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Die Fugen einer Fassade sind schmal, unauffällig und trotzdem das Bauteil, an dem im Winter zuerst Wasser eindringt. Wer eine Fassadenfuge sanieren muss, merkt das meist an einem von wenigen wiederkehrenden Schadensbildern: Der Dichtstoff hat sich an einer Flanke abgelöst, in der Fugenmitte klafft ein Riss, die Oberfläche ist von Blasen durchsetzt oder die Fuge sitzt sichtbar unter Zug. Dieser Ratgeber ordnet jedes dieser Bilder seiner Ursache zu, zeigt, wie der Befund am Bauwerk sauber erhoben und dokumentiert wird, und führt durch die Sanierung – rechtzeitig im letzten belastbaren Wetterfenster vor Frost und Schlagregen.

Kurz & knapp

Adhäsionsbruch, Kohäsionsriss, Blasenbildung, überschrittene Gesamtverformung und fehlende Hinterfüllung sind fünf unterschiedliche Schäden mit fünf unterschiedlichen Ursachen – wer sie nicht auseinanderhält, verfugt denselben Fehler neu. Die Sanierung verlangt in der Regel mehr als die Erstverfugung, weil zuerst die Fugenflanken wiederhergestellt werden müssen, bevor überhaupt abgedichtet werden kann. Maßgeblich sind DIN 18540 für die Außenwandfuge, DIN EN 15651-1 und DIN EN ISO 11600 für den Dichtstoff und DIN 52460 für die Begriffe. Der Herbst ist das letzte verlässliche Zeitfenster: die Verarbeitung ist im Bereich von etwa +5 °C bis +35 °C vorgesehen, und der Untergrund muss trocken sein.

1. Warum Fassadenfugen ausgerechnet vor dem Winter geprüft gehören

Eine Fuge ist nach DIN 52460 der beabsichtigte oder toleranzbedingte Raum zwischen Bauteilen – kein Schönheitsfehler der Konstruktion, sondern deren Bewegungsreserve. Beton, Mauerwerk und Naturstein dehnen sich unter Sonneneinstrahlung und ziehen sich bei Kälte zusammen; die Abdichtung muss diese Bewegung dauerhaft mitmachen und zugleich Wasser und Zugluft fernhalten.

Genau hier setzt der Winter an. Die Jahresbewegung erreicht in der kalten Jahreszeit ihr Maximum: Die Bauteile schrumpfen, die Fuge öffnet sich, der Dichtstoff steht unter Zug. Gleichzeitig trifft Schlagregen auf die Fassade, und Wasser, das durch eine offene Flanke hinter die Abdichtung läuft, gefriert bei Frost. Der Volumenzuwachs sprengt Flanken ab und macht aus einer kleinen Fehlstelle in einer einzigen Frostperiode einen echten Schaden.

Der Herbst ist deshalb der richtige Kontrollzeitpunkt: die letzte Phase im Jahr, in der die Witterung eine fachgerechte Ausführung verlässlich zulässt – und der Moment, in dem die Fuge weit genug geöffnet ist, um Fehlstellen zu zeigen.

Maximale Fugenöffnung

Kalte Bauteile ziehen sich zusammen, die Fuge öffnet sich. Schwachstellen werden sichtbar, bevor sie im Winter aufreißen.

Schlagregen und Frost

Hinter eine offene Flanke gelaufenes Wasser gefriert. Der Volumenzuwachs weitet die Fehlstelle und schädigt die Flanke.

Letztes Wetterfenster

Die Verarbeitung ist in der Regel für etwa +5 °C bis +35 °C vorgesehen – im Winter fällt dieses Fenster meist aus.

Folgeschäden vermeiden

Durchfeuchtete Wandbereiche, Ausblühungen und geschädigte Dämmung entstehen hinter der Fuge – und kosten ein Vielfaches.

2. Die fünf Schadensbilder und was sie tatsächlich bedeuten

Die entscheidende Arbeit passiert vor der ersten Kartusche: Jedes Schadensbild lässt sich einer Ursache zuordnen. Wer nur den alten Dichtstoff herausschneidet, baut denselben Schaden mit neuem Material wieder ein. Fünf Bilder decken die weit überwiegende Zahl der Fälle ab.

Adhäsionsbruch: die Fuge löst sich an einer Flanke

Der Dichtstoff ist in sich intakt, hat sich aber an einer Fugenflanke vom Untergrund gelöst; es entsteht ein durchgehender Spalt. Adhäsion ist die Haftung zum Untergrund – versagt sie, liegt die Ursache in der Regel in der Vorbereitung: staubige, feuchte, fettige oder sandende Flanken, ein fehlender oder falscher Primer, eine nicht eingehaltene Ablüftezeit oder ein zum Untergrund unpassender Dichtstoff. Typisch ist die einseitige Ablösung an der schlechter vorbereiteten Flanke.

Kohäsionsriss: die Fuge reißt in sich auf

Hier hält die Haftung an beiden Flanken, aber der Dichtstoff selbst reißt – meist als Längsriss in der Fugenmitte. Kohäsion ist der innere Zusammenhalt des Materials. Reißt er, war die Beanspruchung größer als das, was der Dichtstoff aufnehmen konnte: eine zu schmale Fuge, ein zu geringes Bewegungsvermögen oder ein über Jahre versprödetes Material.

Blasenbildung: Poren und Hohlräume in der Oberfläche

Blasen entstehen, wenn beim Einbringen Gas oder Feuchtigkeit im noch weichen Dichtstoff eingeschlossen wird. Ursachen sind ein nicht sattes Einbringen mit Lufteinschlüssen, ein feuchter Untergrund, ein verletztes oder ungeeignetes Hinterfüllmaterial – dieses darf ausdrücklich keine Blasen hervorrufen – oder ein nicht ausreichend abgelüfteter Primer. Jede Pore reduziert den tragenden Querschnitt und wird zum Startpunkt eines Risses.

Überschrittene zulässige Gesamtverformung

Fugendichtstoffe werden nach ihrem Bewegungsvermögen in Klassen eingeteilt. Die zulässige Gesamtverformung – kurz ZGV – benennt dieses Bewegungsvermögen als Anteil der Fugenbreite; DIN 18540 verlangt für die Außenwandfuge einen Dichtstoff mit 25 % und niedrigem Elastizitätsmodul. Wird die ZGV dauerhaft überschritten, entstehen Risse, bleibende Verformung oder Ablösung, obwohl Material und Ausführung für sich in Ordnung waren. Das Bild ähnelt einem Kohäsions- oder Adhäsionsschaden, die Ursache liegt aber in der Bemessung.

Fehlende oder falsche Hinterfüllung

Fehlt die Hinterfüllschnur, haftet der Dichtstoff zusätzlich am Fugengrund. Diese Dreiflächenhaftung ist der klassische Konstruktionsfehler: Der Dichtstoff kann sich bei Bewegung nicht mehr frei verformen und reißt an seiner dünnsten Stelle auf. Ebenso schädlich sind eine verletzte Rundschnur, ein zu geringer Durchmesser oder ein wassersaugendes Material.

Schadensbild Was man sieht Wahrscheinliche Ursache Konsequenz für die Sanierung
Adhäsionsbruch Spalt zwischen Dichtstoff und Flanke, meist einseitig Untergrundvorbereitung, Primer, Ablüftezeit, Materialwahl Flanken reinigen, ggf. reprofilieren, Primer systemgerecht einsetzen
Kohäsionsriss Längsriss in der Fugenmitte, Rissnetz Bewegung größer als Bewegungsvermögen, Versprödung Fugenbreite prüfen, Dichtstoffklasse anheben
Blasenbildung Poren, Hohlräume, wellige Oberfläche Lufteinschluss, feuchter Untergrund, Hinterfüllmaterial Satt und blasenfrei einbringen, Untergrund abtrocknen lassen
ZGV überschritten Riss oder Ablösung trotz sauberer Ausführung Fuge zu schmal für die tatsächliche Bewegung Fuge neu dimensionieren, nicht nur neu füllen
Dreiflächenhaftung Riss am Fugengrund, Dichtstoff klebt am Grund Hinterfüllschnur fehlt, verletzt oder zu dünn Hinterfüllmaterial korrekt dimensioniert einbauen
Gut zu wissen

Adhäsion und Kohäsion lassen sich am Bauwerk unterscheiden: Wird der Dichtstoff mit einem stumpfen Werkzeug leicht angehoben, zeigt ein Adhäsionsbruch eine blanke, dichtstofffreie Flanke – der Bruch verläuft an der Grenzfläche. Beim Kohäsionsbruch bleibt auf beiden Flanken ein Film haften. Diese Unterscheidung entscheidet, ob Vorbereitung oder Bemessung das Problem war.

3. Befund am Bauwerk: prüfen, messen, dokumentieren

Der erste Arbeitsschritt einer Fugensanierung ist nach dem einschlägigen Regelwerk die Begutachtung und Erkennung der Schadensursache – nicht das Ausschneiden. Dazu gehören das Erkennen des alten Dichtstofftyps, die Beurteilung der Fugenkonstruktion anhand der geltenden technischen Regeln und erst danach die Auswahl des neuen Abdichtungssystems. Vorab zu klären sind außerdem Arbeitsschutz und Entsorgung, denn in älteren Beständen können Altdichtstoffe belastete Stoffe enthalten.

Praktisch heißt das: Die Fassade wird abschnittsweise abgegangen und der Befund an Ort und Stelle festgehalten. Gemessen werden mindestens die Fugenbreite an mehreren Stellen desselben Fugenzugs, die erreichbare Fugentiefe, der Zustand der Flanken und die Objekttemperatur. Die Fugenbreite schwankt über Tag und Jahreszeit – ein einzelner Messwert im Sonnenschein ist kein belastbarer Bemessungswert.

Für die Dokumentation lohnt ein festes Protokollschema statt loser Notizen, besonders bei größeren Bauvorhaben: Bauvorhaben und ausführende Firma, Datum der Ausführung, Lage und Bezeichnung der Fuge, Witterungsbedingungen mit Außen- und Bauteiltemperatur, Materialtemperatur sowie Abdichtungssystem, Dichtstoff, Primer und weitere Hilfsmittel mit Fabrikat und Chargennummer. Wer im Frühjahr über eine Reklamation diskutiert, hat damit Fugenlage, Breite, Untergrund, System und Witterung schwarz auf weiß.

Praxistipp

Halten Sie je Fugenzug fest: Geschoss und Achse, Länge, Fugenbreite an mindestens drei Messpunkten, Untergrundart, Schadensbild, Bauteiltemperatur und Datum. Fotografieren Sie jede Fehlstelle mit einem Maßstab im Bild – das ist die Grundlage für Materialmenge, Dichtstoffklasse und jede spätere Ursachendiskussion.

4. Fassadenfuge sanieren: warum das mehr verlangt als die Erstverfugung

Eine Fugensanierung ist nicht die einfachere Variante der Erstverfugung. Der Regelfall ist das Gegenteil: Die Sanierung einer Fugenabdichtung beinhaltet nicht nur den Austausch der Abdichtung selbst, sondern erfordert oftmals auch die Wiederherstellung der Fugenflanken, damit eine Abdichtung erst möglich wird.

Bei der Erstverfugung sind die Flanken planmäßig hergestellt, sauber und maßhaltig. Im Bestand sind sie das selten: Alter Dichtstoff hat Rückstände hinterlassen, Frost hat Kanten abgesprengt, frühere Reprofilierungen sitzen lose auf. Auf einem solchen Untergrund haftet kein Dichtstoff dauerhaft. Erst wird die Flanke wiederhergestellt – gereinigt, ausgebessert und wo nötig mit geeignetem Mörtel reprofiliert –, danach wird abgedichtet.

Dazu kommt die Geometrie. Nach DIN 18540 müssen die Fugenflanken bis zu einer Tiefe von tF = 2 bF parallel verlaufen, damit das Hinterfüllmaterial ausreichenden Halt findet; bei Betonbauteilen sind die Kanten mit bA ≥ 10 mm abzufasen. Wo Flanken konisch zulaufen oder Kanten ausgebrochen sind, muss diese Geometrie erst wiederhergestellt werden – sonst bleibt jede Neuverfugung eine optische Maßnahme mit begrenzter Standzeit.

Vor der ersten Kartusche steht die Diagnose – wer die Ursache nicht kennt, verfugt den alten Fehler mit neuem Material.

5. Das Regelwerk: welche Norm was regelt

Vier Regelwerke greifen bei der Fassadenfuge ineinander, jedes beantwortet eine andere Frage. Sie auseinanderzuhalten erspart bei Ausschreibung und Materialauswahl viel Diskussion.

DIN 18540 in der Ausgabe 2014-09 regelt das Abdichten von Außenwandfugen im Hochbau. Sie gilt für die Ausbildung von Außenwandfugen und deren Abdichtung mit elastischen Fugendichtstoffen nach DIN EN 15651-1 mit einer zulässigen Gesamtverformung von 25 % und niedrigem Elastizitätsmodul – bei Bauteilen aus Ortbeton und Betonfertigteilen mit geschlossenem Gefüge sowie aus unverputztem Mauerwerk und Naturstein. Nicht erfasst sind Fugen an Porenbeton, erdberührte Fugen und Gebäudetrennfugen; dieser Punkt wird im Bestand regelmäßig übersehen.

DIN EN 15651-1 in der Ausgabe 2017-07 ist die harmonisierte Produktnorm für nicht tragende Fugendichtstoffe für Fassadenelemente – für Fugen in Außenwänden und an Fenster- und Türumfassungen. Über ihren Anhang ZA steht sie im Zusammenhang mit der Verordnung (EU) Nr. 305/2011, daher die CE-Kennzeichnung auf der Kartusche. DIN 18540 stellt zusätzliche Anforderungen, die diese Norm nicht erfasst, und sieht dafür eine ergänzende Kennzeichnung mit Normnummer und dem Kurzzeichen fb für frühbeständig beziehungsweise nfb vor.

DIN EN ISO 11600 legt Typen und Klassen von Fugendichtstoffen für den Hochbau fest: Typ F für Baudichtstoffe, Typ G für Verglasungsdichtstoffe, dazu die Klassen nach dem Bewegungsvermögen. Dichtstoffe der Klassen 25 und 20 werden zusätzlich in Untergruppen nach ihrem Dehnspannungswert eingeteilt – in der Bezeichnung an den Kurzzeichen LM und HM erkennbar. Für die Fassadenfuge nach DIN 18540 ergibt sich damit Typ F der Klasse 25 mit niedrigem Modul als Zielgröße. DIN 52460 liefert schließlich das gemeinsame Vokabular – etwa die Verarbeitungstemperatur als Temperatur des Dichtstoffsystems zum Zeitpunkt des Einbringens unter Berücksichtigung der Objekttemperatur. Genau diese Definition entscheidet im Spätherbst darüber, ob gearbeitet werden darf.

6. Fugendimensionierung und Hinterfüllung

Ob eine Fuge hält, entscheidet sich zu einem großen Teil an ihren Maßen. Breite und Tiefe müssen auf die Leistungsfähigkeit des Dichtstoffs abgestimmt sein – das meint Fugendimensionierung. Eine zu schmale Fuge erzwingt eine Dehnung, die der Dichtstoff nicht aufnehmen kann; eine zu tief gefüllte behindert die Verformung.

Das Hinterfüllmaterial übernimmt drei Aufgaben gleichzeitig: Es begrenzt die Fugentiefe und stellt damit die Dichtstoffdicke ein, es verhindert die Dreiflächenhaftung und gibt beim Glätten den nötigen Gegendruck. Die Anforderungen sind konkret: eine gleichmäßige, möglichst konvexe Begrenzung der Fugentiefe, Verträglichkeit mit dem Dichtstoff, kein Saugen von Wasser und keine Stoffe, die das Haften an den Flanken beeinträchtigen – etwa Bitumen, Teer oder Öle. Blasen darf es ebenfalls nicht hervorrufen. Bewährt hat sich ein geschlossenzelliges, verrottungsfestes Rundprofil aus geschäumtem Polyethylen.

Beim Einbau zählen zwei Dinge. Erstens darf das Material nicht verletzt werden, etwa durch scharfkantige Werkzeuge – eine angeschnittene Rundschnur ist eine Blasenquelle. Zweitens muss es komprimiert eingebaut werden, damit es beim Einbringen und Glätten genügend Widerstand leistet; dafür soll der Durchmesser um ein Viertel bis ein Drittel größer sein als die Fugenbreite. Bei geringer Fugentiefe dürfen zur Verhinderung der Dreiflächenhaftung stattdessen Folien aus Polyethylen oder ein in Funktion und Verträglichkeit gleichwertiges Material eingesetzt werden.

7. Der Ablauf der Sanierung Schritt für Schritt

Steht der Befund und ist das System gewählt, folgt die Ausführung einer festen Reihenfolge. Kein Schritt lässt sich sinnvoll überspringen.

Schritt 1
Alte Abdichtung vollständig entfernen. Der Fugenbereich muss frei von Schaum- und Alt-Abdichtmaterialresten sein – Reste sind die häufigste Ursache des nächsten Adhäsionsbruchs.
Schritt 2
Flanken beurteilen und wiederherstellen: lose Kanten abarbeiten, Ausbrüche reprofilieren, Parallelität herstellen.
Schritt 3
Untergrund herrichten: Der Untergrund muss trocken, staub- und fettfrei sein; die Haftflächen werden grundrein freigeschliffen, sofern der Dichtstoffhersteller keine andere Arbeitsmethode vorgibt.
Schritt 4
Hinterfüllmaterial komprimiert und unverletzt einbauen, Durchmesser ein Viertel bis ein Drittel über der Fugenbreite, gleichmäßige Tiefe einstellen.
Schritt 5
Primer systemgerecht auftragen, wo der Untergrund es verlangt. Die Ablüftezeit ist eine Mindestzeit – der Primer muss vor dem Einbringen gut abgetrocknet sein.
Schritt 6
Dichtstoff satt und blasenfrei einbringen, dann glätten, ohne die Hautbildungs- beziehungsweise Verarbeitungszeit zu überschreiten.

Das Glätten ist kein kosmetischer Abschluss: Es drückt den Dichtstoff an die Flanken, schließt Lufteinschlüsse und formt die leicht konkave Oberfläche, die die Bewegung gleichmäßig verteilt.

Glättspachtel "Palü" aus nicht haftendem Vulkollan

Glätten gehört zur Abdichtung, nicht zur Optik

Ein formstabiler Glättspachtel drückt den Dichtstoff satt an beide Flanken und formt die leicht konkave Oberfläche. Nicht haftende Werkzeuge verhindern, dass beim Abziehen Material aus der Fuge gerissen wird.

Zubehör ansehen

Auf schwierigen Untergründen – sandenden Betonflanken, dichtem Naturstein, beschichteten Bauteilen – ist der Primer das entscheidende Bindeglied. Er wird dünn und gleichmäßig aufgetragen und nur systemgebunden eingesetzt.

8. Das Wetterfenster: Temperatur, Feuchte und Termin

Die Ausführung ist an Bedingungen gebunden, die im Spätherbst schnell knapp werden. Die Verarbeitungstemperatur ist in der Regel im Bereich ab +5 °C bis maximal +35 °C einzuhalten, und zwar nicht nur als Lufttemperatur: Objekt- und Materialtemperatur müssen ebenfalls in diesem Bereich liegen. Eine Nordfassade nach kalter Nacht ist deutlich kälter als die Luft am Vormittag – gemessen wird am Bauteil.

Ebenso wichtig ist der Feuchtezustand: Der Untergrund muss trocken sein, denn Restfeuchte in der Flanke ist eine der Ursachen für Blasenbildung und ausbleibende Haftung. Nach Regen, Nebel oder Tau braucht die Fassade Abtrocknungszeit, die sich im Herbst mit jeder Woche verlängert. Wer die Sanierung in den späten November schiebt, verliert oft mehr Arbeitstage durch Wartezeit, als der frühere Start gekostet hätte.

Auch das Material braucht Vorlauf: Zu kalt gelagerte Gebinde erreichen die geforderte Temperatur nicht von allein und müssen gegebenenfalls gleichmäßig durcherwärmt werden. Wie Bauchemie über den Winter gelagert wird, behandelt der Beitrag Bauchemie richtig lagern; die Besonderheiten der Verarbeitung bei niedrigen Temperaturen zeigt der Ratgeber Dicht- und Klebstoffe bei Kälte verarbeiten.

Achtung: Taupunkt am Bauteil

Liegt die Bauteiltemperatur nahe am Taupunkt der Umgebungsluft, schlägt sich Feuchtigkeit auf der Fugenflanke nieder – oft ohne sichtbar nass zu wirken. Ein Dichtstoff auf diesem Film haftet nicht dauerhaft. Bauteiltemperatur und Taupunkt gehören vor jedem Arbeitsabschnitt gemessen, nicht geschätzt.

  • Schadensbild je Fugenzug bestimmt und dokumentiert
  • Fugenbreite an mehreren Punkten gemessen, Bauteiltemperatur notiert
  • Alter Dichtstofftyp erkannt, Arbeitsschutz und Entsorgung geklärt
  • Flanken vollständig von Altmaterial befreit und wiederhergestellt
  • Hinterfüllmaterial passend dimensioniert und unverletzt eingebaut
  • Primer gewählt, aufgetragen und Ablüftezeit eingehalten
  • Dichtstoffklasse zur gemessenen Bewegung passend gewählt
  • Temperatur- und Feuchtebedingungen zum Ausführungszeitpunkt geprüft

9. Beschaffung: Dichtstoff, Hilfsmittel und Werkzeug als System

Eine Fugensanierung scheitert selten am Dichtstoff allein, sondern daran, dass Reiniger, Primer, Hinterfüllschnur, Presse und Glättwerkzeug nicht zusammenpassen oder nicht rechtzeitig vor Ort sind. Deshalb lohnt es sich, den Bedarf als System zu planen: Fassadendichtstoff der passenden Klasse, dazu Reiniger und Haftgrund, Hinterfüllprofile in den gemessenen Durchmessern und geeignetes Werkzeug.

Welcher Dichtstofftyp passt, hängt von Untergrund, Bewegung, Überstreichbarkeit und Witterungsbelastung ab – eine Einordnung gibt der Ratgeber Silikon, Acryl oder Hybrid-Dichtstoff wählen. Für die Verarbeitung macht die Presse mehr Unterschied als vermutet, wie der Beitrag Kartuschenpresse richtig wählen zeigt. Und weil die Fuge nur ein Teil der Hülle ist, gehört der Blick auf die Fläche daneben: Fassade imprägnieren mit Silan und Siloxan.

Systemauswahl
Dichtstoffe, Haftgrund und Werkzeug für die Fugensanierung
Fassadendichtstoffe, Reiniger und Primer, Glättwerkzeug und Kartuschenpresse – die Komponenten, die bei einer Fugensanierung zusammen gebraucht werden.

Die Hilfsmittel rund um die Fuge – Reiniger und Haftgrund, Bänder und Schnüre sowie Zubehör – sind nach Funktion geordnet und lassen sich gemeinsam beschaffen:

Einen Überblick über die Warengruppe gibt die Kategorie Dicht- und Klebstoffe, weitere Praxisthemen sammelt der Ampha-Blog, den Hintergrund des Hauses zeigt die Seite Über uns.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen fachlichen Orientierung und ersetzt im konkreten Fall keine objektbezogene Beurteilung der Fugenkonstruktion. Maßgeblich sind die einschlägigen Normen (u. a. DIN 18540, DIN EN 15651-1, DIN EN ISO 11600, DIN 52460), die anerkannten Regeln der Technik in ihrer jeweils aktuellen Fassung sowie die Verarbeitungsvorgaben des jeweiligen Systemherstellers. Angaben zu Temperaturbereichen und Dimensionierung sind allgemeine Orientierungswerte und im Einzelfall zu prüfen.

10. Häufige Fragen zur Sanierung von Fassadenfugen

Woran erkenne ich, ob ein Adhäsions- oder ein Kohäsionsschaden vorliegt?

Am Bruchbild. Beim Adhäsionsbruch löst sich der Dichtstoff an der Grenzfläche, die Flanke bleibt blank zurück – Ursache sind Vorbereitung, Primer oder Materialwahl. Beim Kohäsionsbruch reißt der Dichtstoff in sich auf, auf beiden Flanken bleibt ein Film haften; hier war die Beanspruchung größer als das Bewegungsvermögen oder das Material versprödet.

Kann ich neuen Dichtstoff einfach über den alten spritzen?

Nein. Der Fugenbereich muss vor dem Neuverfugen frei von Alt-Abdichtmaterial und Schaumresten sein. Rückstände verhindern die Haftung an den Flanken, und eine Überspritzung verdeckt nur den Schaden. Oft müssen zusätzlich die Fugenflanken wiederhergestellt werden, damit eine Abdichtung überhaupt möglich wird.

Warum bilden sich Blasen im frisch verfugten Dichtstoff?

Weil Gas oder Feuchtigkeit eingeschlossen wurde. Typische Ursachen sind ein nicht sattes Einbringen, ein feuchter Untergrund, ein nicht abgelüfteter Primer sowie ein verletztes Hinterfüllmaterial. Dieses darf ausdrücklich keine Blasen hervorrufen – ein angeschnittenes Rundprofil ist auszutauschen, nicht zu überspritzen.

Welchen Durchmesser muss die Hinterfüllschnur haben?

Sie muss komprimiert eingebaut werden, damit sie beim Einbringen und Glätten genügend Widerstand leistet. Der Durchmesser soll um ein Viertel bis ein Drittel größer sein als die vorhandene Fugenbreite. Das Material soll geschlossenzellig, verrottungsfest und nicht wassersaugend sein – bewährt ist ein Rundprofil aus geschäumtem Polyethylen.

Bis zu welcher Temperatur lässt sich eine Fassadenfuge sanieren?

Für die Verarbeitung ist in der Regel ein Bereich ab +5 °C bis maximal +35 °C vorgesehen, wobei auch Objekt- und Materialtemperatur darin liegen müssen. Entscheidend ist die Temperatur am Bauteil, nicht die der Luft; zusätzlich muss der Untergrund trocken sein. Die konkreten Grenzen gibt der Systemhersteller vor.

Welche Angaben helfen bei der Materialanfrage für ein Objekt?

Hilfreich sind laufende Meter je Fugenzug, gemessene Fugenbreiten und -tiefen, die Untergrundart (Beton, Mauerwerk, Naturstein), das erkannte Schadensbild, die Frage nach Überstreichbarkeit und der geplante Ausführungszeitraum. Damit lassen sich Dichtstoffklasse, Primer, Hinterfüllprofile und Mengen in der Regel zügig zusammenstellen.

Material für die Fugensanierung anfragen

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