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Die Luftdichtheit der Gebäudehülle entscheidet sich nicht in der Fläche, sondern am Anschluss: an der Fußpunktschiene, am Sparren, am Fensterrahmen, an der Rohrdurchdringung. Genau diese Stellen rücken mit der Neuausgabe der DIN 4108-7 vom April 2026 in den Mittelpunkt, denn die Norm nimmt einen eigenen Abschnitt zum Luftdichtheitskonzept auf und ergänzt Flüssigdichtstoff als Abdichtungsmaterial. Dieser Ratgeber ordnet die Änderungen ein und zeigt Bauleitern, Handwerkern und Einkäufern, wie Anschlüsse vor der Heizperiode dauerhaft dicht werden.

Kurz & knapp

DIN 4108-7 ist im April 2026 in neuer Fassung erschienen. Gegenüber der Ausgabe 2011-01 ist Abschnitt 4 „Luftdichtheitskonzept“ neu aufgenommen und Flüssigdichtstoff als Abdichtungsmaterial ergänzt; dazu kommen informative Anhänge zur Luftdurchlässigkeit von Materialien und zur Qualitätssicherung. Die Anforderung steht im Gesetz: Nach § 13 GModG ist die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig abzudichten, der Nachweis läuft über eine Messung nach DIN EN ISO 9972:2018-12. Entscheidend bleibt der saubere Anschluss: tragfähiger, staubfreier Untergrund, passender Primer, geeigneter Kleber oder Flüssigdichtstoff – und eine Prüfung, bevor die Bekleidung davorsitzt.

1. Warum Luftdichtheit vor der Heizperiode zählt

Sobald geheizt wird, entsteht zwischen innen und außen eine Druckdifferenz: Warme Innenluft steigt auf, drückt oben nach außen und wird unten nachgesaugt. Ist die luftdichte Ebene unterbrochen, strömt Luft gerichtet durch diese Fehlstelle. Die Heizperiode ist damit ein Stresstest für genau die Anschlüsse, die im Sommer niemand bemerkt hat.

Der erste Effekt ist energetisch: Dämmung bremst Wärmeleitung, aber keine durchströmende Luft – wo Luft durch die Dämmebene wandert, bleibt der Nutzen hinter dem Rechenwert zurück.

Der zweite Effekt ist bauphysikalisch heikler. Warme Raumluft trägt Feuchte mit sich; kühlt sie im Bauteil unter die Taupunkttemperatur ab, fällt Tauwasser in der Schicht aus, in der es am wenigsten hingehört. Diese konvektive Feuchteeintragung wirkt weit stärker als Diffusion durch eine intakte Fläche; der klimabedingte Feuchteschutz nach DIN 4108-3 setzt eine funktionierende luftdichte Ebene voraus. Es folgen durchfeuchtete Dämmung, Korrosion an Befestigungsmitteln und Schimmelbildung: Zu einem Wachstum von Schimmelpilzen kommt es laut Umweltbundesamt nur, wenn die ohnehin vorhandenen Sporen auf eine feuchte Oberfläche treffen; als eine der Ursachen nennt die Behörde die Kondensation der Luftfeuchte im Bereich „kalter“ Wände.

Der dritte Effekt betrifft die Nutzung: Zugerscheinungen, kalte Fußböden, Schallnebenwege und eine Lüftungsanlage, an der ein Teil der Luft vorbeiströmt. Wer erst im Winter reagiert, arbeitet an bereits bekleideten Bauteilen.

Wärmeverlust durch Konvektion

Durchströmende Luft umgeht die Dämmung. Der reale Wärmeverlust liegt dann über dem Rechenwert.

Feuchte im Bauteil

Warme Innenluft kühlt im Bauteil ab, Tauwasser fällt in der Dämmebene aus – Konvektion trägt weit mehr Feuchte ein als Diffusion.

Schimmel und Bauschaden

Durchfeuchtete Dämmung und feuchte Anschlussfugen schaffen ein Milieu für Schimmel im Innenraum.

Komfort und Anlagentechnik

Zugluft, Schallnebenwege und eine Lüftungsanlage, die an Leckagen vorbeiarbeitet: Undichtheiten mindern die Nutzungsqualität.

2. DIN 4108-7:2026-04: Was die neue Fassung ändert

DIN 4108-7 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 7: Luftdichtheit von Gebäuden“ ist im April 2026 in neuer Ausgabe erschienen und weist ihre Änderungen gegenüber der Ausgabe 2011-01 aus; erarbeitet hat sie der Arbeitsausschuss NA 005-56-93 AA „Luftdichtheit“ im DIN-Normenausschuss Bauwesen. Sie legt Anforderungen an die Einhaltung der Luftdichtheit fest und zeigt Planungs- und Ausführungsempfehlungen einschließlich geeigneter Bauprodukte für beheizte oder klimatisierte Gebäude und Gebäudeteile.

Die auffälligste Änderung gegenüber 2011 ist der neu aufgenommene Abschnitt 4 „Luftdichtheitskonzept“: Bevor gearbeitet wird, sollen die Maßnahmen zur Erzielung einer ausreichenden und dauerhaften Luftdichtheit der Gebäudehülle und der begrenzenden Bauteile beschrieben werden.

Für die Materialwahl entscheidend: Flüssigdichtstoff ist als Abdichtungsmaterial ergänzt worden. Damit ist die auf der Baustelle verbreitete Praxis, schwierige Anschlüsse mit einem streich- oder sprühbaren Dichtstoff zu schließen, normativ abgebildet – etwa dort, wo eine Bahn nicht sauber hinter ein Bauteil geführt werden kann.

Den größten Umfang hat Abschnitt 9 mit Detailskizzen als Beispielen – Lösungsansätze, die die objektbezogene Planung nicht ersetzen.

Abschnitt Inhalt laut Norm Bedeutung auf der Baustelle
Abschnitt 4 Luftdichtheitskonzept – gegenüber 2011-01 neu aufgenommen Vor Baubeginn festlegen, wer welche Schicht herstellt und anschließt
Abschnitte 5 und 6 Anforderungen an die Luftdichtheit und Planungshinweise Lage der Ebene je Bauteil, Koordination der Gewerke
Abschnitte 7 und 8 Materialien und Verarbeitung; Flüssigdichtstoff ergänzt Auswahl von Schicht, Anschlussmittel und Untergrundvorbereitung
Abschnitt 9 Detailskizzen zu Bahnen, Plattenmaterialien, Fensteranschlüssen und Beton Beispiele für Überlappung, Durchdringung und Plattenstoß
Anhang A (informativ) Luftdurchlässigkeit von Materialien Welche Baustoffe die Ebene bilden können
Anhang B (informativ) Maßnahmen zur Qualitätssicherung Eigenkontrolle und Prüfzeitpunkte

3. Das Luftdichtheitskonzept: Abschnitt 4 in der Praxis

Ein Luftdichtheitskonzept beschreibt alle Maßnahmen für den weiteren Ablauf der Baumaßnahme, die für eine ausreichende und dauerhafte Luftdichtheit erforderlich sind – für die Gebäudehülle ebenso wie für begrenzende Bauteile wie Wohnungstrennwände und Decken. Es ist weniger ein Formular als eine Verabredung: Wer stellt welche Schicht her, wer schließt sie an, wann darf sie zugebaut werden.

Bewährt hat sich ein schlanker Aufbau: Zuerst wird die luftdichte Ebene im Schnitt gezeichnet, ohne den Stift abzusetzen – wo der Strich nicht durchläuft, liegt eine Planungslücke. Dann wird je Bauteil festgelegt, woraus die Schicht besteht: Innenputz, Betonbauteil, Holzwerkstoffplatte, Luftdichtheitsbahn. Anschließend werden die Übergänge benannt, denn dort entsteht der Aufwand, zuletzt Verantwortlichkeiten, Reihenfolge und Prüfzeitpunkte.

Abschnitt 6 der Norm stützt diese Reihenfolge: Die Luftdichtheitsschicht ist sorgfältig zu planen, auszuschreiben und auszuführen, die Arbeiten sind zwischen den Beteiligten am Bau zu koordinieren, und für jedes Bauteil der Hüllfläche sind Art und Lage der Schicht festzulegen. Luftdichtheit ist damit eine Koordinationsaufgabe über Gewerkegrenzen hinweg, kein Detail für den zuletzt Anwesenden.

Gut zu wissen

Durchdringungen sind laut Norm bereits in der Planung mit ausreichendem Abstand untereinander und zu angrenzenden Bauteilen anzuordnen, damit für die handwerkliche Herstellung des Anschlusses Platz bleibt. Ein Bündel Leerrohre dicht an dicht durch eine Bahn lässt sich später kaum sauber abdichten.

Die luftdichte Ebene ist erst geplant, wenn sie sich im Schnitt ohne Absetzen umlaufend nachzeichnen lässt.

4. Anschlüsse im Detail: Wo die luftdichte Ebene reißt

Leckagen verteilen sich nicht zufällig, sondern sammeln sich an wenigen bekannten Stellen – fast alle davon Anschlüsse zwischen ungleichen Materialien. Die Detailskizzen der DIN 4108-7 bilden genau diese Fälle ab: Überlappung zweier Bahnen, Anschluss an verputztes Mauerwerk oder Beton, Anschluss an Holz, Durchdringungen, Plattenstöße, Eckanschlüsse und Fensteranschlüsse.

Beim Anschluss an Mauerwerk oder Beton zeigt die Norm unter anderem das Einputzen der Bahn mit Putzträger sowie Varianten mit Kleb- und Dichtmitteln. Entscheidend ist der Untergrund: Auf unverputztem, staubendem Mauerwerk greift die Klebmasse nicht das Bauteil, sondern die lose Oberschicht. Also entweder den Anschlussbereich vorab verputzen oder den Untergrund mit einem geeigneten Haftgrund binden.

Beim Anschluss an Holz ist die Ausgangslage besser, aber nicht selbstverständlich: Sägerauhe, feuchte, verschmutzte oder stark harzende Oberflächen sind kritisch. Die Norm weist zudem darauf hin, dass Luftdichtheitsbahnen und Klebemittel in der Regel nicht UV-beständig sind und daher abgedeckt oder anderweitig geschützt werden müssen.

Der Fensteranschluss hat einen eigenen Abschnitt für Mauerwerksbau, Holzbau und Dachflächenfenster. Er ist der Klassiker unter den Leckagen, weil drei Ebenen zusammenkommen: innen luftdicht, in der Mitte gedämmt, außen schlagregendicht und diffusionsoffen. Wie das lückenlos gelingt, zeigt der Beitrag zur Fenstermontage nach RAL und den Dichtebenen.

Achtung: die mittlere Ebene ist keine Abdichtung

Ein Montageschaum in der Anschlussfuge dämmt und füllt, ersetzt aber weder die innere luftdichte noch die äußere schlagregendichte Ebene. Ohne innenseitige Abdichtung wandert feuchte Raumluft in die Fuge und kondensiert an der kalten Außenseite. Worauf es beim Schaum ankommt, behandelt der Ratgeber PU-Schaum richtig verarbeiten.

5. Materialien: Bahn, Klebeband, Kleber und Flüssigdichtstoff

Abschnitt 7 der Norm ordnet die Materialien nach Funktion: Die luftdichte Schicht kann als Bahn, Plattenwerkstoff, Putz oder Flüssigkunststoff ausgeführt werden, Anschlüsse und Fugen werden in der Regel mit Kleb- und Dichtmitteln hergestellt. Gewählt wird also eine Kombination aus Schicht und Anschlussmittel, die zueinander und zum Untergrund passt.

Die luftdichte Ausführung von Überlappungen erfolgt laut Norm beispielsweise durch einseitige oder doppelseitige Klebebänder, durch Klebemassen oder durch Verschweißen; eine mechanische Sicherung erhöht die Sicherheit der Konstruktion. Welche Bandtypen sich für welchen Untergrund eignen, ordnet der Beitrag Klebebänder richtig wählen ein.

Flüssigdichtstoffe spielen ihre Stärke dort aus, wo ein Band systematisch scheitert: an rauen, profilierten oder schlecht zugänglichen Untergründen, an Bündeln von Durchdringungen, an Fußpunkten hinter bereits gesetzten Bauteilen. Aufgetragen oder gesprüht bilden sie nach dem Aushärten eine zusammenhängende Schicht und überbrücken Unebenheiten, an denen ein Band nur punktuell aufliegt. Voraussetzung bleiben ein tragfähiger, staubfreier Untergrund und die vorgegebene Schichtdicke.

Für die Anschlussfuge im Innenbereich kommen dauerelastische Dichtstoffe zum Einsatz; überstreichbare Hybrid-Dichtstoffe sind praktisch, weil die Fuge in den Anstrich einbezogen werden kann. Welcher Typ für welchen Fugentyp passt, klärt der Vergleich Silikon, Acryl oder Hybrid.

Soudal Soudaseal 228LM Hybrid-Dichtstoff, überstreichbar

Überstreichbarer Hybrid-Dichtstoff für die Anschlussfuge

Ein dauerelastischer Hybrid-Dichtstoff schließt die Anschlussfuge im Innenbereich und lässt sich in den Anstrich einbeziehen. Entscheidend bleiben tragfähiger Untergrund, passender Primer und eine Fuge, die sich bewegen darf.

Dichtstoffe ansehen
Anschlussmittel typischer Einsatz Untergrund Grenzen
Einseitiges Klebeband Überlappung, Plattenstoß, Anschluss an Holz glatt, fest, staubfrei kein Halt auf sandenden oder rauen Flächen
Klebemasse / Anschlusskleber Bahn an Mauerwerk, Beton, unebene Anschlüsse rau, mineralisch, vorbehandelt Schichtdicke und Andrücken sind auszuführen wie vorgegeben
Flüssigdichtstoff Durchdringungen, schwer zugängliche Fußpunkte rau, profiliert, gemischt braucht Aushärtezeit und definierte Schichtdicke
Dauerelastischer Dichtstoff Anschlussfuge innen, Bauteilfuge mit Bewegung fest, tragfähig, sauber ersetzt keine flächige Luftdichtheitsschicht

6. Untergrund vorbereiten: Primer ist Bedingung, nicht Zubehör

Ein Anschluss, der beim Test hält und nach zwei Jahren nicht mehr dicht ist, scheitert meist nicht am Klebstoff, sondern am Untergrund. Rohbaustaub, Betonschlämme, Trennmittelreste, Sinterschichten und lose Putzpartikel bilden eine Trennlage: Die Verbindung entsteht nicht zum tragfähigen Bauteil, sondern zu einer Schicht, die selbst nicht hält.

Ein Haftgrund wirkt auf zwei Wegen: Er bindet lose Partikel und verfestigt die Oberfläche, und er senkt die Saugfähigkeit mineralischer Untergründe, damit dem Klebstoff nicht das Lösungs- oder Wassermittel entzogen wird, bevor er Festigkeit aufbaut. Auf porösen Untergründen wie Mauerwerk, Putz und Beton ist ein Reaktionsprimer die belastbare Wahl.

Nicht saugende Untergründe brauchen das Gegenteil. Metallprofile, Kunststoffrahmen und beschichtete Bauteile sind nicht porös, dafür mit Trennmitteln, Fetten oder Oxidschichten belegt; hier entfetten Reiniger und Aktivatoren die Oberfläche und erhöhen die Benetzbarkeit. Wichtig ist die Ablüftzeit: zu früh geklebt bleiben Lösemittelreste in der Fuge, zu spät geklebt hat sich die Oberfläche wieder belegt. Beide Wege bündelt die Kategorie Reiniger und Haftgrund.

Poröser Untergrund

Mauerwerk, Putz, Beton: verfestigen und Saugfähigkeit senken. Der Reaktionsprimer dringt ein und bildet den Haftgrund.

Nicht poröser Untergrund

Metall, Kunststoff, beschichtete Profile: entfetten und aktivieren, Ablüftzeit einhalten, dann zügig kleben.

In der zweiten Jahreshälfte kommt die Temperatur dazu: Kalte Untergründe, taufeuchte Oberflächen und niedrige Verarbeitungstemperaturen verändern Haftaufbau und Aushärtung. Wie sich das planen lässt, beschreibt der Beitrag über das Verarbeiten von Dicht- und Klebstoffen bei Kälte; die Randbedingungen für frostempfindliche Gebinde nennt der Ratgeber Bauchemie richtig lagern.

7. Anforderung und Nachweis: GModG und DIN EN ISO 9972

Die Pflicht steht nicht in der Norm, sondern im Gesetz. § 13 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) verlangt: „Ein Gebäude ist so zu errichten, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig nach den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist.“ Drei Anforderungen in einem Satz – dauerhaft, einschließlich der Fugen, nach den anerkannten Regeln der Technik –, und genau diese Regeln beschreibt DIN 4108-7. Ein neues Gesetz ist das GModG nicht: Es ist das Gesetz vom 8. August 2020 (BGBl. I S. 1728); geändert wurde mit Wirkung vom 29. Juli 2026 seine Überschrift.

Der messtechnische Nachweis steht in § 26 GModG: Wird die Luftdichtheit eines zu errichtenden Gebäudes vor der Fertigstellung nach DIN EN ISO 9972:2018-12, Anhang NA überprüft, darf die gemessene Netto-Luftwechselrate bei der Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs angesetzt werden. Die Messung ist mit Über- und mit Unterdruck durchzuführen, die Höchstwerte gelten für beide Fälle. DIN 4108-7 verweist für ihre Anforderung auf DIN EN ISO 9972:2018-12, Verfahren 3.

Die Höchstwerte sind gestaffelt. Bei einer Bezugsdruckdifferenz von 50 Pascal darf der gemessene Volumenstrom in Kubikmetern pro Stunde ohne raumlufttechnische Anlagen höchstens das 3fache und mit solchen Anlagen höchstens das 1,5fache des beheizten oder gekühlten Luftvolumens betragen. Über einem Luftvolumen von 1 500 Kubikmetern gilt der Bezug auf die Hüllfläche in Quadratmetern: höchstens das 4,5fache ohne und das 2,5fache mit raumlufttechnischer Anlage.

Fall Bezugsgröße ohne RLT-Anlage mit RLT-Anlage
Luftvolumen bis 1 500 m³ beheiztes oder gekühltes Luftvolumen höchstens das 3fache höchstens das 1,5fache
Luftvolumen über 1 500 m³ Hüllfläche des Gebäudes höchstens das 4,5fache höchstens das 2,5fache
Gut zu wissen

Die Messung nach Anhang NA ist der Nachweis, nicht die Qualitätssicherung. Wer erst am Ende misst, erfährt zwar das Ergebnis, sucht die Leckage aber hinter geschlossenen Bekleidungen. Sinnvoll ist eine zusätzliche Messung mit Leckageortung, solange die luftdichte Ebene frei zugänglich ist. Bei Nichtwohngebäuden kann der Nachweis unter den Voraussetzungen des § 26 zonenweise geführt werden.

8. Vor der Heizperiode: Ablauf und Qualitätssicherung

Der Zeitdruck im Herbst hat eine feste Ursache: Der Rohbau ist fertig, der Innenausbau drängt, und die luftdichte Ebene liegt dazwischen – zuletzt offen zugänglich und als Erstes unter Bekleidung verschwunden. Wer die Reihenfolge sauber fährt, gewinnt zwei Prüfzeitpunkte, die später fehlen.

Schritt 1
Luftdichtheitskonzept erstellen: Ebene im Schnitt umlaufend zeichnen, Materialien je Bauteil festlegen, Übergänge und Verantwortlichkeiten benennen.
Schritt 2
Untergründe herrichten: Anschlussbereiche verputzen oder abkehren, Staub entfernen, poröse Flächen grundieren, nicht poröse entfetten und aktivieren.
Schritt 3
Anschlüsse ausführen: Bahnen überlappen und verkleben, Anschlüsse an Mauerwerk, Beton und Holz herstellen, Durchdringungen einzeln abdichten.
Schritt 4
Zwischenprüfung mit Leckageortung, solange die Ebene offen liegt – Fehlstellen markieren, nacharbeiten und die Nacharbeit dokumentieren.
Schritt 5
Schutz und Freigabe: UV-empfindliche Bahnen abdecken, Ebene erst danach schließen, Nachweismessung nach Anhang NA vor Fertigstellung.
Praxistipp

Dokumentieren Sie jeden Anschluss mit einem Foto vor dem Schließen: Bauteil, Datum, Anschlussmittel und vorbereiteter Untergrund. Diese Bilddokumentation kostet wenige Minuten je Bauteil und zeigt später als Einzige, was hinter der Bekleidung liegt – zusammen mit dem Luftdichtheitskonzept eine Qualitätssicherung im Sinne des Anhangs B.

  • Luftdichte Ebene im Schnitt umlaufend nachgezeichnet, ohne Unterbrechung
  • Material je Bauteil festgelegt und Verträglichkeit der Anschlussmittel geprüft
  • Anschlussbereiche staubfrei, tragfähig und passend vorbehandelt
  • Durchdringungen mit ausreichendem Abstand geplant und einzeln abgedichtet
  • Bahnen und Klebemittel vor UV-Einwirkung geschützt oder abgedeckt
  • Zwischenprüfung mit Leckageortung vor dem Schließen der Bekleidung
  • Nachweismessung nach DIN EN ISO 9972:2018-12, Anhang NA eingeplant
  • Fotodokumentation je Anschluss abgelegt und dem Bautagebuch zugeordnet

9. Beschaffung: Anschlussmaterial als System planen

Für Einkauf und Bauleitung lohnt es sich, das Anschlusspaket als Einheit zu betrachten. Ein Klebeband ohne passenden Haftgrund ist auf mineralischem Untergrund wenig wert, ein Schaum ohne funktionierende Pistole verschwendet mehr Material, als die Pistole kostet. Wer bauteilweise denkt – Fußpunkt, Fenster, Durchdringung, Innenwandanschluss –, kommt zu einer vollständigen Bedarfsliste.

Die Mengen bemisst man dabei an den Anschlussmetern, nicht an der Fläche: Die Fläche bestimmt den Bedarf an Bahn oder Platte, der Aufwand entsteht an laufenden Metern Anschluss und an der Zahl der Durchdringungen. Die folgenden Artikel decken die wiederkehrenden Positionen ab:

Für den luftdichten Anschluss
Bahnen, Bänder, Primer und Dichtstoffe
Eine Auswahl an Anschlussmitteln für die luftdichte Ebene: Klebebänder für Überlappungen und Durchdringungen, Haftgrund für saugende Untergründe und dauerelastische Dichtstoffe für die Anschlussfuge.

Nach Funktion gegliedert: Dichtstoffe für die Anschlussfuge, Klebstoffe für den flächigen und linienförmigen Anschluss sowie Bänder, Schnüre und Schäume für Hinterfüllung und mittlere Ebene:

Weitere Praxisthemen sammelt der Ampha-Blog, einen Überblick über das Sortiment gibt die Startseite, den Hintergrund des Hauses die Seite Über uns.

Dieser Beitrag dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine objektbezogene Planung und Beurteilung. Maßgeblich sind der Wortlaut der geltenden Fassungen von DIN 4108-7, DIN 4108-3 und DIN EN ISO 9972, die gesetzlichen Anforderungen sowie die Verarbeitungsvorgaben des Produktherstellers. Angegebene Grenzwerte geben den Stand der zitierten Quellen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.

10. Häufige Fragen zur Luftdichtheit der Gebäudehülle

Was ändert sich mit der DIN 4108-7 in der Ausgabe 2026-04?

Gegenüber der Ausgabe 2011-01 ist ein eigener Abschnitt 4 „Luftdichtheitskonzept“ neu aufgenommen, Flüssigdichtstoff ist als Abdichtungsmaterial ergänzt, und es gibt zwei informative Anhänge: Anhang A zur Luftdurchlässigkeit von Materialien und Anhang B zu Maßnahmen der Qualitätssicherung.

Ist ein Luftdichtheitskonzept vorgeschrieben?

Die Norm beschreibt es als den Ort, an dem alle Maßnahmen für den weiteren Ablauf der Baumaßnahme festgehalten werden. Gesetzlich gefordert ist in § 13 GModG das Ergebnis: eine dauerhaft luftundurchlässig abgedichtete Umfassungsfläche einschließlich der Fugen nach den anerkannten Regeln der Technik. Das Konzept ist der praktische Weg dorthin.

Welche Grenzwerte gelten bei der Blower-Door-Messung?

Nach § 26 GModG darf der bei 50 Pascal gemessene Volumenstrom ohne raumlufttechnische Anlagen höchstens das 3fache und mit solchen Anlagen höchstens das 1,5fache des beheizten oder gekühlten Luftvolumens betragen. Bei einem Luftvolumen über 1 500 Kubikmetern gelten stattdessen das 4,5fache beziehungsweise 2,5fache der Hüllfläche. Gemessen wird nach DIN EN ISO 9972:2018-12, Anhang NA mit Über- und Unterdruck.

Reicht Klebeband für den Anschluss an Mauerwerk?

Auf unverputztem, staubendem Mauerwerk in der Regel nicht, weil die Klebmasse nur die lose Oberschicht greift. Die Norm zeigt hier unter anderem das Einputzen der Bahn mit Putzträger sowie Ausführungen mit Kleb- und Dichtmitteln. Praktisch heißt das: verputzen oder den Untergrund mit einem geeigneten Haftgrund verfestigen und erst dann kleben.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Prüfung?

Fachlich sinnvoll sind zwei Zeitpunkte: eine Zwischenprüfung mit Leckageortung, solange die luftdichte Ebene frei zugänglich ist, und die Nachweismessung nach Anhang NA vor der Fertigstellung. Wer nur am Ende misst, kennt das Ergebnis, erreicht die Leckage aber nur noch mit Aufwand.

Welche Angaben helfen bei der Beschaffung für ein Bauvorhaben?

Hilfreich sind die Bauweise, die Art der luftdichten Schicht je Bauteil, die laufenden Meter Anschluss getrennt nach Untergrundart, die Stückzahl der Durchdringungen, die erwarteten Verarbeitungstemperaturen und der Terminrahmen. Damit lässt sich ein passendes Angebot in der Regel zügig zusammenstellen.

Material für luftdichte Anschlüsse anfragen

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