Eine fachgerechte RAL-Fenstermontage entscheidet darüber, ob eine Anschlussfuge über Jahre dicht, warm und schimmelfrei bleibt – oder ob Tauwasser, Zugluft und Schlagregen die Konstruktion ruinieren. Der Kern ist ein einfaches Prinzip: innen dichter als außen. Dieser Leitfaden zeigt Fensterbauern, Planern und Profis, wie die drei Dichtebenen der Fensteranschlussfuge richtig aufgebaut werden und welche Materialien – Multifunktionsbänder, Folien und Schaum – in welche Ebene gehören.
Die RAL-Fenstermontage teilt die Anschlussfuge in drei Dichtebenen: innen luftdicht und dampfbremsend, in der Mitte gedämmt (Schaum oder Dämmstoff), außen schlagregendicht und zugleich diffusionsoffen. Es gilt der Grundsatz „innen dichter als außen" – so kann Feuchte, die doch eindringt, kontrolliert nach außen austrocknen. Verarbeitet wird mit Multifunktionsbändern, Dichtfolien, Vorlegebändern und PU-Schaum. Wer die Reihenfolge und die Materialien richtig wählt, vermeidet Tauwasser, Schimmel und Energieverluste.
1. RAL-Fenstermontage: Das Grundprinzip „innen dichter als außen"
Ein Fenster ist nur so gut wie sein Bauanschluss. Selbst das hochwertigste Fenster nützt wenig, wenn die Fuge zwischen Blendrahmen und Mauerwerk nicht fachgerecht abgedichtet ist. Genau hier setzt die RAL-Fenstermontage an: Sie beschreibt, wie die Anschlussfuge so ausgeführt wird, dass sie dauerhaft luftdicht, wärmedämmend und schlagregendicht bleibt. Der Begriff „RAL-Montage" geht auf den Leitfaden der RAL-Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren zurück, der zusammen mit dem ift Rosenheim erarbeitet wurde (RAL Gütegemeinschaft).
Das zentrale Konstruktionsprinzip lautet „innen dichter als außen". Die raumseitige Abdichtung muss dampfdichter ausgeführt sein als die außenseitige. Der Grund ist bauphysikalisch eindeutig: Warme, feuchte Raumluft darf nicht in die Fuge eindringen, dort abkühlen und kondensieren – das wäre die Ursache für Tauwasser und Schimmel. Feuchte, die dennoch in die Konstruktion gelangt, muss nach außen wieder austrocknen können. Deshalb ist die äußere Ebene zwar schlagregendicht, aber diffusionsoffen.
Anschaulich wird das Prinzip am Verlauf des Taupunkts in der Fuge. Im Winter herrscht innen warme, feuchtegesättigte Luft, außen kalte, trockene. Zwischen beiden bildet sich in der Fuge ein Temperaturgefälle, an dessen kältester Stelle Wasserdampf kondensieren kann. Eine luftdichte Innenebene unterbindet, dass diese feuchte Luft überhaupt erst durch Konvektion in den kritischen Bereich strömt. Bleibt nur die langsamere Diffusion übrig, transportiert sie so wenig Feuchte, dass die diffusionsoffene Außenebene sie zuverlässig wieder abführt. Genau dieses Wechselspiel macht den Unterschied zwischen einer Fuge, die über Jahrzehnte trocken bleibt, und einer, die nach wenigen Heizperioden Schimmel zeigt.
Wichtig ist die Abgrenzung zur reinen Wärmedämmung: Eine Fuge kann thermisch gut gedämmt und dennoch bauphysikalisch falsch ausgeführt sein, wenn die Luftdichtheit fehlt. Wärmebrücken am Fensteranschluss senken die Oberflächentemperatur raumseitig ab – fällt sie unter die Taupunkttemperatur der Raumluft, schlägt sich Feuchte an der Laibung nieder. Die RAL-Montage adressiert deshalb beide Aspekte zugleich: gleichmäßige Dämmung im Funktionsbereich und eine durchgehende, lückenlose Luftdichtheitsebene innen.
Innen verhindern, dass Feuchte hineinkommt – außen ermöglichen, dass Feuchte wieder herauskommt. Das ist die Logik jeder funktionierenden Anschlussfuge.
Geregelt wird die Luftdichtheit der Gebäudehülle in DIN 4108-7, die Fenster- und Türanschlüsse ausdrücklich als kritische Bereiche benennt (baunormenlexikon). Die Anforderungen an die einzelnen Werkstoffe – etwa Multifunktions- und Fugendichtungsbänder – stehen in DIN 18542 (baunormenlexikon). Für spritzbare Dichtstoffe in der Anschlussfuge liefert das IVD-Merkblatt Nr. 9 die Verarbeitungsregeln (IVD). Die passenden Werkstoffe finden Sie gebündelt in unserem Sortiment Dichtstoffe und Klebstoffe sowie unter Bauwerksabdichtung und Sanierungssysteme.
RAL-Montage ist keine Gesetzespflicht, aber der anerkannte Stand der Technik. Wird ohne Bezug auf den Montageleitfaden gearbeitet und entsteht ein Schaden, gilt die Ausführung schnell als mangelhaft – mit Gewährleistungsfolgen für den Verarbeiter.
2. Die drei Dichtebenen der Anschlussfuge im Detail
Die Fensteranschlussfuge wird in drei funktionale Ebenen aufgeteilt, die exakt aufeinander abgestimmt sein müssen. Jede Ebene hat eine eigene Aufgabe – und kein Material kann alle drei zugleich erfüllen. Deshalb arbeitet die RAL-Fenstermontage mit einem System aus mehreren Komponenten statt mit einem einzigen „Dichtmittel". Man spricht hier auch vom Drei-Ebenen-Modell: Trennung von Witterungsschutz (außen), Funktionsbereich (Mitte) und Raumklimaabschluss (innen). Diese saubere Aufgabentrennung ist der eigentliche Kern der fachgerechten Montage – wer sie verinnerlicht, trifft die Materialauswahl fast von selbst richtig.
Die raumseitige Ebene hält warme, feuchte Innenluft aus der Fuge fern. Sie ist luftdicht und dampfdichter als die Außenseite. Material: innenseitige Dichtfolie oder spritzbarer Dichtstoff.
Der Funktionsbereich zwischen innen und außen dämmt thermisch und akustisch. Hier wird die Fuge vollständig ausgefüllt – mit PU-Schaum oder mineralischem Dämmstoff.
Die wetterseitige Ebene wehrt Schlagregen ab, lässt aber Dampf nach außen entweichen. Material: vorkomprimiertes Multifunktionsband oder diffusionsoffene Außenfolie.
Erst die Kombination aller drei Ebenen macht den Anschluss funktionsfähig. Eine einzelne Ebene allein – etwa nur Schaum – erfüllt die bauphysikalischen Anforderungen nicht.
Die innere Ebene: luftdicht abschließen
Innen entscheidet sich, ob die Fuge trocken bleibt. Eine luftdichte, dampfbremsende Abdichtung verhindert, dass Konvektion warme Raumluft in die kalte Fuge transportiert. Üblich sind innenseitige Anputz-Dichtfolien mit Butyl- oder Acrylatkleberand oder ein sauber ausgeführter spritzbarer Dichtstoff mit Vorlegeband als Hinterfüllung. Geeignete Dichtstoffe für die Raumseite finden Sie in der Kategorie OTTOSEAL Silikon. Wichtig: Die innere Ebene muss durchgehend und anschlussdicht ausgeführt sein – Unterbrechungen wirken wie ein offenes Fenster im System.
In der Praxis lohnt der Blick auf die kritischen Stellen: Ecken, Stoßfugen und der Übergang zur Fensterbank. Gerade an den Rahmenecken reißt eine reine Verklebung gern auf, wenn die Folie nicht mit etwas Schlaufe (Dehnzugabe) verlegt wird. Bei spritzbaren Dichtstoffen ist die richtige Untergrundvorbereitung entscheidend: Saugende oder pulvernde Putze brauchen einen Primer, sonst löst sich die Naht trotz korrekter Verarbeitung wieder ab. Wer mit Folie arbeitet, sollte den raumseitigen Putz oder die Bekleidung erst nach dem Aushärten des Klebers anbringen, damit die Verklebung nicht unter Spannung gerät. Entscheidungshilfe: Folie ist robust gegen Bewegungen und gut prüfbar, der Dichtstoff ist schneller verarbeitet und passt sich an unregelmäßige Laibungen an – beide sind regelkonform, solange die Luftdichtheit lückenlos bleibt.
Die mittlere Ebene: dämmen und füllen
Der mittlere Funktionsbereich übernimmt die Wärme- und Schalldämmung. Er muss die Fuge hohlraumfrei ausfüllen, ohne den Rahmen zu verspannen. Klassisch geschieht das mit elastischem PU-Füll- und Dämmschaum aus dem Bereich PUR-Schaum & Zubehör; bei größeren oder brandschutzrelevanten Fugen kommen mineralische Dämmstoffe zum Einsatz. Schaum allein ist jedoch keine Abdichtung – er übernimmt ausschließlich die Dämmfunktion.
Beim Schäumen kommt es auf das Maß an: Der Schaum dehnt sich nach dem Austrag noch deutlich aus, daher wird die Fuge nicht komplett vollgespritzt, sondern nur etwa zur Hälfte gefüllt – der Rest schließt sich durch die Nachexpansion. Wird zu viel eingebracht, drückt der quellende Schaum den Rahmen nach innen und das Fenster lässt sich später schwer schließen. Bei tiefen oder breiten Fugen empfiehlt sich lagenweises Arbeiten mit Zwischentrocknung, weil dicke Schichten innen feucht bleiben und nicht vollständig aushärten. Mineralwolle oder Dämmstreifen sind die richtige Wahl, wenn die Fuge an Flucht- und Rettungswegen liegt oder Brandschutzanforderungen erfüllen muss – hier ist nicht brennbares Material gefragt, das ein PU-Schaum nicht leisten kann.
Ein häufiger Fehler: nur ausschäumen und fertig. PU-Schaum ist weder luftdicht noch schlagregendicht und nicht UV-beständig. Ohne innere und äußere Dichtebene verliert die Fuge ihre Funktion – Zugluft, Tauwasser und Bauschäden sind die Folge.
Die äußere Ebene: vor Wetter schützen, aber atmen lassen
Außen muss die Fuge Schlagregen und Wind standhalten und gleichzeitig diffusionsoffen bleiben, damit Restfeuchte austrocknet. Bewährt haben sich vorkomprimierte Multifunktionsbänder (Kompribänder), die sich nach dem Einsetzen ausdehnen und dauerhaft Anpressdruck aufbauen, sowie diffusionsoffene Außenfolien. Die Anforderungen an diese Bänder regelt DIN 18542 mit Beanspruchungsgruppen (BG R, BG 1, BG 2) – maßgeblich ist die Schlagregendichtheit (baunormenlexikon).
Multifunktionsbänder werden vorkomprimiert geliefert und expandieren nach dem Einsetzen kontrolliert auf die Fugenbreite. Damit das funktioniert, muss das Band passend zur Fugenbreite gewählt und zügig verarbeitet werden, denn bereits an der Luft beginnt die Ausdehnung. Bei kühler Witterung verläuft die Expansion langsamer – ein Punkt, den Profis bei der Montage im Winter einplanen. Diffusionsoffene Außenfolien sind dort im Vorteil, wo die Laibung sehr unregelmäßig ist oder Anschlüsse an Rollladenkästen und Fassadendämmung sauber umlaufend abgedichtet werden müssen. Beide Lösungen erfüllen die gleiche Aufgabe; die Wahl hängt von Bewitterung, Fugengeometrie und dem übrigen Systemaufbau ab.
3. Multifunktionsbänder, Folien und Schaum: das richtige Material je Ebene
Welches Material in welche Ebene gehört, lässt sich systematisch zuordnen. Die folgende Übersicht fasst die typischen Werkstoffe der RAL-Fenstermontage und ihre Funktion zusammen.
| Ebene | Aufgabe | Typisches Material | Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| Innen (raumseitig) | luftdicht, dampfbremsend | Anputz-Dichtfolie, Dichtstoff + Vorlegeband | sd-Wert hoch |
| Mitte | Wärme-/Schalldämmung | PU-Füll- und Dämmschaum, Mineraldämmung | hohlraumfrei |
| Außen (wetterseitig) | schlagregendicht, diffusionsoffen | Multifunktionsband, diffusionsoffene Außenfolie | sd-Wert niedrig |
Der Schlüsselbegriff ist der sd-Wert, die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke. Damit „innen dichter als außen" funktioniert, sollte der sd-Wert der inneren Ebene deutlich höher liegen als der der äußeren – als Faustregel wird häufig ein Verhältnis von etwa 1:5 oder höher angesetzt. Multifunktionsbänder vereinen mehrere Funktionen in einem Produkt und decken bei der „indirekt bewitterten" Fuge alle drei Ebenen ab; ihre Grundlagen beschreibt das IVD-Merkblatt 26-1 (IVD). Für die Verbindung der Dichtebenen eignen sich zudem die Profile aus der Kategorie Fugenbänder und Dichtungsprofile.
Der sd-Wert beschreibt, welcher ruhenden Luftschicht in Metern eine Materialschicht beim Wasserdampfdurchgang entspricht. Eine innenseitige Dampfbremse mit hohem sd-Wert lässt nur wenig Dampf passieren, während eine diffusionsoffene Außenfolie mit niedrigem sd-Wert ihn fast ungehindert entweichen lässt. Genau dieses Gefälle sorgt dafür, dass die Fuge austrocknet, statt Feuchte einzuschließen. Manche moderne Folien arbeiten zudem feuchteadaptiv: Ihr sd-Wert sinkt bei steigender Umgebungsfeuchte, sodass die Konstruktion im Sommer schneller rücktrocknen kann. Bei Multifunktionsbändern übernimmt der unterschiedlich dichte Aufbau über die Bandtiefe diese Differenzierung – innen dichter, außen offener – sodass ein einziges Band bei geeigneter Einbausituation das gesamte Drei-Ebenen-Prinzip abbildet.
Setzen Sie auf ein abgestimmtes System eines Herstellers statt auf Einzelkomponenten verschiedener Anbieter. Innenfolie, Schaum und Außenband sind aufeinander geprüft – das reduziert Verträglichkeits- und Haftungsprobleme spürbar.
Der Dämmkern: PU-Schaum richtig wählen
Für die mittlere Ebene ist ein elastischer Füll- und Dämmschaum erste Wahl. Er gleicht Bewegungen aus, ohne den Rahmen zu verformen, und füllt die Fuge zuverlässig. Pistolenschäume lassen sich dabei präziser dosieren als Aufsatzrohr-Varianten – wichtig, damit kein Überschuss den Rahmen verdrückt.
Der FM210 Füll- und Dämmschaum ist ein hochwertiger, 1-komponentiger Polyurethanschaum, der speziell für die Verfüllung, Dämmung und Isolierung von Fensteranschlussfugen sowie Anschlussfugen von Türrahmen und Fassaden en …
4. Schritt für Schritt: die Anschlussfuge fachgerecht ausführen
Die Reihenfolge der Arbeitsschritte ist entscheidend. Wer die Ebenen in der falschen Reihenfolge oder unvollständig ausführt, gefährdet die Funktion der gesamten Fuge.
- Untergrund tragfähig, trocken und sauber – Haftgrund bei Bedarf aufgetragen
- Fenster ausgerichtet und mechanisch befestigt (nicht über Schaum)
- Äußere Ebene schlagregendicht und diffusionsoffen ausgeführt
- Mittlere Ebene hohlraumfrei gedämmt, ohne Rahmenverspannung
- Innere Ebene luftdicht und durchgehend angeschlossen
- „Innen dichter als außen" über den gesamten Umlauf eingehalten
Die Befestigungsmittel tragen die Lasten des Fensters – nicht der Schaum. PU-Schaum übernimmt ausschließlich die Dämmung. Diese Trennung von Tragen und Dämmen ist ein Kernpunkt der RAL-Montage.
5. Typische Fehler bei der RAL-Fenstermontage vermeiden
Die meisten Schäden an Fensteranschlüssen gehen auf wenige, immer wiederkehrende Ausführungsfehler zurück. Wer sie kennt, kann sie gezielt vermeiden.
| Fehler | Folge | Richtig |
|---|---|---|
| Nur ausschäumen, keine Dichtebenen | Zugluft, Tauwasser, Schimmel | Drei Ebenen ausführen |
| Außen dichter als innen | Feuchte bleibt in der Fuge | Innen dichter als außen |
| Innere Folie unterbrochen | Luftundichtheit, Energieverlust | durchgehend anschließen |
| Feuchter oder lockerer Untergrund | Bänder/Folien haften nicht | Laibung vorbereiten |
Ein weiterer Punkt betrifft die Emissionen im Innenraum: Spritzbare Dichtstoffe und Schäume können flüchtige organische Verbindungen (VOC) abgeben (Umweltbundesamt). Achten Sie deshalb gerade auf der Raumseite auf emissionsarme, geprüfte Produkte – etwa mit EMICODE-Kennzeichnung. Vertiefende Praxisbeiträge finden Sie in unserem Baustoff-Blog; mehr zu uns auf der Seite Über uns.
Bewitterte und unbewitterte Fugen unterscheiden
Nicht jede Fuge wird gleich stark beansprucht. DIN 18542 unterscheidet Beanspruchungsgruppen je nach Schlagregenbelastung. Eine direkt bewitterte Fassade in exponierter Lage braucht ein Band der höchsten Gruppe (BG R), eine geschützte, indirekt bewitterte Fuge kommt mit geringeren Anforderungen aus. Die Materialwahl richtet sich also immer nach der konkreten Einbausituation.
Fugenbreite und Bewegungsaufnahme einplanen
Ein oft unterschätzter Punkt ist die richtige Fugenbreite. Rahmen, Mauerwerk und Putz arbeiten unterschiedlich – durch Temperatur, Feuchte und Bauwerkssetzungen. Die Fuge muss diese Bewegungen dauerhaft aufnehmen, ohne dass die Abdichtung reißt oder sich vom Untergrund löst. Ist die Fuge zu schmal, wird das Multifunktionsband überlastet; ist sie zu breit, fehlt der nötige Anpressdruck. Die Hersteller geben für jedes Band einen zulässigen Fugenbreitenbereich an, der unbedingt einzuhalten ist. Bei spritzbaren Dichtstoffen sorgt das Vorlegeband (Hinterfüllmaterial) dafür, dass der Dichtstoff nur an zwei Flanken haftet und sich frei dehnen kann – eine Dreiflankenhaftung würde die Fuge bei Bewegung aufreißen.
6. Geeignete Produkte für die drei Dichtebenen
Für jede Ebene gibt es bewährte Werkstoffe. Die folgende Auswahl deckt vor allem die mittlere Dämmebene und die abschließende Verarbeitung ab – von Füll- und Dämmschäumen über Schaumpistolen bis zum passenden Reiniger. Anwendungsbezogen finden Sie alles für den Bereich Fenster, Glas & Fassade.
Für die innere und äußere Abdichtebene führen wir zudem Fugendichtbänder, Folienbänder und das passende Anschlusssystem. Eine Übersicht der Sortimente:
7. Planung und Vorbereitung: was vor der Montage zu klären ist
Ein fachgerechter Anschluss entsteht nicht erst auf der Baustelle, sondern beginnt bei der Planung. Wer Einbausituation, Untergrund und Bewitterung im Vorfeld richtig einschätzt, wählt das passende System und vermeidet teure Nacharbeiten. Besonders im Bestand lohnt der genaue Blick: Alte Laibungen sind oft uneben, feucht oder mit Resten alter Dichtmassen belegt – Faktoren, die die Materialwahl unmittelbar beeinflussen.
Maßgeblich sind vor allem drei Größen: die zu erwartende Schlagregenbelastung (sie bestimmt die Beanspruchungsgruppe des Außenbands), die tatsächliche Fugenbreite über den gesamten Umlauf (sie entscheidet über Bandgröße und Dosierung) und die Beschaffenheit des Untergrunds (sie legt fest, ob grundiert oder vorbehandelt werden muss). Hinzu kommt die Frage der Befestigung: Last, Fenstergewicht und Wandaufbau bestimmen Abstand und Art der Befestiger.
- Einbausituation und Bewitterung beurteilt (direkt oder indirekt bewittert)
- Fugenbreite gemessen und mit dem Anwendungsbereich des Bands abgeglichen
- Untergrund auf Tragfähigkeit, Feuchte und Sauberkeit geprüft
- Befestigungsraster und Befestigermittel passend zu Gewicht und Wand gewählt
- Aufeinander abgestimmtes Systemmaterial für alle drei Ebenen bereitgestellt
- Witterungs- und Temperaturbedingungen für die Verarbeitung berücksichtigt
Notieren Sie die Fugenbreite an mehreren Punkten je Seite, nicht nur an einer Stelle. Mauerwerk und Rahmen verlaufen selten exakt parallel – die größte gemessene Breite entscheidet darüber, ob ein Band noch im zulässigen Bereich liegt.
8. Witterung und Temperatur bei der Verarbeitung
Dichtstoffe, Schäume und selbstexpandierende Bänder reagieren empfindlich auf Temperatur und Feuchte. Die meisten Hersteller geben einen Verarbeitungsbereich an, der grob zwischen wenigen Grad über null und sommerlicher Wärme liegt – außerhalb dieses Fensters leiden Aushärtung, Haftung und Expansionsverhalten. Bei Kälte härten PU-Schäume langsamer aus und Bänder dehnen sich träge, bei großer Hitze kann die Expansion zu schnell erfolgen, sodass das Band sich nicht mehr sauber einlegen lässt.
Auch der Untergrund spielt mit: Eine feuchte oder vereiste Laibung verhindert die Haftung von Folien und Klebebändern zuverlässig, selbst wenn die Lufttemperatur stimmt. Vor der Montage sollte die Oberfläche daher handtrocken und frostfrei sein. Bei spritzbaren Dichtstoffen verlängert Kälte die Hautbildungs- und Durchhärtezeit deutlich, was die nachfolgenden Arbeitsschritte verschiebt. Wer im Winter oder bei wechselhaftem Wetter arbeitet, plant diese Zeiten ein und schützt frisch ausgeführte Ebenen vor Regen und direkter Bewitterung, bis sie ihre Funktion erreicht haben.
Material, Untergrund und Wetter bilden eine Einheit. Stimmt eine dieser drei Größen nicht, hält auch die beste Ausführung nicht dauerhaft.
9. Häufige Fragen zur RAL-Fenstermontage
Warum soll die Anschlussfuge innen dichter sein als außen?
In der Regel, damit feuchtwarme Raumluft nicht in die Fuge eindringt und dort kondensiert. Innen wird deshalb dampfbremsend und luftdicht gearbeitet, außen diffusionsoffen – so kann Restfeuchte erfahrungsgemäß nach außen austrocknen, statt sich in der Konstruktion zu sammeln. Maßgeblich ist dabei das sd-Wert-Gefälle: Die innere Ebene bremst den Dampf, die äußere lässt ihn entweichen. Fehlt dieses Gefälle, droht Tauwasser in der Fuge.
Reicht es nicht, die Fuge einfach auszuschäumen?
Üblicherweise nicht. PU-Schaum übernimmt nur die Dämmung der mittleren Ebene. Er ist weder dauerhaft luftdicht noch schlagregendicht oder UV-beständig. Ohne innere und äußere Dichtebene bleibt die Fuge typischerweise anfällig für Zugluft, Tauwasser und Schäden – der Schaum allein ersetzt also keine vollständige Abdichtung.
Welche Materialien gehören in welche Dichtebene?
Erfahrungsgemäß innen eine Anputz-Dichtfolie oder ein Dichtstoff mit Vorlegeband, in der Mitte PU-Dämmschaum oder Mineraldämmung und außen ein vorkomprimiertes Multifunktionsband oder eine diffusionsoffene Außenfolie. Multifunktionsbänder können bei geeigneter Einbausituation mehrere Ebenen abdecken. Wichtig ist, dass die Komponenten aufeinander abgestimmt sind und sich vertragen – ein geprüftes Systemmaterial eines Herstellers ist hier meist die sicherere Wahl.
Ist die RAL-Montage gesetzlich vorgeschrieben?
Sie ist in der Regel keine unmittelbare Gesetzespflicht, gilt aber als anerkannter Stand der Technik. Wird ohne Bezug darauf gearbeitet und entsteht ein Schaden, wird die Ausführung häufig als mangelhaft bewertet – mit entsprechenden Gewährleistungsfolgen. In Ausschreibungen und Werkverträgen wird der RAL-Montageleitfaden deshalb häufig ausdrücklich als geschuldete Ausführungsqualität benannt.
Welche Normen sind bei der Fensteranschlussfuge maßgeblich?
Typischerweise DIN 4108-7 für die Luftdichtheit der Gebäudehülle und DIN 18542 für imprägnierte Fugendichtungs- und Multifunktionsbänder. Für spritzbare Dichtstoffe in der Anschlussfuge gibt das IVD-Merkblatt Nr. 9 die Verarbeitungsregeln vor; das IVD-Merkblatt 26-1 ergänzt die Grundlagen zu Multifunktionsbändern. Welche Norm im Einzelfall führt, hängt von Bauteil und Einbausituation ab.
Worauf ist beim Untergrund der Laibung zu achten?
In der Regel muss die Laibung tragfähig, trocken, sauber und staubfrei sein, damit Bänder und Folien dauerhaft haften. Lose Teile sollten entfernt und der Untergrund je nach Material grundiert werden; bei feuchtem oder mürbem Untergrund leidet die Haftung erfahrungsgemäß deutlich. Im Bestand empfiehlt sich vorab eine Sichtprüfung auf Altbeschichtungen und Risse, weil diese die Verklebung beeinträchtigen können.