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Eine Silikonfuge erneuern klingt nach einer Stunde Arbeit und einer Kartusche aus dem Regal. In der Praxis entscheidet dieser scheinbar kleine Handgriff darüber, ob hinter der Wanne alles trocken bleibt oder ob Feuchtigkeit über Jahre in den Aufbau wandert. Schwarze Ränder an der Wannenfuge sind dabei selten ein Materialfehler, sondern das sichtbare Ende einer Nutzungsdauer: Die Fuge im Bad ist eine Wartungsfuge und damit ein Verschleißteil mit Ausführungsregeln. Dieser Ratgeber zeigt, warum Überstreichen und Nachspritzen nicht funktionieren, wie die Fugenklasse nach DIN EN 15651-3 zu lesen ist, welche Fugenmaße tragen und wie der Austausch sauber abläuft, ohne die darunterliegende Abdichtung zu verletzen.

Kurz & knapp

Schimmel in der Sanitärfuge lässt sich nicht überstreichen und nicht mit einer zweiten Raupe zudecken – die befallene Fuge muss heraus. Fungizide im Dichtstoff schützen laut IVD-Merkblatt Nr. 3-1 nur den Dichtstoff selbst, nicht die angrenzenden Bauteile, und ihre Wirkung lässt bei starker Wasserbelastung nach. Sanitärfugen sind nach DIN 52460 Wartungsfugen; der IVD stuft generell alle Fugen im Geltungsbereich seines Merkblatts als Wartungsfugen ein. Für den Austausch gilt: mechanisch ausbauen statt chemisch lösen, Haftflächen trocken und fettfrei herstellen, Fugentiefe über Hinterfüllmaterial begrenzen und Dreiflankenhaftung vermeiden. Maßgebend sind DIN EN 15651-3 und das IVD-Merkblatt Nr. 3-1.

1. Warum Sanitärfugen altern – und was das mit Bewegung zu tun hat

Eine Fuge zwischen Wanne und Fliesenspiegel ist keine Zierleiste, sondern ein bewegliches Bauteil. Sie liegt dort, wo zwei Materialien mit unterschiedlichem Dehnverhalten aufeinandertreffen: keramischer Belag auf der einen, Stahl-, Acryl- oder Sanitärkeramikkörper auf der anderen Seite. Eine gefüllte Wanne senkt sich, eine leere hebt sich, warmes Wasser dehnt den Körper. Der Dichtstoff muss diese Bewegung aufnehmen, ohne von den Flanken abzureißen.

Das IVD-Merkblatt Nr. 3-1 nennt für Sanitärfugen eine zulässige Gesamtverformung von 20 bis 25 Prozent; die tatsächliche Verformung darf die des eingesetzten Dichtstoffs nicht überschreiten. Wird dieser Rahmen überschritten, versagt zuerst die Haftung an der Flanke. Dort entsteht der feine Riss, durch den Wasser hinter den Dichtstoff läuft.

Dazu kommt die zweite Alterungslinie: die Oberfläche. Seifenreste, Körperpflegemittel und Hautschuppen bilden auf dem Silikon einen organischen Film – er ist der Nährboden für Mikroorganismen, nicht der Dichtstoff selbst. Beide Effekte zusammen erklären, warum auch eine sauber ausgeführte Fuge nach einigen Jahren an ihr Ende kommt.

Bewegung an der Flanke

Überschreitet die Bewegung die zulässige Gesamtverformung, reißt der Dichtstoff zuerst an der Haftfläche ab (IVD-Merkblatt Nr. 3-1).

Organischer Film

Pflegemittelreste und Hautschuppen auf der Oberfläche liefern den Nährboden, nicht der Dichtstoff selbst.

Ständige Nässe

Schimmel wächst laut Umweltbundesamt nur, wenn Sporen auf eine feuchte Oberfläche treffen.

Falsche Geometrie

Zu schmale oder zu tiefe Fugen und Haftung an drei Flanken nehmen dem Dichtstoff die Dehnstrecke.

2. Schimmel in der Fuge: Warum Überstreichen und Nachspritzen scheitern

Der verbreitetste Fehler beim Erneuern ist, gar nicht zu erneuern: Die alte, dunkel gewordene Fuge bleibt liegen und bekommt eine frische Raupe obenauf. Das sieht für wenige Wochen ordentlich aus und ist bauphysikalisch ein Rückschritt. Der neue Dichtstoff haftet nicht auf altem, verschmutztem Silikon, und der Befall darunter bleibt feucht eingeschlossen.

Das Umweltbundesamt formuliert den Grundsatz für Innenräume knapp: Materialien, auf denen Schimmelpilze wachsen, müssen gereinigt oder entfernt werden, und die Ursachen der erhöhten Feuchtigkeit sind zu klären und abzustellen. Für eine Sanitärfuge heißt das in aller Regel: entfernen.

Die zweite Fehlannahme betrifft die Fungizide im Sanitärsilikon. Das IVD-Merkblatt Nr. 3-1 stellt dazu ausdrücklich fest: Fungizide dienen dem Schutz des Dichtstoffs gegen den Befall von Schimmelpilzen; sie dienen nicht dem Schutz der angrenzenden Bauteile und der Umgebung. Ein fungizid ausgerüstetes Silikon saniert also weder die Fliesenfuge daneben noch den Aufbau dahinter. Und es wirkt nicht unbegrenzt: Wird die Fuge übermäßig stark durch Wasser beansprucht, kann die Wirkung der Fungizide nach den Ausführungen des Merkblatts schnell nachlassen. Die Wirkdauer hängt unter anderem von der Wasserbelastung und der Intensität des Befalls ab.

Achtung: Schutzmaßnahmen bei Befall

Kleinere, nur oberflächliche Schimmelschäden – das Umweltbundesamt nennt als Beispiel eine Fläche unter 0,5 Quadratmetern – lassen sich in der Regel selbst beseitigen, sofern keine Allergie gegen Schimmelpilze vorliegt. Bei größeren oder wiederkehrenden Schäden, bei verdecktem Befall und bei gesundheitlich vorbelasteten Bewohnern gehört die Ursache fachlich beurteilt. Möglichst staubarm arbeiten, den Bereich lüften und Textilien vorher aus dem Raum nehmen.

Eine befallene Fuge wird ausgebaut, nicht überdeckt – alles andere verlegt den Schaden nur nach innen.

3. Wartungsfuge: Was der Begriff praktisch und vertraglich bedeutet

Wer verstehen will, warum das Erneuern zum Normalfall gehört, muss den Begriff Wartungsfuge kennen. Die Begriffe legt DIN 52460 „Fugen- und Glasabdichtungen – Begriffe“ fest. Das IVD-Merkblatt Nr. 3-1 greift sie auf: Als Wartungsfuge sind alle Fugen definiert, die starken chemischen und/oder physikalischen Einflüssen ausgesetzt sind und deren Dichtstoffe in regelmäßigen Zeitabständen überprüft und gegebenenfalls erneuert werden müssen, um Folgeschäden zu vermeiden.

Für den Sanitärbereich zieht das Merkblatt daraus einen klaren Schluss: Generell sind alle genannten Fugen Wartungsfugen; Abweichungen davon sind durch den Planer anzugeben. Damit ist der Austausch keine Reklamation, sondern eine geplante Instandhaltung. Das Merkblatt hält ausdrücklich fest, dass Mängel, die aus permanenter chemischer Beanspruchung durch Wasser, Reinigungsmittel und Schmutzablagerungen oder aus ständiger mechanischer Beanspruchung entstehen, nicht zur Reklamation berechtigen – sie sind im Rahmen der handwerklichen Leistung nicht zu verhindern.

Davon zu trennen ist die Verjährung von Mängelansprüchen. Nach § 634a Absatz 1 Nummer 2 BGB verjähren die Mängelansprüche bei einem Bauwerk in fünf Jahren, beginnend mit der Abnahme; nach VOB/B gilt eine kürzere Frist. Das IVD-Merkblatt empfiehlt deshalb einen Wartungsvertrag, um die eingesetzten Dichtstoffe während der Gewährleistungsfrist in vereinbarten Abständen zu besichtigen und zu beurteilen. Für private Bäder heißt das übersetzt: einmal jährlich die Fugen ansehen, bevor der Riss zum Wasserschaden wird.

Gut zu wissen

Die Kontrolle der Fuge liegt nach dem IVD-Merkblatt – soweit nicht anders vereinbart – beim Bauherrn, Betreiber oder deren Beauftragten. Ein Wartungsvertrag oder eine laufende Kontrolle durch den ausführenden Betrieb entsteht dadurch nicht automatisch; entstehende Sanierungskosten sind vom Bauherrn zu tragen. Wer das früh klärt, vermeidet die typische Diskussion über die Frage, wer die schwarze Fuge im dritten Jahr bezahlt.

4. Den richtigen Dichtstoff wählen: Klassen nach DIN EN 15651-3

Für Fugen im Sanitärbereich gilt DIN EN 15651-3 (Ausgabe 2017-07). Die Norm erfasst Fugen im Inneren von Gebäuden, die keinem Druckwasser ausgesetzt sind – Badezimmer, Toiletten, Duschen und Küchen – und bezeichnet die zugehörigen Produkte mit den Kurzzeichen „S“ und „XS“.

Das IVD-Merkblatt Nr. 3-1 erläutert die Klasseneinteilung: Dichtstoffe werden in zwei Hauptklassen eingeteilt – „S“ steht für sehr geringe, „XS“ für etwas höhere Qualitätsanforderungen. Innerhalb jeder Hauptklasse kennzeichnet eine Ziffer die Widerstandsfähigkeit gegen mikrobiellen Befall – 1 steht für gute, 3 für geringe Beständigkeit. Daraus ergeben sich sechs Klassen: XS1, XS2, XS3, S1, S2 und S3. Im Datenblatt ist damit die niedrige Ziffer das Ziel.

Ein zweites Kriterium ist der Volumenschwund. Der IVD fordert für Sanitärdichtstoffe eine Volumenänderung von höchstens 10 Prozent, während DIN EN 15651-3 in den Klassen XS1 bis XS3 bis zu 20 Prozent und in den Klassen S1 bis S3 bis zu 55 Prozent zulässt. Weil Dispersionsdichtstoffe – umgangssprachlich Acryl – gerade beim Schwund deutlich schlechter abschneiden, wird ihr Einsatz im Sanitärbereich vom IVD ausdrücklich nicht empfohlen. Welcher Dichtstofftyp wo hingehört, vertieft der Beitrag Silikon, Acryl oder Hybrid richtig wählen.

Merkmal Anforderung IVD-Merkblatt Nr. 3-1 Prüfgrundlage
Volumenänderung höchstens 10 Prozent DIN EN ISO 10563
Standvermögen höchstens 3 Millimeter DIN EN ISO 7390
Rückstellvermögen mindestens 70 Prozent DIN EN ISO 7389, Verfahren B
Fungizide Wirkung Wachstumsstärke höchstens 1 in Anlehnung an DIN EN ISO 846, Verfahren B
Elastisches Verhalten elastisch DIN EN ISO 11600
Zulässige Gesamtverformung mindestens 20 Prozent IVD-Merkblatt Nr. 3-1

Ein neutralvernetzendes Sanitärsilikon mit fungizider Ausrüstung deckt den Regelfall im Bad ab; bei Naturstein ist zusätzlich die Herstellerfreigabe zu prüfen. Ein Sanitärsilikon für Wannen-, Dusch- und Anschlussfugen:

5. Fugenmaße, Tiefe und Hinterfüllung

Die häufigste Ursache für eine kurzlebige Fuge ist nicht das Material, sondern die Geometrie. Zu schmal ausgeführt, muss der Dichtstoff dieselbe absolute Bewegung auf weniger Querschnitt verteilen – die rechnerische Dehnung steigt über die zulässige Gesamtverformung.

Das IVD-Merkblatt Nr. 3-1 nennt für die rechteckige Fuge eine Mindest-Dichtstofftiefe von 5 Millimetern und ordnet der Fugenbreite eine Tiefe zu: Bei 5 Millimetern Breite sind 5 Millimeter Tiefe vorgesehen, bei 6 Millimetern 6 Millimeter, bei 8 Millimetern 8 Millimeter, bei 10 und 12 Millimetern jeweils 8 Millimeter und bei 15 Millimetern 10 Millimeter. Für die im Bad übliche Dreiecksfuge gibt das Merkblatt eine Mindestbreite von 5 Millimetern an. Wichtig ist dabei das Prinzip hinter den Zahlen: Ab einer gewissen Breite wächst die Tiefe nicht mehr mit, weil eine zu tiefe Fuge dem Dichtstoff die Dehnfähigkeit nimmt.

Begrenzt wird die Tiefe über ein Hinterfüllmaterial. Es stellt eine gleichmäßige, möglichst konvexe Begrenzung her – die Fuge ist in der Mitte etwas dünner als an den Haftflächen – und verhindert die Dreiflankenhaftung, also das Anhaften des Dichtstoffs auch am Fugengrund. Nach dem Merkblatt darf die Wasseraufnahme des Hinterfüllmaterials 1 Gramm je 100 Kubikzentimeter nach DIN 52459 nicht überschreiten; bewährt hat sich ein geschlossenzelliges, verrottungsfestes Rundprofil aus geschäumtem Polyethylen. Es wird komprimiert eingebaut, sein Durchmesser soll deshalb um ein Viertel bis ein Drittel größer sein als die Fugenbreite. Wie Fugentiefe und Hinterfüllung im Detail zusammenwirken, vertieft der Beitrag Dreiflankenhaftung vermeiden. Passende Rundprofile und Dichtbänder führt dieser Sortimentsbereich:

Dreiflankenhaftung vermeiden

Haftet der Dichtstoff an beiden Flanken und zusätzlich am Fugengrund, kann er sich beim Auseinanderbewegen der Bauteile nicht frei verformen. Die Spannung konzentriert sich, der Dichtstoff reißt. Das Hinterfüllprofil ist deshalb keine Sparmaßnahme, sondern ein Funktionsbauteil – es trennt den Dichtstoff vom Grund und stellt zugleich die richtige Tiefe ein.

6. Alte Fuge ausbauen – mechanisch statt chemisch

Vor dem Ausbau steht eine Frage, die im Bestand oft übersprungen wird: Was liegt unter dem keramischen Belag? Das IVD-Merkblatt Nr. 3-1 verlangt, vor Beginn der Sanierung zwingend Informationen über den Aufbau unterhalb des Belages und der Anschlussbereiche einzuholen, weil Nass- und Feuchträume seit Jahrzehnten mit Verbundabdichtungssystemen ausgeführt werden. Besonders gefährdet sind Eckbereiche bodengleicher Duschen sowie Anschlüsse an Wannen, Rinnen und Bodenabläufe: Dort liegt unmittelbar hinter der Fuge eine Abdichtungsschicht, die beim Ausbau beschädigt werden kann. Wie dieser Aufbau aussieht, beschreibt der Beitrag Dusche abdichten mit Verbundabdichtung.

Der Ausbau erfolgt nach dem Merkblatt in der Regel mechanisch, etwa mit Cuttermesser oder Fugenschneider; chemische Verfahren mit sogenannten Silikonentfernern gelten als ungeeignet. Der Dichtstoff wird möglichst rückstandsfrei entfernt, geringe Restanhaftungen sind je nach Untergrund nicht zu vermeiden. Wer die Klinge flach an der Flanke führt statt in die Tiefe zu stechen, hält Abstand zur Abdichtung.

Für den direkten Nassbereich schreibt das Merkblatt einen zweiten Schritt vor: Nach dem Ausbau sind die angrenzenden Bereiche mit einem geeigneten Desinfektionsmittel zu desinfizieren und mit einem Alkoholreiniger nachzuarbeiten, um haftmindernde Schichten zu entfernen. Erst danach darf der neue Dichtstoff eingebracht werden. Reiniger und Haftvermittler für diesen Arbeitsschritt bündelt die Kategorie Reiniger & Haftgrund.

Schritt 1
Aufbau klären: Liegt hinter der Fuge eine Verbundabdichtung? Eckbereiche und Bodenabläufe sind besonders empfindlich.
Schritt 2
Alten Dichtstoff mechanisch ausbauen – Cuttermesser oder Fugenschneider, flach geführt.
Schritt 3
Reste abnehmen, Flanken trocken und fettfrei herstellen, im Nassbereich desinfizieren und mit Alkohol nacharbeiten.
Schritt 4
Hinterfüllprofil komprimiert einlegen, Fugenränder abkleben, Dichtstoff blasenfrei einbringen und in einem Zug glätten.
Schritt 5
Abklebeband sofort abziehen, überschüssiges Glättmittel entfernen, Aushärtezeit abwarten.
Schritt 6
Fuge jährlich kontrollieren.

7. Neue Fuge einbringen und glätten

Die Vorbereitung entscheidet über die Haftung. Nach dem IVD-Merkblatt müssen die Fugenflanken einschließlich der Haftflächen sauber, trocken, fettfrei sowie fest und tragfähig und frei von Anstrichen, Versiegelungen oder Imprägnierungen sein, die das Haften und Aushärten beeinträchtigen. Je nach Untergrund kann ein Primer erforderlich sein; dessen vorgeschriebene Wartezeit ist einzuhalten.

Der Dichtstoff wird gleichmäßig und blasenfrei eingebracht; durch Andrücken und Glätten ist guter Kontakt mit den Fugenflanken herzustellen. Das Glätten ist damit kein optischer Nachgang, sondern der Arbeitsschritt, der die Haftung erzeugt. Worauf es beim Werkzeug ankommt, zeigt der Beitrag Kartuschenpresse richtig wählen.

Beim Nachglätten gilt der Grundsatz: möglichst wenig Glättmittel. Nach dem Merkblatt dürfen nur die vom Dichtstoffhersteller empfohlenen Glättmittel eingesetzt werden. Sie müssen neutral sein, dürfen keine Verfärbungen des Dichtstoffs oder angrenzender Materialien wie Naturstein verursachen und auf dem Dichtstoff keinen Film hinterlassen – ein aufreißender Film erzeugt bei Dehnung eine Kerbwirkung. Stehendes Glättmittel ist zu vermeiden, weil es die Vernetzung stören kann; überschüssiges, ablaufendes Glättwasser wird entfernt, damit die Fugenränder und angrenzende Bauteile sauber bleiben. Vor der Nutzung des Sanitärobjekts sind die Aushärtezeiten des Dichtstoffs zu berücksichtigen. Wie sich niedrige Temperaturen auf Verarbeitung und Aushärtung auswirken, behandelt der Ratgeber Dicht- und Klebstoffe bei Kälte verarbeiten.

  • Aufbau hinter der Fuge geklärt, Abdichtungsebene bekannt
  • Alter Dichtstoff mechanisch und möglichst rückstandsfrei ausgebaut
  • Haftflächen sauber, trocken, fettfrei, fest und tragfähig
  • Im Nassbereich desinfiziert und mit Alkoholreiniger nachgearbeitet
  • Hinterfüllprofil komprimiert eingelegt, Dreiflankenhaftung ausgeschlossen
  • Dichtstoffklasse und Herstellerfreigabe zum Untergrund geprüft
  • Blasenfrei eingebracht, angedrückt und mit wenig Glättmittel geglättet
  • Aushärtezeit vor der ersten Nutzung eingehalten

Werkzeug für die saubere Ausführung – Düsen, Glättspachtel, Fugenwerkzeug, Abklebeband und Reinigungstücher:

8. Pflege und Kontrolle: Damit die neue Fuge lange trägt

Die Lebensdauer einer Sanitärfuge entscheidet sich nach dem Einbau. Weil der Nährboden aus Pflegemittelresten und organischen Partikeln auf der Oberfläche besteht, ist das Abspülen nach Bad oder Dusche die wirksamste Einzelmaßnahme.

Gereinigt wird regelmäßig mit neutralen oder alkalischen Reinigungsmitteln, bei Bedarf mit Essigreinigern zur Kalkentfernung, mit gut durchfeuchtetem Tuch und anschließendem Trockenwischen. Die Fugen sollen nach der Nutzung mit klarem Wasser abgespült werden, damit Mikroorganismen keinen Nährboden vorfinden. Dazu kommt ausreichendes Lüften. Das deckt sich mit der Einschätzung des Umweltbundesamtes, wonach Schimmel wächst, wenn Sporen auf eine feuchte Oberfläche treffen.

Die zweite Säule ist die Kontrolle. Wer die Fuge jährlich absichtlich ansieht, erkennt Haarrisse, beginnende Ablösungen und dunkle Ränder, solange der Austausch kalkulierbar bleibt. Nach dem IVD-Merkblatt zählen auch Fugenabrisse infolge übermäßiger Beanspruchung zu den Wartungsfällen – ein Riss an der Wannenflanke ist das Signal, die Fuge zu erneuern, bevor Wasser dahinter läuft.

Praxistipp

Halten Sie fest, welcher Dichtstoff mit welcher Klassenangabe verarbeitet wurde, welcher Primer und welches Glättmittel zum Einsatz kamen und wann. Das IVD-Merkblatt empfiehlt eine solche Dokumentation ausdrücklich, bei größeren Objekten als Baustellenprotokoll. Bei der nächsten Wartung ist damit klar, welches Produkt zum Untergrund passt.

9. Material und Werkzeug als Paket planen

Für Handwerksbetriebe, Hausverwaltungen und Bauleiter lohnt es sich, den Fugenaustausch als System zu beschaffen statt als Einzelposition. Zum Dichtstoff gehören Hinterfüllprofil, Reiniger und Haftvermittler, Abklebeband, Düsen und Glättwerkzeug – fehlt eines davon, wird genau dort improvisiert, wo die Haftung entsteht. Sinnvoll ist, den Bedarf nach Arbeitsschritt zu denken: Ausbau und Reinigung, Vorbereitung der Haftflächen, Einbringen und Glätten. Die folgenden Sortimentsbereiche greifen ineinander:

Ein Überblick über das gesamte Segment findet sich in der Kategorie Dichtstoffe und Klebstoffe, weitere Praxisthemen rund um Baustoffe und Bauchemie sammelt der Ampha-Blog, das gesamte Sortiment zeigt die Startseite, und den Hintergrund des Hauses finden Sie auf der Seite Über uns.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen fachlichen Orientierung und ersetzt im konkreten Fall keine objektbezogene Beurteilung. Maßgeblich sind die einschlägigen Normen und Regelwerke – unter anderem DIN EN 15651-3, DIN 52460 und das IVD-Merkblatt Nr. 3-1 – sowie die technischen Merkblätter des jeweiligen Dichtstoffherstellers. Bei größerem, wiederkehrendem oder verdecktem Schimmelbefall sowie bei gesundheitlichen Beschwerden ist eine fachliche Beurteilung einzuholen.

10. Häufige Fragen zur Silikonfuge im Bad

Wie oft muss man eine Silikonfuge im Bad erneuern?

Eine feste Frist gibt es nicht, weil Wasserbelastung, Reinigung und Lüftung hineinspielen. Sanitärfugen gelten als Wartungsfugen, deren Dichtstoffe in regelmäßigen Zeitabständen zu überprüfen und gegebenenfalls zu erneuern sind (IVD-Merkblatt Nr. 3-1). Bewährt hat sich eine jährliche Sichtkontrolle.

Kann man neues Silikon einfach über die alte Fuge spritzen?

Erfahrungsgemäß nicht mit dauerhaftem Ergebnis. Frischer Dichtstoff haftet nicht zuverlässig auf ausgehärtetem, verschmutztem Silikon, und ein Befall darunter bleibt feucht eingeschlossen. Die alte Fuge gehört deshalb heraus.

Warum schimmelt eine fungizid ausgerüstete Fuge trotzdem?

Weil Fungizide nach dem IVD-Merkblatt Nr. 3-1 dem Schutz des Dichtstoffs dienen, nicht dem Schutz der angrenzenden Bauteile und der Umgebung. Zudem kann ihre Wirkung bei übermäßiger Wasserbelastung schnell nachlassen. Der organische Belag auf der Fugenoberfläche bleibt davon unberührt.

Ist Acryl eine Alternative zu Silikon im Bad?

Für Sanitärfugen wird der Einsatz von Dispersionsdichtstoffen vom IVD ausdrücklich nicht empfohlen, vor allem wegen des hohen Volumenschwundes; gefordert sind höchstens 10 Prozent Volumenänderung. Acryl bleibt damit Fugen ohne dauernde Wasserbelastung vorbehalten.

Warum ist ein Hinterfüllprofil in der Fuge nötig?

Es begrenzt die Fugentiefe und verhindert die Dreiflankenhaftung. Nur wenn der Dichtstoff ausschließlich an den beiden Flanken haftet, kann er die Bewegung frei aufnehmen. Das Profil soll geschlossenzellig und nicht wassersaugend sein und im Durchmesser um ein Viertel bis ein Drittel über der Fugenbreite liegen (IVD-Merkblatt Nr. 3-1).

Welche Angaben helfen bei der Beschaffung für mehrere Bäder?

Hilfreich sind Anzahl und Art der Fugen, Fugenbreiten, die Untergründe an den Haftflächen einschließlich etwaiger Natursteinflächen, die Frage nach einer Verbundabdichtung hinter der Fuge sowie der Bedarf an Hinterfüllprofil, Reiniger und Werkzeug. Damit lässt sich ein Angebot in der Regel zügig zusammenstellen.

Material für den Fugenaustausch im Bad anfragen

Sie erneuern Sanitärfugen in einem oder vielen Bädern und wollen Dichtstoff, Hinterfüllprofil, Reiniger und Werkzeug abstimmen? Teilen Sie uns Fugenlängen, Untergründe und Termin mit – Sie erhalten ein transparent kalkuliertes Angebot.