die Schadstelle

Vor dem Laubfall liegt kein Schlamm in der Rinne. Nähte, Stutzen und Halter sind ohne Grundreinigung beurteilbar.

Trockene Haftflächen

Dichtstoffe brauchen einen trockenen, fettfreien Untergrund. Im Spätsommer ist das ohne Wartezeit erreichbar, im Spätherbst selten.

Temperaturen im Fenster

Verarbeitungstemperaturen von rund +5 °C bis +35 °C werden im September meist eingehalten, im Dezember eher nicht.

Direkter Belastungstest

Laub, Dauerregen und Sturm folgen unmittelbar. Eine mangelhafte Stelle zeigt sich in Wochen, nicht erst im Frühjahr.

2. Was das Regelwerk zu Betrieb und Wartung sagt

Die Dachrinne ist Teil der Entwässerungsanlage, und für deren Betrieb, Inspektion und Wartung gibt es ein eigenes Regelwerk: DIN 1986-3 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Teil 3: Regeln für Betrieb und Wartung“. Die aktuelle Ausgabe trägt das Datum 2024-05 und hat die Vorgängerfassung 2004-11 abgelöst; erarbeitet wurde sie vom Arbeitsausschuss NA 119-05-02 AA.

Einschlägig sind drei Abschnitte: Abschnitt 8 behandelt Inspektion und Wartung, Abschnitt 9 die Gefahren bei Arbeiten an Entwässerungsanlagen und Abschnitt 10 die konkreten Maßnahmen, die Tabelle 1 zusammenfasst. Die Norm empfiehlt Anlagenbesitzern zudem einen Wartungsvertrag mit einem Fachbetrieb. Welche Intervalle gelten, ist der Tabelle der geltenden Fassung zu entnehmen; für die Dachentwässerung ist der Herbst nach dem Laubfall der naheliegende Termin.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Bemessung: Wie viel Wasser eine Rinne abführen können muss und wie Notentwässerungen auszulegen sind, steht in DIN 1986-100 (Ausgabe 2016-12) im Zusammenspiel mit DIN EN 12056. Wer eine Rinne bei jedem Starkregen überlaufen sieht, obwohl sie sauber und dicht ist, hat kein Abdichtungs-, sondern ein Bemessungsproblem.

Gut zu wissen

Abdichten ist Instandsetzung, kein Ersatz für eine tragfähige Konstruktion. Ist eine Rinne durchgerostet, fehlt das Gefälle oder sind Halter ausgerissen, zeigt die Naht das Problem nur an. Dann gehört das Bauteil erneuert – ein Dichtstoff überbrückt bestenfalls eine Saison.

3. Wo Dachrinnen undicht werden: Nähte, Stutzen, Fallrohr

Hängedachrinnen und außen liegende Regenfallrohre aus Metallblech sind in DIN EN 612 (Ausgabe 2005-04) geregelt. Die Norm definiert die Hängedachrinne als Rinne, die außen am Gebäude angebracht ist und durch Rinnenhalter getragen wird (Abschnitt 3.1). Diese Bauart – gehalten, mit Nahtverbindungen gefügt – erklärt, wo sie typischerweise versagt.

Die Längs- und Stoßnaht

Rinnenstücke werden gestoßen, überlappt, gefalzt, gelötet, genietet oder geklebt. Jede Fügestelle ist eine Bewegungsstelle: Metall dehnt sich bei Sonne und zieht sich nachts zusammen, über Jahre arbeitet die Naht. Lötnähte reißen an der Wärmeeinflusszone, Nietverbindungen lockern sich, alte Dichtmassen verhärten. Der typische Befund ist keine offene Fuge, sondern ein feiner Riss entlang der Naht, der erst bei stehendem Wasser tropft.

Der Ablaufstutzen

Der Stutzen ist der am stärksten belastete Punkt der Rinne. Hier bündelt sich das Wasser der ganzen Fläche, hier sammelt sich Laub, und hier trifft ein rundes Bauteil auf ein halbrundes – ein geometrisch anspruchsvoller Übergang, der dauerhaft im Wasser liegt. Austretendes Wasser läuft am Fallrohr entlang direkt an die Fassade.

Rinnenwinkel, Endboden und Fallrohrbogen

Innen- und Außenwinkel an Gebäudeecken sind mehrfach gekantete Bauteile mit kurzen, spannungsreichen Nähten, der Endboden ist eine Stirnnaht ohne Überlappung. Am Fallrohr ziehen sich Bögen und Muffen auseinander – oft weniger durch Wasser als durch Eislast.

Halter und Gefälle

Rinnenhalter sind in DIN EN 1462 (Ausgabe 2004-12) geregelt. Die Norm verlangt, dass Halter so bemessen sind, dass sich die für sie bestimmten Dachrinnen frei in ihnen verschieben können und durch starken Wind nicht herausgehoben werden (Abschnitt 6); als Werkstoff nennt sie unter anderem feuerverzinktes Stahlblech DX 51 D oder höherer Güte mit mindestens 275 g/m² Schichtmasse (Abschnitt 4). Ein verbogener Halter nimmt der Rinne das Gefälle; das Wasser steht dann an der Naht. Wer nur diese abdichtet, behandelt das Symptom.

4. Werkstoff erkennen, bevor die Kartusche angesetzt wird

Der häufigste Fehler beim Abdichten einer Dachrinne ist nicht die Ausführung, sondern der falsche Werkstoffbezug. Ein Dichtstoff, der auf dem einen Metall haftet, kann auf dem anderen versagen.

Titanzink bildet an der Luft eine Patina, die zugleich eine Trennschicht für Dichtstoffe ist – ohne Anrauen oder chemische Vorbehandlung haftet auf gealtertem Zink wenig. Verzinkter Stahl verhält sich ähnlich, ist aber an Schnittkanten korrosionsanfällig. Aluminium trägt eine schnell nachwachsende Oxidschicht, die unmittelbar vor dem Auftrag zu entfernen oder mit einem Haftvermittler zu behandeln ist. Kupfer ist beständig, verlangt aber Rücksicht auf die Materialpaarung: mit Zink oder Aluminium entsteht bei leitender Verbindung und Feuchtigkeit Kontaktkorrosion.

Für die Auswahl gilt: erst das Metall bestimmen, dann das technische Merkblatt des Dichtstoffs auf genau dieses Metall prüfen. Das IVD-Merkblatt 25 verlangt, dass eingesetzte Materialien mit dem zu verfugenden Baustoff verträglich sind (Abschnitt 9.2).

Werkstoff Typisches Verhalten Vorbereitung Zu beachten
Titanzink Patina als Trennschicht anrauen, reinigen, Haftgrund prüfen keine stark alkalischen Reiniger
Verzinkter Stahl Zinkschicht, Kanten anfällig entfetten, Rost mechanisch entfernen Schnittkanten mitbehandeln
Aluminium Oxidschicht wächst schnell nach unmittelbar vor Auftrag vorbereiten Haftvermittler meist erforderlich
Kupfer chemisch beständig, edel reinigen, entfetten Kontaktkorrosion mit Zink/Aluminium
Kunststoff (PVC) hohe Wärmedehnung Verträglichkeit prüfen Steckverbindungen bleiben beweglich
Bitumen-Altbestand weich, wandernde Bestandteile Altmasse entfernen Verträglichkeit selten gegeben

5. Untergrund vorbereiten: reinigen, entfetten, grundieren

Ist eine Abdichtung nach einem Winter wieder offen, liegt das meist an der Vorbereitung. Das IVD-Merkblatt 25 formuliert die Anforderung an die Haftflächen unmissverständlich: Sie müssen eben, sauber, trocken und fettfrei sowie fest und tragfähig sein und frei von Oberflächenbehandlungen wie Schaumresten, Anstrichen oder Imprägnierungen, die das Haften und Aushärten beeinträchtigen (Abschnitt 9.2).

In der Rinne heißt das vier Schritte. Erstens die mechanische Reinigung: Laub, Schlamm und Moos heraus, lose Altdichtmasse und Rost mit Spachtel und Bürste entfernen. Zweitens das Anrauen im Nahtbereich, damit der Dichtstoff eine Verankerung findet. Drittens das Entfetten: Nicht poröse Oberflächen mit einem vom Hersteller empfohlenen Reinigungsmittel, etwa Spiritus oder Isopropanol, poröse mechanisch, zum Beispiel mit einer Stahlbürste (Abschnitt 9.3.2). Viertens, falls vorgesehen, der Haftgrund.

Beim Haftgrund werden zwei Zeitangaben übersehen: die Mindestablüftezeit vor dem Einbringen des Dichtstoffs und die offene Zeit, bis wann er spätestens eingebracht sein muss. Wer zu früh arbeitet, schließt Lösemittel ein; wer zu spät kommt, dichtet auf einem inaktiven Haftgrund ab (Abschnitt 9.3.1).

Über die Haltbarkeit einer Dachrinnenabdichtung entscheidet nicht die Kartusche, sondern die halbe Stunde Vorbereitung davor.
Sika Haftreiniger-1 in der 1 Liter Dose zur Vorbehandlung von Klebeflächen

Reiniger und Haftvermittler in einem Arbeitsgang

Auf Metall entscheidet die Vorbereitung über die Haftung. Ein kombinierter Haftreiniger nimmt Fett und lose Rückstände auf und aktiviert die Oberfläche vor dem Dichtstoff.

Zum Produkt

Die passenden Vorbehandlungsmittel bündelt die Kategorie Reiniger und Haftgrund:

6. Dichtstoffe für Metall: Hybrid, Butyl, Silikon und Klebstoff

Das IVD-Merkblatt 25 behandelt den Einsatz spritzbarer Dichtstoffe, Montageklebstoffe und Butyl-Dichtungsbänder in der Klempnertechnik und führt unter den Einsatzbeispielen für Montageklebstoffe die Dachrinnenklebung auf (Abschnitt 4).

Hybrid-Dichtstoffe auf silanmodifizierter Polymerbasis haben sich an der Rinne durchgesetzt, weil sie mehrere Anforderungen zugleich erfüllen: gute Haftung auf Metall, dauerelastisches Verhalten, Witterungsbeständigkeit und – je nach Produkt – Überstreichbarkeit.

Butyl ist nach der Definition des Verbands eine Sammelbezeichnung für eine Dichtstoffgruppe auf Basis eines Copolymerisats von Polyisobuten und Polyisopren (Abschnitt 10). Butylbänder härten nicht aus, bleiben plastisch und kleben unmittelbar – für überlappte, verdeckte Nähte ohne nennenswerte Bewegung sind sie bewährt. Für sichtbare, belastete Stellen weniger, weil sie nicht überstreichbar sind und unter Last kriechen.

Silikone sind witterungsbeständig, aber in der Regel nicht überstreichbar; auf gealtertem Zink haften sie ohne Vorbehandlung häufig unzureichend. Montageklebstoffe kommen dort ins Spiel, wo gefügt und nicht nur abgedichtet wird. Zur Einordnung der Rohstoffbasen: Silikon, Acryl oder Hybrid-Dichtstoff wählen.

Materialgruppe Stärke an der Rinne Grenze Typischer Einsatz
Hybrid (MS-Polymer) haftstark auf Metall, dauerelastisch Untergrund muss sauber sein Nähte, Stutzen, Winkel
Butylband / -profil sofort dicht, bleibt plastisch nicht überstreichbar, kriecht unter Last überlappte, verdeckte Nähte
Silikon witterungs- und UV-beständig meist nicht überstreichbar Anschlüsse ohne Anstrich
Montageklebstoff fügt und dichtet zugleich vollflächiger Auftrag nötig Stutzen, Endboden, Profile
Achtung: Fugenbreite und Bewegung

Eine Abdichtung braucht Volumen, um Bewegung aufnehmen zu können. Für mit spritzbaren Dichtstoffen abgedichtete Stoßfugen weist das IVD-Merkblatt 25 darauf hin, dass die Mindestfugenbreite 6 mm nicht unterschreiten sollte (Abschnitt 10). Ein hauchdünn gezogener Film hat keine Dehnreserve und reißt beim ersten Temperaturwechsel.

7. Nähte, Stutzen und Fallrohr Schritt für Schritt

Die Reihenfolge der Arbeitsschritte beschreibt das IVD-Merkblatt 25: Haftflächen reinigen, gegebenenfalls Fugenränder abkleben, mit geschlossenzelliger Rundschnur hinterfüllen, falls erforderlich mit Primer vorbehandeln, Dichtstoff einbringen, Oberfläche abziehen und glätten, Klebebänder abziehen und mit möglichst wenig Glättmittel nachglätten (Abschnitt 9.3.1). An der Dachrinne heißt das:

Schritt 1
Rinne leeren und spülen, Gefälle und Halter prüfen, jede Naht, jeden Stutzen und jeden Fallrohranschluss einzeln beurteilen und die Fundstellen markieren.
Schritt 2
Schadstellen freilegen: Altdichtmasse und Rost entfernen, Metall anrauen, entfetten und vollständig ablüften lassen.
Schritt 3
Haftgrund auftragen, falls vorgesehen, und Mindestablüftezeit sowie offene Zeit einhalten – nicht früher und nicht später weiterarbeiten.
Schritt 4
Dichtstoff hohlraumfrei einbringen, mit ausreichender Schichtdicke abziehen, glätten und vor Regen schützen, bis er hautbildungsfest ist.

Für die Längsnaht gilt: nicht oberflächlich überstreichen, sondern den Dichtstoff in die Fuge drücken. Am Stutzen wird ringsum gearbeitet – auch auf der Rückseite zur Wand hin, weil dort bei Rückstau das Wasser zuerst austritt. Am Fallrohr sind Muffen und Bögen die Prüfstellen; die Steckverbindungen müssen Längenausdehnung aufnehmen können und dürfen nicht starr verklebt werden. Der Endboden braucht eine umlaufend saubere Kehle.

Praxistipp

Prüfen Sie das Ergebnis mit Wasser, nicht mit dem Auge. Nach der Hautbildung – die Zeitangabe steht im Produktmerkblatt – die Rinne vom höchsten Punkt aus fluten und den Ablauf über mehrere Minuten beobachten. So zeigt sich, ob alle Stellen dicht sind und das Gefälle stimmt.

Für eine saubere Raupe braucht es Werkzeug: eine Kartuschenpresse mit ausreichender Kraftübersetzung, einen sauberen Düsenanschnitt und ein Glättwerkzeug. Welche Bauart wozu passt, erläutert der Beitrag Kartuschenpresse richtig wählen:

8. Temperatur, Feuchte und das Zeitfenster im September

Verarbeitungsbedingungen sind keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Das IVD-Merkblatt 25 nennt für die Klempnertechnik eine Umgebungs- und Objekttemperatur von +5 °C bis +35 °C und eine Materialtemperatur von mindestens +5 °C. Bei feuchtigkeitshärtenden Klebstoffen ist zudem auf ausreichende Umgebungsfeuchtigkeit zu achten; tiefe Temperaturen und hohe Luftfeuchte beeinflussen Aushärtung und Materialeigenschaften (Abschnitt 9.1).

Die Objekttemperatur wird auf dem Dach am häufigsten übersehen. Eine Rinne auf der Nordseite bleibt an einem sonnigen Septembertag kühler als die Luft, auf der Südseite kann sie am Nachmittag über 35 °C erreichen. Beide Extreme sind ungünstig: Auf zu kaltem Blech kann Tauwasser stehen, auf zu heißem zieht der Dichtstoff eine Haut, bevor er glattgezogen ist. Sinnvoll ist deshalb, an der Nordseite den Nachmittag und an der Südseite den Vormittag zu wählen – und die Blechtemperatur zu messen.

Der zweite kritische Punkt ist der Taupunkt. Kühlt das Metall nachts darunter ab, schlägt sich Feuchtigkeit als unsichtbarer Film nieder; wer früh morgens anfängt, dichtet unter Umständen darauf ab. Ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang zu beginnen, beseitigt das Risiko – ausführlich im Beitrag Dicht- und Klebstoffe bei Kälte verarbeiten. Schließlich braucht die frische Abdichtung eine regenfreie Phase, deren Dauer im Produktmerkblatt steht.

9. Sicher an der Traufe arbeiten

Arbeiten an der Dachrinne finden in Absturzhöhe statt, und die Leiter ist dabei das am häufigsten gewählte und zugleich am häufigsten falsch eingesetzte Arbeitsmittel. Die Anforderungen fasst die DGUV Information 208-016 „Die Verwendung von Leitern und Tritten“ zusammen.

Als hoch gelegener Arbeitsplatz ist eine Leiter bis zu einer Standhöhe von 2 m zulässig; zwischen 2 m und 5 m nur, wenn ausschließlich zeitweilige Arbeiten ausgeführt werden – also Arbeiten, die zwei Stunden je Arbeitsschicht nicht überschreiten, etwa Wartung, Instandhaltung und Inspektion. Eine Aufteilung auf mehrere Tage oder auf verschiedene Personen zu je zwei Stunden ist unzulässig (DGUV Information 208-016).

Dazu kommen die praktischen Regeln: Die drei obersten Stufen oder Sprossen einer Anlegeleiter dürfen nicht bestiegen werden. Dient die Leiter dem Übersteigen auf einen höher gelegenen Arbeitsplatz, sollte ihre Länge so gewählt sein, dass sie die Anlegestelle um mindestens 1 m überragt, sofern keine anderen geeigneten Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind. Anlegeleitern mit Stufen werden unter 60° bis 70° zur Waagerechten angelegt, Ausführungen mit Sprossen unter 65° bis 75°. Werkzeug und Material dürfen zusammen 10 kg nicht überschreiten. Eine durch nasse Farbe, Schmutz, Öl oder Schnee verunreinigte Leiter ist nicht zu benutzen, ebenso wenig eine Leiter bei starkem Wind, Vereisung oder Schneeglätte (DGUV Information 208-016).

Für die Praxis heißt das vor allem eines: nicht seitlich hinauslehnen, sondern absteigen und die Leiter versetzen. Wo größere Abschnitte instand zu setzen sind oder die Zwei-Stunden-Grenze überschritten wird, gehört ein Gerüst oder eine Hubarbeitsbühne eingeplant.

  • Standfläche der Leiter tragfähig, eben und frei von Schmutz und Laub
  • Anlegewinkel geprüft, Leiterkopf gegen Verrutschen gesichert
  • Werkzeug und Material begrenzt, sichere Mitführung geklärt
  • Arbeitszeit je Standort abgeschätzt, Leiter rechtzeitig versetzt
  • Witterung geprüft: kein Arbeiten bei Wind, Nässe oder Frost auf der Leiter
  • Bei größerem Umfang Gerüst oder Hubarbeitsbühne statt Leiter eingeplant

10. Material für die Laubsaison planen und beschaffen

Wer mehrere Objekte betreut, plant die Dachrinnenwartung besser als Kampagne: Ein Durchgang über alle Gebäude im September braucht dieselbe Materialliste und dieselbe Ausrüstung – und lässt sich in einem Zug beschaffen.

Die Liste ist überschaubar: ein Dichtstoff mit nachgewiesener Haftung auf dem vorgefundenen Metall, ein passender Reiniger und gegebenenfalls ein Haftgrund, Hilfsmittel zum Entfernen von Altmasse und Rost, eine leistungsfähige Kartuschenpresse mit Ersatzdüsen sowie Glättwerkzeug und Reinigungstücher. Wer Bestand aus dem Vorjahr verwendet, prüft das Haltbarkeitsdatum – wie Bauchemie zu lagern ist, beschreibt der Beitrag Bauchemie richtig lagern.

Für den Überblick über die passenden Sortimentsbereiche – von den Dichtstoffen über die Klebstoffe bis zu den Hilfsmitteln – helfen diese Kategorien:

Weitere Praxisthemen sammelt der Ampha-Blog; wer hinter der Beratung steht, zeigt die Seite Über uns.

Dieser Beitrag dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine objektbezogene Beurteilung. Maßgeblich sind die einschlägigen Regelwerke (unter anderem DIN 1986-3, DIN 1986-100, DIN EN 612, DIN EN 1462, IVD-Merkblatt 25), die anerkannten Regeln der Technik, die Vorgaben zur Arbeitssicherheit sowie die technischen Merkblätter des eingesetzten Produkts. Genannte Temperatur- und Zeitangaben sind Orientierungswerte und am Produktdatenblatt zu prüfen.

11. Häufige Fragen zum Abdichten der Dachrinne

Wie oft sollte eine Dachrinne gewartet werden?

Betrieb, Inspektion und Wartung regelt DIN 1986-3 (2024-05); die Maßnahmen sind dort in Tabelle 1 zusammengefasst, und die Norm empfiehlt einen Wartungsvertrag mit einem Fachbetrieb. Für die Dachentwässerung ist der Durchgang nach dem Laubfall der naheliegende Termin; bei starkem Baumbestand ist ein kürzerer Rhythmus sinnvoll.

Welcher Dichtstoff eignet sich für eine Zinkdachrinne?

In der Regel Hybrid-Dichtstoffe auf silanmodifizierter Polymerbasis, weil sie auf Metall gut haften und dauerelastisch bleiben. Entscheidend ist, dass das technische Merkblatt Titanzink ausdrücklich nennt und die Oberfläche vorher angeraut, gereinigt und – falls vorgesehen – grundiert wurde. Auf gealterter Patina haftet ohne Vorbehandlung wenig.

Kann ich über eine alte, harte Dichtmasse einfach neu abdichten?

Erfahrungsgemäß nicht dauerhaft. Das IVD-Merkblatt 25 verlangt Haftflächen, die fest und tragfähig sowie frei von Oberflächenbehandlungen sind, die das Haften beeinträchtigen. Verhärtete Altmasse erfüllt das nicht – der neue Dichtstoff haftet dann auf einer Schicht, die selbst nicht mehr trägt.

Bei welcher Temperatur lässt sich eine Dachrinne noch abdichten?

Das IVD-Merkblatt 25 nennt für die Klempnertechnik eine Umgebungs- und Objekttemperatur von +5 °C bis +35 °C sowie eine Materialtemperatur von mindestens +5 °C. Maßgeblich ist im Einzelfall das Produktmerkblatt. Zu beachten ist zudem die Blechtemperatur, die je nach Ausrichtung deutlich von der Lufttemperatur abweicht.

Warum läuft meine Dachrinne über, obwohl sie dicht ist?

Dann liegt es in der Regel nicht an der Abdichtung, sondern an Verstopfung, fehlendem Gefälle oder der Bemessung. Anzahl und Größe von Rinne, Ablauf und Notentwässerung richten sich nach der abflusswirksamen Dachfläche und dem Berechnungsregen; die Grundlagen stehen in DIN 1986-100.

Welche Angaben helfen bei der Beschaffung für mehrere Objekte?

Hilfreich sind der Werkstoff der Rinnen, die ungefähre Länge der Nähte, die Anzahl der Stutzen und Fallrohranschlüsse, der Zustand vorhandener Altabdichtungen sowie der geplante Ausführungszeitraum. Damit lässt sich der Bedarf an Dichtstoff, Reiniger, Haftgrund und Zubehör zügig zusammenstellen.

Material für die Dachrinnenwartung anfragen

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