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Ab September wandern die Malerarbeiten nach innen – und mit ihnen die Frage, wie sich Risse in der Wand schließen lassen, ohne dass die Reparaturstelle nach dem Streichen wieder durchzeichnet. Dieser Leitfaden trennt Setzriss, Anschlussfuge und Bewegungsfuge, zeigt die Bewegungsgrenze von Acryl und erklärt, was beim Überstreichen normativ gilt.

Kurz & knapp

Vor dem Material steht die Diagnose: Ein ruhender Putzriss wird gespachtelt, eine Anschlussfuge zwischen zwei Bauteilen wird elastisch geschlossen, eine echte Bewegungsfuge gehört gar nicht erst zugespachtelt. Acryl ist der Werkstoff für den Innenanschluss mit geringer Bewegung – die zulässige Gesamtverformung liegt je nach Einstufung zwischen 7,5 und 25 Prozent (IVD-Merkblatt 29). Überstreichbarkeit ist ein nach DIN 52460 definierter Begriff, dessen Prüfung nach DIN 52452-4 erfolgen kann – und keine Selbstverständlichkeit: Bewegungsausgleichende Dichtstoffe dürfen laut IVD-Merkblatt 12 nur bedingt ganzflächig überstrichen werden. Wer Untergrund, Fugengeometrie, Grundierung und Farbwahl nach DIN EN 13300 aufeinander abstimmt, spart sich das zweite Aufreißen im nächsten Frühjahr.

1. Risse in der Wand schließen: erst die Diagnose, dann das Material

Wer einen Riss im Innenraum vor sich hat, greift oft zuerst zur Kartusche. Das ist häufig die falsche Reihenfolge. Denn im Innenraum treten drei völlig verschiedene Erscheinungen auf, die optisch alle wie „ein Riss“ aussehen, bautechnisch aber nichts miteinander zu tun haben. Erst die Zuordnung entscheidet, ob gespachtelt, elastisch geschlossen oder bewusst offen gelassen wird.

Der ruhende Putzriss ist die häufigste Variante: ein Schwindriss im Putz, ein Haarriss über einer Stoßfuge im Mauerwerk, ein Riss, der beim Trocknen des Innenputzes entstanden ist. Er hat seine Bewegung hinter sich. Solche Risse werden aufgekratzt, gefüllt und geschliffen – ihr Reparaturmaterial muss den gleichen Zug aushalten wie der umgebende Putz, nicht mehr und nicht weniger.

Die Anschlussfuge entsteht dort, wo zwei Bauteile aus unterschiedlichen Materialien aneinanderstoßen: Trockenbauwand an Massivwand, Türzarge an Putz, Deckenanschluss an eine Ständerwand, Fensterlaibung an Innenputz. Diese Fuge lebt. Sie öffnet und schließt sich mit Temperatur, Feuchte und Bauteilverformung – wenig, aber genug, um jede starre Spachtelmasse wieder aufreißen zu lassen. Hier ist elastisches Material am Platz.

Die Bewegungsfuge schließlich ist eine geplante Trennung im Bauwerk. Sie nimmt konstruktive Bewegungen auf und ist in ihrer Breite auf eine erwartete Verformung ausgelegt. Wer sie „schön macht“, indem er sie zuspachtelt, zerstört ihre Funktion. Für sie gelten eigene Regeln, eigene Dichtstoffklassen und eigene Fugengeometrien.

ErscheinungWoran erkennbarBewegungMaterialweg
Ruhender Putzriss unregelmäßiger Verlauf mitten in der Fläche, Netz- oder Schwindriss praktisch keine aufkratzen, füllen, schleifen, grundieren
Anschlussfuge gerade Linie exakt entlang eines Bauteilwechsels gering elastisch schließen, Fugenflanken definieren
Bewegungsfuge geplante, gleichmäßig breite Trennung, oft im Raster konstruktiv, dauerhaft bewegungsaufnehmender Dichtstoff, nicht zuspachteln
Aktiver Setzriss Verlauf über Bauteilgrenzen hinweg, Versatz, wiederkehrend unklar, häufig fortschreitend Ursache klären, vor der Reparatur beobachten lassen
Bitte beachten

Ein Riss, der über Bauteilgrenzen hinweg verläuft, sich verzweigt oder einen sichtbaren Versatz zeigt, ist kein Malerthema. Solche Risse können auf Setzungen oder statische Ursachen hindeuten und gehören fachlich beurteilt, bevor sie kosmetisch geschlossen werden. Eine geschlossene Oberfläche verdeckt in diesem Fall nur die Beobachtungsmöglichkeit.

2. Was Acryl kann – und wo seine Bewegungsgrenze liegt

Acryl ist ein Dichtstoff auf Basis einer Acrylatdispersion. Er trocknet physikalisch durch Wasserabgabe, bleibt danach dauerelastisch bis plastoelastisch und ist – anders als klassisches Silikon – nach IVD-Merkblatt 29 mit vielen handelsüblichen Anstrichsystemen verträglich. Genau darin liegt sein Platz im Innenausbau: überall dort, wo eine Fuge sichtbar bleibt, aber in der Farbfläche verschwinden soll.

Entscheidend für die Materialwahl ist die zulässige Gesamtverformung, kurz ZGV. Sie gibt an, wie viel Dehnung und Stauchung ein Dichtstoff dauerhaft aufnehmen darf, bezogen auf die Fugenbreite beim Einbau. Das IVD-Merkblatt 29 gibt die Klassifizierung nach DIN EN ISO 11600 wieder und ordnet den gängigen Klassen folgende Werte zu: 7,5 P entspricht 7,5 Prozent, 12,5 P und 12,5 E entsprechen 12,5 Prozent, 20 LM und 20 HM entsprechen 20 Prozent, 25 LM und 25 HM entsprechen 25 Prozent (IVD-Merkblatt 29). Die Kürzel LM und HM stehen dabei für einen niedrigen beziehungsweise hohen Dehnspannungswert; für Untergründe mit geringerer Eigenfestigkeit – genannt werden Putze, Porenbeton und Wärmedämmverbundsysteme – sind niedermodulige Dichtstoffe der Klasse LM nach demselben Merkblatt zu bevorzugen.

Für Acrylatdispersionen nennt das Merkblatt eine Marktauslobung von 7,5 bis 25 Prozent ZGV (IVD-Merkblatt 29) – die Spanne ist also groß, und der Einzelwert steht auf dem Gebinde, nicht in der Werkstoffgruppe. Wer eine Anschlussfuge mit 5 Millimetern Breite schließt und ein Material mit 12,5 Prozent ZGV verwendet, hat rechnerisch rund 0,6 Millimeter Bewegungsreserve – Dehnung und Stauchung zusammengenommen, denn die ZGV beschreibt die Gesamtverformung. Das kann für einen Trockenbauanschluss unter üblichen Raumklimaschwankungen genügen. Es reicht nicht für eine Fuge, die im Jahresgang mehrere Millimeter arbeitet.

Gut zu wissen

Für nicht tragende Fugendichtstoffe an Fassadenelementen unterscheidet DIN EN 15651-1 innerhalb des Typs F die Klassen EXT-INT für die innere und äußere Anwendung sowie INT für die ausschließlich innere Anwendung (DIN EN 15651-1). Ein reines Innenprodukt der Klasse F-INT muss also nicht dieselben Anforderungen erfüllen wie ein Dichtstoff, der auch bewittert wird – ein Grund mehr, Innen- und Außenanwendung nicht mit demselben Gebinde abzudecken.

Praktisch bedeutet das eine einfache Reihenfolge: erst die Fugenbreite messen, dann die zu erwartende Bewegung abschätzen, dann das Material mit passender ZGV wählen – und nicht umgekehrt. Wie sich die Werkstoffgruppen grundsätzlich unterscheiden, ist im Beitrag zur Frage Silikon, Acryl oder Hybrid ausführlich beschrieben. Für dauerhaft bewegte Fugen im Innenausbau, etwa an Bauteilanschlüssen mit größerer Verformung, gehört ein bewegungsaufnehmender Dichtstoff mit entsprechender Einstufung in die Fuge.

3. Untergrund prüfen und vorbereiten – bevor die Kartusche angesetzt wird

Ein häufiger Grund für eine wieder aufreißende Reparatur ist nicht das Material, sondern der Untergrund. Die VOB/C ATV DIN 18363 für Maler- und Lackierarbeiten verpflichtet den Auftragnehmer ausdrücklich, Bedenken nach § 4 Abs. 3 VOB/B anzumelden, wenn der Untergrund für die vorgesehene Leistung nicht geeignet ist – genannt werden dort unter anderem absandende und kreidende Putze (DIN 18363). Diese Regel ist keine juristische Formalie, sondern die schriftliche Fassung einer Erfahrung: Auf einem mürben Untergrund hält keine Fuge und keine Beschichtung.

Ebenso wichtig ist die Abgrenzung des Leistungsumfangs. Das Ausbessern umfangreicher Schäden in der Altbeschichtung und im Untergrund zählt nach DIN 18363 zu den Besonderen Leistungen (DIN 18363) – es ist also nicht automatisch mit dem Anstrichpreis abgegolten. Wer eine Wand mit vielen Rissen vor sich hat, sollte das vor Beginn klären, nicht hinterher.

  • Untergrund auf Festigkeit prüfen: Wischprobe, Kratzprobe, Klebebandprobe an unauffälliger Stelle
  • Alte, lose Beschichtungen und mürbe Putzränder entfernen, bis tragfähiger Untergrund ansteht
  • Restfeuchte beurteilen – frischer Innenputz und frischer Estrich brauchen ihre Trocknungszeit
  • Staub, Sinterschichten und Trennmittel restlos entfernen; Fugenflanken sauber und fettfrei
  • Saugende und sandende Untergründe grundieren, damit das Bindemittel nicht wegschlägt
  • Fugenbreite und Fugentiefe messen und dokumentieren, bevor gefüllt wird

Bei stark saugenden Putzen, Gipskartonflächen und Altanstrichen mit ungleichmäßiger Saugfähigkeit ist eine Grundierung der entscheidende Zwischenschritt. Sie vereinheitlicht das Saugverhalten, verhindert das zu schnelle Wasserentziehen aus der Acrylmasse und sorgt dafür, dass die spätere Farbe gleichmäßig aufzieht. Passende Vorstriche und Haftvermittler finden sich in der Kategorie Reiniger und Haftgrund.

4. Fugengeometrie: warum die Tiefe genauso zählt wie die Breite

Eine elastische Fuge kann nur dann Bewegung aufnehmen, wenn sie sich verformen darf. Das setzt voraus, dass der Dichtstoff an genau zwei Flächen haftet – an den beiden Fugenflanken – und nicht am Fugengrund. Haftet er auch am Grund, entsteht eine Dreiflankenhaftung: Die Masse wird beim Öffnen der Fuge nicht gedehnt, sondern zerrissen. Das Ergebnis ist ein feiner Riss entlang einer Flanke, meist erst Wochen später sichtbar.

Verhindert wird das durch eine Hinterfüllung. Ein Rundprofil aus geschlossenzelligem Schaumstoff wird so tief in die Fuge gedrückt, dass eine definierte Materialdicke stehen bleibt; wo dafür kein Platz ist, übernimmt ein Trennband dieselbe Aufgabe. Bei sehr schmalen Anschlussfugen im Innenausbau reicht häufig das Trennband, weil die Fugentiefe für ein Rundprofil nicht ausreicht. Hinterfüllmaterial und Trennbänder stehen in der Kategorie Bänder und Schnüre.

Als Faustregel gilt im Innenausbau: Die Fuge soll breiter als tief sein, damit sich die Masse frei verformen kann. Eine zu tief gefüllte Fuge verbraucht Material, trocknet langsamer und arbeitet schlechter. Wie diese Systematik bei Fensteranschlüssen in drei aufeinander abgestimmten Ebenen umgesetzt wird, zeigt der Beitrag zur RAL-Fenstermontage mit ihren Dichtebenen.

Zweiflankenhaftung sichern

Hinterfüllprofil oder Trennband trennt die Masse vom Fugengrund. Nur so wird die Bewegung über die Materialdicke verteilt statt an einer Flanke abgerissen.

Flanken sauber ausbilden

Lose Putzränder abbrechen, bis feste Kanten stehen. Eine Fuge mit mürber Flanke versagt unabhängig davon, wie gut der Dichtstoff ist.

Breite statt Tiefe

Im Innenraum ist eine flach ausgeführte, ausreichend breite Fuge belastbarer als eine schmale, tief gefüllte – sie verformt sich gleichmäßiger.

Abkleben zahlt sich aus

Zwei saubere Kreppkanten ergeben eine gerade Fuge, die nach dem Streichen nicht auffällt. Das Band wird noch im nassen Zustand abgezogen.

5. Acrylfuge Schritt für Schritt verarbeiten

Die Verarbeitung selbst ist unspektakulär – sie verzeiht nur wenig Abweichung von der Reihenfolge. Wer Risse in der Wand schließen will und die folgenden Schritte einhält, bekommt eine Fuge, die sich später sauber überstreichen lässt.

Schritt 1
Riss oder Fuge öffnen: Haarrisse mit einem Fugenkratzer oder einer Ecke der Spachtel auf eine verarbeitbare Breite bringen. Ein nicht geöffneter Haarriss lässt sich nicht füllen, sondern nur überstreichen – und zeichnet dann wieder durch.
Schritt 2
Ausblasen, absaugen, entstauben. Reste von Putzstaub wirken wie ein Trennmittel zwischen Flanke und Dichtstoff.
Schritt 3
Saugende Flanken grundieren und die Grundierung nach Herstellerangabe ablüften lassen. Bei tiefen Fugen zusätzlich hinterfüllen oder ein Trennband einlegen.
Schritt 4
Beidseitig abkleben. Die Kreppkante bestimmt die spätere Fugenoptik – gerade gezogen, fest angedrückt, ohne Wellen.
Schritt 5
Kartuschenspitze im Winkel auf Fugenbreite anschneiden und die Masse in einem Zug blasenfrei einbringen. Absetzen erzeugt Lufteinschlüsse, die beim Glätten aufreißen.
Schritt 6
Sofort glätten – mit Glättspachtel und Glättmittel, nicht mit dem trockenen Finger. Danach das Klebeband abziehen, solange die Masse noch nass ist.
Schritt 7
Durchtrocknen lassen. Die Zeit bis zur Überstreichbarkeit steht im technischen Merkblatt des Produkts und hängt von Fugendicke, Raumtemperatur und Luftfeuchte ab.
Bitte beachten

Acryl trocknet durch Wasserabgabe. In einem kalten, feuchten Raum verlängert sich die Trocknung deutlich, und zu frühes Überstreichen führt zu Störungen im Anstrich. Wer im Winter arbeitet, sollte den Raum vorher temperieren – die Zusammenhänge zwischen Temperatur, Taupunkt und Verarbeitung sind im Beitrag zum Verarbeiten von Dicht- und Klebstoffen bei Kälte beschrieben.

6. Überstreichen: was die Farbe mit der Fuge macht

„Überstreichbar“ klingt nach einer Eigenschaft, die entweder vorhanden ist oder nicht. Tatsächlich ist sie ein geprüftes Zusammenspiel aus Dichtstoff und Beschichtung. Das IVD-Merkblatt 12 gibt dafür die Definition nach DIN 52460 wörtlich wieder und beschreibt die Prüfung A3 nach DIN 52452-4, bei der die Prüfdehnung der zulässigen Gesamtverformung des Dichtstoffs entspricht – also 12,5, 20 oder 25 Prozent (IVD-Merkblatt 12). Geprüft wird demnach nicht der Dichtstoff allein, sondern die konkrete Kombination mit einem konkreten Anstrich.

Bewegungsausgleichende Dichtstoffe dürfen aus technischen Gründen nur bedingt ganzflächig überstrichen werden. (IVD-Merkblatt 12)

Das Merkblatt benennt die typischen Störungsbilder, die bei ungeeigneten Kombinationen auftreten: Verlaufstörungen des Anstrichs, eine klebrig bleibende Oberfläche, fehlende Haftung der Beschichtung, Runzelbildung, Verfärbungen, Rissbildung im Anstrich und eine optische Markierung der Fuge (IVD-Merkblatt 12). Die letztgenannte Erscheinung tritt laut Merkblatt überwiegend in Verbindung mit Acryl-Dichtstoffen auf, die zum Füllen von Putzrissen und -löchern sowie an Anschlüssen zu Tapeten und Gipsplatten eingesetzt werden – also genau im hier beschriebenen Anwendungsfeld.

Praktisch heißt das dreierlei. Erstens: Je geringer die Bewegung in der Fuge, desto unproblematischer das Überstreichen. Eine Anschlussfuge mit minimaler Verformung verträgt einen Anstrich, eine stark arbeitende Fuge nicht. Zweitens: Ein Anstrich mit hoher Eigenfestigkeit reißt eher, als dass er sich mit dem Dichtstoff dehnt. Drittens: Treten die beschriebenen Störungen auf, können sie nach dem Merkblatt in der Regel nicht ohne größeren Aufwand beseitigt werden; in vielen Fällen bleibt nur das Herausschneiden und Ersetzen des Dichtstoffs (IVD-Merkblatt 12). Eine falsche Kombination ist damit kein Schönheitsfehler, sondern eine Nacharbeit an der Fuge selbst.

Empfehlung

Bei größeren Flächen lohnt sich eine Musterfläche: eine kurze Fuge in der geplanten Ausführung anlegen, vollständig durchtrocknen lassen und mit der vorgesehenen Innenfarbe überstreichen. Wer die Kombination vorher an einer unauffälligen Stelle prüft, erkennt Verlaufstörungen und Markierungen, bevor sie im ganzen Raum stehen.

7. Die Innenfarbe nach DIN EN 13300 auswählen

Die Farbe ist die zweite Hälfte des Systems. DIN EN 13300 legt für wasserverdünnbare Beschichtungsstoffe für Wände und Decken im Innenbereich ein Einteilungssystem fest, das mehrere Eigenschaften getrennt beschreibt: die Anwendung, den Bindemitteltyp, den Glanz, die maximale Korngröße, die Nassabriebbeständigkeit, das Deckvermögen und die Reinigungsfähigkeit (DIN EN 13300).

Der Glanz wird nach DIN EN 13300 mit dem Verfahren nach EN ISO 2813 bei 60 oder 85 Grad bestimmt (DIN EN 13300). Das ist mehr als eine Optikfrage: Je höher der Glanz, desto deutlicher zeichnet sich jede Unebenheit im Streiflicht ab – und damit auch eine reparierte Rissstelle. Auf einer frisch ausgebesserten Wand ist eine matte Einstellung deshalb die verzeihendere Wahl.

Die Nassabriebbeständigkeit wird nach der Norm über die Beständigkeit der Beschichtung gegen wiederholte Reinigung bewertet; die Einstufung kann dabei nur für Beschichtungen mit einer maximalen Korngröße unter 100 Mikrometern vorgenommen werden (DIN EN 13300). Das Deckvermögen weißer oder heller deckender Beschichtungsstoffe wird nach dem in EN ISO 6504-3 beschriebenen Verfahren bestimmt und über den H10-Wert eingeteilt (DIN EN 13300). Für die Baustelle ist der zweite Punkt der wichtigere: Ein Produkt mit gutem Deckvermögen braucht seltener einen dritten Anstrich über der ausgebesserten Stelle.

Gut zu wissen

Ausgebesserte Stellen saugen selten genauso wie die umgebende Altfläche. Das führt zu unterschiedlichem Aufziehen der Farbe und zu sichtbaren Flecken – auch bei einwandfreier Spachtelarbeit. Ein Zwischenanstrich oder eine flächige Grundierung über die gesamte Wand gleicht das aus. Auf einer Teilfläche zu streichen und ein einheitliches Bild zu erwarten, geht in der Regel nicht auf.

Die Werkzeugwahl entscheidet mit über das Ergebnis: Florhöhe und Material der Walze bestimmen die Struktur der Oberfläche, wie im Beitrag zur Auswahl der Malerwalze dargestellt; für Kanten, Laibungen und Anschlüsse gilt das Entsprechende beim Pinsel. Und weil das Abklebeband über die Kantenschärfe der Fuge entscheidet, lohnt der Blick auf die Unterschiede zwischen den Bandtypen im Beitrag zu Klebebändern.

8. Streichen in der Heizperiode: Raumluft, Lüften und Trocknung

Ab September verlagert sich die Malerarbeit nach innen, und damit ändern sich die Randbedingungen. Die Fenster stehen seltener offen, die Heizung läuft, die Luftwechselrate sinkt. Für die Trocknung wasserbasierter Produkte ist das ambivalent: Wärme beschleunigt, fehlender Luftaustausch bremst, weil die abgegebene Feuchte im Raum bleibt.

Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Raumluftqualität. Das Umweltbundesamt fasst flüchtige organische Verbindungen als TVOC zusammen und nennt unter den Innenraumquellen ausdrücklich Farben, Lacke und Klebstoffe; kritisch seien die Konzentrationen vor allem nach Bau- und Renovierungsarbeiten (Umweltbundesamt). Als Gegenmaßnahmen nennt die Behörde das Lüften, das die Konzentration vermindert, sowie die Verwendung emissionsarmer Produkte, erkennbar unter anderem am Blauen Engel und am Bewertungsschema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (Umweltbundesamt).

Für die Praxis ergibt sich daraus ein einfaches Vorgehen: temperieren statt überheizen, mehrmals täglich kurz und kräftig querlüften statt das Fenster dauerhaft zu kippen, und die Trocknungszeiten großzügiger ansetzen als im Sommer. Welche Kennzeichen bei der Produktauswahl weiterhelfen, ist im Beitrag zu emissionsarmen Bauprodukten und Raumklima ausführlicher beschrieben.

Gut zu wissen

Auch der Lagerort spielt in der kalten Jahreszeit eine Rolle: Wasserbasierte Dichtstoffe und Farben vertragen keinen Frost. Ein Gebinde, das die Nacht im unbeheizten Transporter verbracht hat, kann irreversibel geschädigt sein, ohne dass man es dem Eimer ansieht. Wasserbasierte Gebinde gehören deshalb frostfrei gelagert und vor der Verarbeitung auf Raumtemperatur gebracht.

9. Sieben Fehler, die sich im nächsten Frühjahr zeigen

Reklamationen bei Rissreparaturen im Innenraum gehen häufig auf eine überschaubare Zahl wiederkehrender Ursachen zurück. Sie haben alle gemeinsam, dass sie sich nicht sofort zeigen, sondern erst nach der ersten Klimaschwankung.

  • Haarriss nur überstrichen statt geöffnet und gefüllt – er zeichnet nach wenigen Wochen wieder durch
  • Starre Spachtelmasse in eine Anschlussfuge gesetzt, die Bewegung aufnehmen muss
  • Dreiflankenhaftung, weil weder hinterfüllt noch ein Trennband eingelegt wurde
  • Auf staubigem oder mürbem Untergrund gearbeitet, ohne die Flanken vorzubereiten
  • Zu früh überstrichen, bevor die Masse durchgetrocknet war
  • Anstrich mit zu hoher Eigenfestigkeit über einer arbeitenden Fuge
  • Nur die Reparaturstelle gestrichen statt der gesamten Fläche – die Stelle bleibt sichtbar

Auffällig ist, dass keiner dieser Punkte am Preis des Dichtstoffs hängt. Sie alle entstehen in den Minuten vor dem Auspressen der Kartusche. Wo eine Rissreparatur über den Bereich des Anstrichs hinausgeht und der Putz selbst großflächig geschädigt ist, ist ohnehin ein anderer Materialweg gefragt – dazu gibt der Beitrag zur Auswahl des passenden Reparaturmörtels Orientierung.

10. Material und Werkzeug für die Innenarbeit

Für saubere Innenfugen braucht es weniger, als viele Materiallisten vermuten lassen: ein passendes Dichtstoffsystem, eine funktionierende Presse, definierte Düsen, Glätthilfen, Abklebeband und einen Vorstrich. Die Auswahl der Presse hat dabei mehr Einfluss auf das Ergebnis, als es zunächst scheint – wer über eine lange Fuge gleichmäßig ausdrücken will, merkt den Unterschied sofort; die Kriterien sind im Beitrag zur Auswahl der Kartuschenpresse zusammengestellt.

Für die Innenfuge
Werkzeug und Hilfsmittel für Acrylfugen
Glätthilfen, Düsen, Abklebeband und Vorstrich – die Ausstattung, mit der Anschlussfugen im Innenausbau sauber gelingen.

Bei langen Fugenzügen und im gewerblichen Einsatz entlastet eine Presse mit Schubstange spürbar, weil sie den Materialfluss gleichmäßiger hält als das reine Handhebelsystem.

Das passende Dichtstoffsystem und die zugehörigen Hilfsmittel finden sich in den folgenden Sortimentsbereichen. Wer für die konkrete Anwendung unsicher ist, sollte die Fugenbreite und die zu erwartende Bewegung parat haben – daraus ergibt sich die benötigte Einstufung.

Die elastischen Werkstoffe selbst stehen gebündelt in der Kategorie Dichtstoffe. Wer den saisonalen Gegenpart sucht, findet die Außenseite desselben Themas im Beitrag zum Streichen der Fassade im Herbst.

Die genannten Norm- und Merkblattangaben geben den Stand der jeweils verlinkten Quellen wieder und ersetzen keine objektbezogene Fachplanung. Verbindlich sind im Einzelfall die technischen Merkblätter der eingesetzten Produkte sowie die vertraglichen Vereinbarungen zum Bauvorhaben.

11. Häufige Fragen zu Rissen und Anschlussfugen im Innenraum

Wann spachtele ich einen Riss und wann setze ich eine elastische Fuge?

Entscheidend ist die Bewegung. Ein ruhender Schwind- oder Putzriss mitten in der Fläche wird geöffnet, gefüllt, geschliffen und mit dem Untergrund vereinheitlicht. Eine Linie, die exakt entlang eines Bauteilwechsels verläuft – Trockenbau an Massivwand, Zarge an Putz, Decke an Ständerwand –, ist eine Anschlussfuge und braucht ein elastisches Material, weil sie sich mit Temperatur und Feuchte bewegt.

Was bedeutet die Angabe der zulässigen Gesamtverformung auf der Kartusche?

Sie beschreibt, wie viel Dehnung und Stauchung der Dichtstoff dauerhaft aufnehmen darf, bezogen auf die Fugenbreite beim Einbau. Das IVD-Merkblatt 29 ordnet den Klassen 7,5 P, 12,5 P beziehungsweise 12,5 E, 20 LM und 20 HM sowie 25 LM und 25 HM die Werte 7,5, 12,5, 20 und 25 Prozent zu. Für Acrylatdispersionen nennt dasselbe Merkblatt eine Marktauslobung von 7,5 bis 25 Prozent – der konkrete Wert steht im Produktmerkblatt.

Kann ich jede Acrylfuge bedenkenlos überstreichen?

Nein. Nach IVD-Merkblatt 12 dürfen bewegungsausgleichende Dichtstoffe aus technischen Gründen nur bedingt ganzflächig überstrichen werden; geprüft wird die Kombination aus Dichtstoff und Beschichtung, unter anderem mit dem Verfahren A3 nach DIN 52452-4. Typische Störungsbilder sind Verlaufstörungen, klebrige Oberflächen, fehlende Haftung, Runzeln, Verfärbungen, Rissbildung und eine optische Markierung der Fuge. Eine Musterfläche vorab ist eine einfache Absicherung.

Warum reißt meine reparierte Stelle nach wenigen Monaten wieder auf?

Besonders häufig sind drei Ursachen: eine starre Füllung in einer beweglichen Fuge, eine Dreiflankenhaftung ohne Hinterfüllung oder Trennband und ein Untergrund, dessen mürbe Flanken vor der Reparatur nicht entfernt wurden. In allen drei Fällen liegt der Fehler vor dem Auftrag des Materials, nicht im Material selbst.

Welche Innenfarbe passt über eine frisch ausgebesserte Wand?

DIN EN 13300 teilt Innenfarben unter anderem nach Glanz, maximaler Korngröße, Nassabriebbeständigkeit und Deckvermögen ein. Für ausgebesserte Flächen ist eine matte Einstellung meist die verzeihendere Wahl, weil höherer Glanz Unebenheiten im Streiflicht betont. Ein gutes Deckvermögen reduziert die Zahl der nötigen Anstriche über der Reparaturstelle.

Worauf muss ich beim Streichen in der Heizperiode zusätzlich achten?

Auf Trocknung und Lüftung. Wasserbasierte Produkte geben Feuchte an die Raumluft ab, die bei geschlossenen Fenstern im Raum bleibt und die Trocknung verzögert. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Konzentration flüchtiger organischer Verbindungen vor allem nach Bau- und Renovierungsarbeiten kritisch sein kann und dass Lüften die Konzentration vermindert; ergänzend empfiehlt es emissionsarme Produkte. Praktisch heißt das: temperieren, mehrmals täglich querlüften und Trocknungszeiten großzügiger ansetzen als im Sommer.

Material für Rissreparatur und Innenfugen anfragen

Nennen Sie uns Fugenbreite, Untergrund und die vorgesehene Beschichtung – Sie erhalten ein Angebot über Dichtstoff, Vorstrich und Zubehör für Ihr Objekt.