Emissionsarme Bauprodukte entscheiden mehr über die Luft in einem Raum, als viele Bauherren und Verarbeiter vermuten. Kleb- und Dichtstoffe, Grundierungen, Spachtelmassen und Beschichtungen sind großflächig im Gebäude verbaut und geben über Wochen flüchtige organische Verbindungen ab. Dieser Ratgeber zeigt, was hinter EMICODE, dem Blauen Engel und dem AgBB-Schema steckt – und wie Sie für ein gesundes Raumklima die richtigen Produkte auswählen.
Emissionsarme Bauprodukte begrenzen die Abgabe flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) in die Innenraumluft. Die wichtigsten Orientierungshilfen sind das EMICODE-Klassensystem (EC1, EC1PLUS), der Blaue Engel und das AgBB-Bewertungsschema. Wer beim Einkauf von Kleb-, Dicht- und Beschichtungsstoffen auf diese Kennzeichen achtet, senkt die VOC-Belastung spürbar und schützt Verarbeiter wie Nutzer. Entscheidend sind Prüfwerte, Einsatzbereich und eine saubere Verarbeitung mit ausreichender Lüftung.
1. Warum Emissionen aus Bauprodukten zählen
Menschen in Mitteleuropa halten sich den überwiegenden Teil des Tages in Innenräumen auf. Die Qualität der Innenraumluft ist damit ein zentraler Gesundheitsfaktor – und sie wird maßgeblich von den verbauten Materialien geprägt. Bauprodukte wie Klebstoffe, Dichtstoffe, Grundierungen, Spachtelmassen, Estriche und Wandfarben geben nach dem Einbau über einen längeren Zeitraum gasförmige Stoffe an die Raumluft ab. Diese sogenannten flüchtigen organischen Verbindungen, kurz VOC (volatile organic compounds), entstehen aus Lösemitteln, Weichmachern, Restmonomeren und Hilfsstoffen.
Das Umweltbundesamt beschreibt VOC als gas- und dampfförmige Stoffe organischen Ursprungs in der Luft, darunter Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aldehyde und organische Säuren (Umweltbundesamt). In normalen, gut gelüfteten Räumen liegen die Konzentrationen einzelner Stoffe meist niedrig und gelten als gesundheitlich unbedenklich. Nach Neubau oder Renovierung können die Werte jedoch deutlich ansteigen – genau dann, wenn frische Materialien noch stark ausgasen. Mögliche akute Folgen reichen von Geruchsbelästigungen über Reizungen der Schleimhäute bis zu unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit (Umweltbundesamt).
Für Einkäufer und Verarbeiter ist das doppelt relevant. Zum einen sind Beschäftigte auf der Baustelle den frischen Emissionen am stärksten ausgesetzt. Zum anderen erwarten Bauherren, Architekten und Wohnungsbaugesellschaften zunehmend nachweislich emissionsarme Produkte – etwa für Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen oder zertifizierte Gebäude. Ein Produkt, das beim Preis überzeugt, aber kein anerkanntes Emissionskennzeichen trägt, fällt in Ausschreibungen häufig durch. Emissionsarme Bauprodukte sind deshalb kein Nischenthema mehr, sondern ein hartes Auswahlkriterium.
VOC sind nicht automatisch „giftig“. Der Begriff fasst sehr viele Stoffe zusammen, von harmlos bis bedenklich. Bewertet wird deshalb nicht nur die Gesamtmenge (TVOC), sondern auch, welche Einzelstoffe enthalten sind und wie sie sich nach 3 und nach 28 Tagen verhalten.
2. VOC, TVOC und SVOC – die Begriffe sortiert
Wer Datenblätter vergleicht, stößt auf eine ganze Reihe von Abkürzungen. Sie zu kennen, hilft beim Einkauf enorm, weil sich Produkte sonst kaum sauber gegenüberstellen lassen.
VOC bezeichnet die einzelnen flüchtigen organischen Verbindungen. TVOC (total volatile organic compounds) ist die Summe der flüchtigen organischen Verbindungen in einem definierten Siedebereich – also ein Sammelwert, der die Gesamtbelastung beschreibt. TSVOC bzw. SVOC steht für schwerflüchtige organische Verbindungen, die langsamer ausgasen, sich aber im Hausstaub anreichern können. Hinzu kommen Einzelwerte für besonders relevante Stoffe wie Formaldehyd sowie für krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Verbindungen (CMR-Stoffe).
Gemessen werden diese Werte nicht im fertigen Gebäude, sondern unter Laborbedingungen in einer Prüfkammer. Das Produkt wird eingebaut nachgestellt, die Kammerluft wird nach festgelegten Zeiträumen analysiert. So entstehen vergleichbare Zahlen, die unabhängig von Raumgröße, Lüftung und Mobiliar gelten. Die beiden wichtigsten Messzeitpunkte sind der dritte und der achtundzwanzigste Tag: Der frühe Wert zeigt die Spitzenbelastung kurz nach dem Einbau, der späte Wert beschreibt das langfristige Restausgasen.
Warum zwei Messzeitpunkte wichtig sind
Ein Produkt kann anfangs stark riechen und trotzdem nach vier Wochen sehr niedrige Werte erreichen – oder umgekehrt unauffällig starten und langsam, aber dauerhaft ausgasen. Erst beide Werte zusammen ergeben ein realistisches Bild. Für die Praxis bedeutet das: Ein günstiges Lüften direkt nach dem Einbau entschärft die frühe Spitze, ersetzt aber kein emissionsarmes Produkt, wenn die 28-Tage-Werte hoch bleiben.
3. EMICODE: EC1 und EC1 PLUS verstehen
EMICODE ist das wohl bekannteste Klassifizierungssystem für emissionsarme Verlegewerkstoffe, Kleb- und Dichtstoffe sowie ergänzende Bauprodukte. Vergeben wird es von der GEV, einer neutralen Gemeinschaft zur Förderung emissionskontrollierter Produkte. Die Einstufung beruht auf Prüfkammermessungen und teilt Produkte in Klassen ein, die sich an festen TVOC- und TSVOC-Grenzwerten orientieren.
Die Klassen sind klar abgestuft. EC2 kennzeichnet „emissionsarme“ Produkte als Einstiegsstufe. EC1 steht für „sehr emissionsarm“ und erfüllt deutlich strengere gesundheitliche und ökologische Anforderungen. EC1PLUS ist die seit 2010 vergebene Premiumklasse und markiert nach Angaben der GEV die Grenze des heute technisch Machbaren (EMICODE).
| EMICODE-Klasse | Bedeutung | TVOC nach 3 Tagen | TVOC nach 28 Tagen |
|---|---|---|---|
| EC1PLUS | sehr emissionsarm PLUS | ≤ 750 µg/m³ | ≤ 60 µg/m³ |
| EC1 | sehr emissionsarm | ≤ 1.000 µg/m³ | ≤ 100 µg/m³ |
| EC2 | emissionsarm | ≤ 3.000 µg/m³ | ≤ 300 µg/m³ |
Die Zahlen verdeutlichen den Abstand zwischen den Klassen: Der 28-Tage-Grenzwert von EC1PLUS liegt bei höchstens 60 µg/m³ TVOC, bei EC1 bei höchstens 100 µg/m³ und bei EC2 bei höchstens 300 µg/m³ (EMICODE). Für TSVOC nach 28 Tagen gelten gestaffelte Werte von höchstens 40, 50 bzw. 100 µg/m³ (EMICODE). Über alle Klassen hinweg dürfen krebserzeugende Einzelstoffe (Kategorie 1A/1B) nach 3 Tagen unter 10 µg/m³ und nach 28 Tagen unter 1 µg/m³ liegen (EMICODE).
Suchen Sie im Datenblatt gezielt nach der EMICODE-Klasse und dem Logo. Für sensible Innenräume – Wohnräume, Schlafzimmer, Einrichtungen für Kinder oder Pflege – ist EC1 oder EC1PLUS die sichere Wahl. Achten Sie zusätzlich darauf, dass die Klasse für das konkrete Produkt gilt und nicht nur für eine andere Variante derselben Serie.
4. Der Blaue Engel für Bauprodukte
Der Blaue Engel ist das offizielle Umweltzeichen der Bundesregierung und wird im Auftrag des Umweltministeriums vergeben; die fachlichen Kriterien entwickelt das Umweltbundesamt. Nach Angaben der vergebenden Stelle tragen mehr als 70.000 Produkte von über 1.800 Unternehmen das Zeichen (Blauer Engel). Anders als EMICODE bewertet der Blaue Engel nicht ausschließlich die Emissionen, sondern den gesamten Umwelt- und Gesundheitsaspekt eines Produkts – Emissionen sind dabei ein zentrales, aber nicht das einzige Kriterium.
Für den Innenausbau besonders relevant sind mehrere Produktgruppen mit eigenen Vergabekriterien. Emissionsarme Bodenbelagsklebstoffe tragen das Zeichen DE-UZ 113; sie sind lösemittelarm und sollen verhindern, dass schädliche flüchtige Stoffe in Raumluft und Hausstaub ausgasen (Blauer Engel). Emissionsarme Innenwandfarben werden unter DE-UZ 102 ausgezeichnet: Sie unterliegen strengen Grenzwerten für flüchtige und schwerflüchtige organische Stoffe, und seit Ende 2018 dürfen sie nicht mehr mit bioziden Wirkstoffen konserviert werden – ein Vorteil für Allergiker (Blauer Engel).
Fokus auf Emissionen von Verlege-, Kleb- und Dichtstoffen. Klare Klassen EC1PLUS, EC1, EC2 mit festen TVOC-/TSVOC-Grenzwerten aus der Prüfkammer.
Ganzheitliches Umweltzeichen der Bundesregierung. Bewertet Emissionen plus weitere Umwelt- und Gesundheitskriterien, je Produktgruppe eigene DE-UZ-Kriterien.
Behördliches Bewertungsschema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten. Grundlage für die gesundheitliche Beurteilung im Baurecht.
Harmonisiertes europäisches Prüfverfahren, das festlegt, wie Emissionen in die Innenraumluft in der Prüfkammer ermittelt werden – die gemeinsame Messbasis.
5. Das AgBB-Schema als behördliche Grundlage
Hinter den freiwilligen Zeichen steht ein behördlicher Rahmen. Der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) wurde 1997 eingerichtet und entwickelt gesundheitsbezogene Prüf- und Bewertungskriterien für innenraumrelevante Bauprodukte. Ziel ist eine einheitliche, transparente und nachvollziehbare gesundheitliche Beurteilung der Emissionen von Bauprodukten (Umweltbundesamt). Das AgBB-Schema ist damit die fachliche Grundlage, an der sich viele Kennzeichen und baurechtliche Anforderungen orientieren.
Das Schema bewertet nicht nur die Summenwerte TVOC und TSVOC, sondern auch Einzelstoffe über sogenannte NIK-Werte (niedrigste interessierende Konzentrationen). Mit der Überarbeitung 2018 schreibt das Schema die Anwendung des europäisch harmonisierten Prüfverfahrens DIN EN 16516 vor und führte unter anderem ein optionales sensorisches Kriterium zur Geruchsbewertung nach DIN ISO 16000-28 und VDI 4302 ein (Umweltbundesamt). DIN EN 16516 legt fest, wie die Freisetzung gefährlicher Stoffe aus Bauprodukten in die Innenraumluft in der Prüfkammer bestimmt wird, und schafft so eine gemeinsame, vergleichbare Messbasis in der EU.
Ein Emissionskennzeichen bezieht sich grundsätzlich auf das geprüfte Produkt in der geprüften Anwendung. Wird ein Klebstoff zweckentfremdet, in zu dicker Schicht aufgetragen oder mit einem nicht passenden Grundierungssystem kombiniert, kann die reale Emission abweichen. Verarbeitungshinweise und technische Merkblätter sind deshalb Teil des Gesundheitsschutzes.
6. Gesundes Raumklima planen
Emissionsarme Produkte sind die Basis, doch das Raumklima entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren. Entscheidend sind die Auswahl der Materialien, die Verarbeitung, die Trocknung und die Lüftung. Das Umweltbundesamt empfiehlt ausdrücklich, emissionsarme Produkte mit Umweltzeichen wie dem Blauen Engel zu wählen und für Bauprodukte das AgBB-Schema heranzuziehen (Umweltbundesamt).
In der Praxis summieren sich Emissionen über alle Gewerke. Estrich, Grundierung, Klebstoff, Bodenbelag, Spachtelmasse, Wandfarbe und Dichtstoffe wirken zusammen. Werden überall emissionsarme Produkte gewählt, bleibt die Gesamtbelastung niedrig. Setzt nur ein einziges Gewerk auf ein stark ausgasendes Produkt, kann es das Ergebnis spürbar verschlechtern – gerade in dicht gebauten, energieeffizienten Gebäuden mit geringem Luftwechsel. Eine konsequente Produktauswahl über alle Gewerke hinweg ist deshalb wirksamer als ein einzelnes „Vorzeigeprodukt“.
7. Auswahlkriterien für Kleb- und Dichtstoffe
Kleb- und Dichtstoffe sind im Innenraum großflächig oder als lange Fugen verbaut und damit emissionsrelevant. Bei der Auswahl zählt nicht nur die Klebkraft, sondern die Kombination aus Emissionsverhalten, chemischer Basis und Einsatzbereich.
- Chemische Basis: Lösemittelfreie oder lösemittelarme Systeme – etwa moderne Hybrid-Polymere (MS/SMP) oder Dispersionen – emittieren in der Regel deutlich weniger als klassische lösemittelhaltige Produkte.
- Emissionskennzeichen: EMICODE-Klasse und gegebenenfalls Blauer Engel im Datenblatt prüfen. Für Innenräume EC1 oder EC1PLUS bevorzugen.
- Einsatzbereich: Produkt muss für den konkreten Untergrund und die Beanspruchung freigegeben sein (z. B. Nassbereich, Bodenfuge, Anschlussfuge).
- Überstreichbarkeit und Verträglichkeit: Bei Dichtstoffen prüfen, ob das Produkt überstreichbar und mit Folgegewerken verträglich ist.
- Systemgedanke: Reiniger, Haftgrund und Dichtstoff aufeinander abstimmen – ein passender Haftvermittler verhindert spätere Schäden und Nacharbeit.
Ein überstreichbarer Hybrid-Dichtstoff eignet sich gut für emissionsarme Anschluss- und Dehnfugen im Innenausbau, weil er ohne Lösemittel auskommt und sich nahtlos in Beschichtungssysteme einfügt:
Soudaseal 228LM: Überstreichbarer Dichtstoff auf HybridpolymerbasisSoudaseal 228LM ist ein elastischer, neutraler und einkomponentiger Dichtstoff auf Hybridpolymerbasis, ideal für Anschlussfugen bei Fenstern und Türen, s …
Für nicht-poröse Untergründe sorgt ein passender Haftvermittler dafür, dass der Dichtstoff dauerhaft anbindet – das vermeidet Nacharbeit und damit zusätzliche Emissionsquellen:
Sichern Sie die maximale Haftkraft Ihrer Klebeverbindungen auf glatten Oberflächen Wenn Sie bei anspruchsvollen Projekten nichts dem Zufall überlassen wollen, ist die Vorbereitung des Untergrunds genauso wichtig wie der …
Hybrid-Dichtstoffe auf Basis modifizierter Silan-Polymere sind häufig lösemittel- und isocyanatfrei. Sie verbinden gute Haftung mit einem günstigen Emissionsprofil und sind für viele Innenraumfugen eine sinnvolle Wahl – die konkreten Prüfwerte stehen im technischen Merkblatt.
8. Auswahlkriterien für Beschichtungen und Grundierungen
Beschichtungen wie Wandfarben, Grundierungen und Spachtelsysteme bedecken große Flächen und prägen das Raumklima entsprechend stark. Hier lohnt der Blick auf den Blauen Engel (z. B. DE-UZ 102 für Innenwandfarben) ebenso wie auf EMICODE-eingestufte Grundierungen und Voranstriche.
- Emissionskennzeichen vorhanden (EMICODE EC1/EC1PLUS oder Blauer Engel)?
- Wasserbasiert bzw. lösemittelarm statt lösemittelhaltig?
- Biozidarm bzw. ohne biozide Topfkonservierung, wo möglich?
- Grundierung und Beschichtung als abgestimmtes System ausgewählt?
- Verarbeitungs- und Trocknungshinweise im Merkblatt geprüft?
- Ausreichende Lüftung während und nach der Verarbeitung eingeplant?
Auch ein klassischer Voranstrich oder eine Grundierung kann emissionsarm ausgeführt sein. Wer Untergründe sauber vorbereitet und das passende Grundierungssystem wählt, verbessert nicht nur die Haftung der Folgeschicht, sondern hält auch das Emissionsprofil der gesamten Aufbaukonstruktion niedrig.
Emissionsarm wird ein Raum nicht durch ein einzelnes Produkt, sondern durch eine konsequente Materialwahl über alle Gewerke – von der Grundierung bis zur letzten Fuge.
9. Passende Produkte aus dem Sortiment
Für emissionsbewusstes Bauen führt der Handel ein breites Spektrum an modernen Kleb-, Dicht- und Hilfsstoffen. Die folgende Auswahl bündelt Dichtstoffe und Verarbeitungshilfen, mit denen sich Fugen und Anschlüsse im Innenausbau sauber ausführen lassen:
Einen Überblick über das gesamte Spektrum an Kleb- und Dichtstoffen sowie ergänzenden Hilfsmitteln finden Sie in diesen Sortimentsbereichen:
Wer rund um Innenausbau, Trockenbau und Montage emissionsarm arbeiten möchte, findet die passenden Produktgruppen gebündelt im Bereich für Dichtstoffe und Klebstoffe. Spezielle Anschluss- und Fugenprodukte stehen unter Dichtstoffe bereit, klassische Verklebungen im Bereich Klebstoffe. Passende Reiniger und Haftgründe für die Untergrundvorbereitung sind unter Reiniger und Haftgrund zu finden.
Für die Materialwahl im Bestand und in der Sanierung lohnt zudem ein Blick in die Bauwerksabdichtung und Sanierungssysteme sowie in das Profi-Malerwerkzeug für die saubere Verarbeitung von Beschichtungen. Eine strukturierte Vorauswahl ermöglicht die Auswahlhilfe nach Anwendungsgebiet. Wer lieber stöbert, startet auf der Startseite oder liest weitere Praxisbeiträge im Blog.
10. Häufige Fehler bei der Auswahl
Emissionsarme Produkte entfalten ihren Nutzen nur, wenn sie richtig ausgewählt und eingesetzt werden. Drei Fehler treten besonders häufig auf. Erstens wird das Kennzeichen mit der gesamten Serie verwechselt: Nicht jede Variante einer Produktreihe trägt automatisch dieselbe EMICODE-Klasse. Zweitens wird nur ein Gewerk optimiert, während ein stark ausgasendes Produkt an anderer Stelle das Ergebnis verdirbt. Drittens fehlt die Lüftung in der kritischen Phase direkt nach dem Einbau, sodass die frühe Emissionsspitze im Raum verbleibt.
Ein weiterer Stolperstein ist die Verarbeitung entgegen dem technischen Merkblatt. Zu dicke Schichten, falsche Untergründe oder unverträgliche Systemkomponenten können dazu führen, dass ein an sich emissionsarmes Produkt im realen Aufbau mehr ausgast als erwartet oder zu Folgeschäden führt. Wer Datenblatt und Merkblatt liest, vermeidet diese Fehler und schützt sowohl die Raumluft als auch die eigene Gewährleistung.
Legen Sie für jedes Projekt eine kurze Produktliste mit Kennzeichen und Prüfwerten an. So lässt sich gegenüber Bauherren, Architekten oder Prüfern jederzeit belegen, dass über alle Gewerke emissionsarm gebaut wurde – das spart Diskussionen und Nacharbeit.
11. Häufige Fragen zu emissionsarmen Bauprodukten
Was bedeutet „emissionsarm“ bei Bauprodukten genau?
Emissionsarm heißt in der Regel, dass ein Produkt in der Prüfkammer nur geringe Mengen flüchtiger organischer Verbindungen an die Luft abgibt und festgelegte Grenzwerte einhält. Maßgeblich sind anerkannte Schemata wie EMICODE oder der Blaue Engel, die TVOC-, TSVOC- und Einzelstoffwerte nach 3 und 28 Tagen bewerten. Der Begriff allein ohne Kennzeichen sagt erfahrungsgemäß wenig aus.
Worin unterscheiden sich EC1 und EC1 PLUS?
Beide Klassen stehen für „sehr emissionsarm“, EC1PLUS ist jedoch die strengere Premiumstufe. Der TVOC-Grenzwert nach 28 Tagen liegt bei EC1PLUS typischerweise bei höchstens 60 µg/m³, bei EC1 bei höchstens 100 µg/m³ (EMICODE). Für besonders sensible Innenräume ist EC1PLUS die anspruchsvollere Wahl, EC1 in vielen Wohnbereichen bereits sehr gut geeignet.
Reicht ein Emissionskennzeichen für gesunde Raumluft aus?
Ein Kennzeichen ist eine wichtige Grundlage, aber kein Selbstläufer. Das Raumklima hängt erfahrungsgemäß vom Zusammenspiel aller Gewerke, der korrekten Verarbeitung und ausreichender Lüftung ab. Wer emissionsarme Produkte konsequent über alle Gewerke wählt und sauber verarbeitet, schafft die besten Voraussetzungen für eine gute Innenraumluft.
Was sagt das AgBB-Schema aus?
Das AgBB-Schema ist das behördliche Bewertungsverfahren für die gesundheitliche Beurteilung von Bauprodukt-Emissionen in Deutschland. Es bewertet Summenwerte und Einzelstoffe und nutzt seit 2018 das harmonisierte Prüfverfahren DIN EN 16516 (Umweltbundesamt). Viele freiwillige Kennzeichen und baurechtliche Anforderungen orientieren sich an diesem Schema.
Welche Produkte sollte ich im Innenausbau bevorzugen?
Bevorzugen Sie in der Regel lösemittelarme oder lösemittelfreie Systeme mit anerkanntem Emissionskennzeichen – etwa Hybrid-Dichtstoffe, Dispersionsklebstoffe sowie Wandfarben und Grundierungen mit EMICODE-Einstufung oder Blauem Engel. Die konkreten Prüfwerte und Freigaben stehen jeweils im technischen Merkblatt des Produkts.
Wie hilft Lüften gegen Emissionen?
Frische Materialien geben kurz nach dem Einbau am meisten ab. Regelmäßiges Stoßlüften baut diese frühe Emissionsspitze ab und senkt die Konzentration in der Raumluft. Lüften ersetzt jedoch kein emissionsarmes Produkt: Bleibt der 28-Tage-Wert hoch, gast das Material auch nach Wochen weiter aus.