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Ein kalter Hauch am Fenstersturz, ein Luftzug an der Deckelkante, im Winter ein grauer Rand auf der Blende: Wer den Rollladenkasten abdichten und dämmen will, löst zwei Aufgaben – die Luftdichtheit an Revisionsdeckel, Gurtdurchführung und Anschlussfuge und den Wärmeschutz rund um den Rollraum. Dieser Ratgeber zeigt, welche Stellen der neuen DIN 4108-2 in der Ausgabe 2026-05 den Kasten betreffen, wie Sie Bauart und Leckagen erkennen und in welcher Reihenfolge Dichtband, Dämmung und Fuge den Luftzug wirksam begrenzen.

Kurz & knapp

Ein Rollladenkasten verliert Wärme über kalte Luft, die durch Deckelfugen und Gurtdurchführung strömt, und über zu wenig Dämmung zwischen Rollraum und Raum. Die Luftdichtheit hat Vorrang: Dichtband am Revisionsdeckel, dichte Gurtführung und elastische Anschlussfuge begrenzen den Luftzug, die Dämmung ergänzt das und darf den Panzer nicht berühren. Konkrete Mindestwerte der DIN 4108-2:2026-05 stehen nur im Normtext; für werkmäßig hergestellte Kästen nennt die Richtlinie über Rollladenkästen U-Wert und Temperaturfaktor.

1. Warum der Rollladenkasten im Winter zur Schwachstelle wird

Der Kasten sitzt im Sturz über dem Fenster, also dort, wo die Außenwand ohnehin unterbrochen ist. Der Panzer läuft durch einen Schlitz nach außen, der Rollraum steht deshalb mit der Außenluft in Verbindung. Raumseitig trennen ihn nur Kastenwand und abnehmbarer Revisionsdeckel vom warmen Raum – jede Fuge darin ist ein Weg für Luft, jede dünne Stelle ein Weg für Wärme.

Die ift-Richtlinie AB-02/1 zur Luftdichtheit von Rollladenkästen nennt in ihrer Beschreibung vier Gründe, warum der Kasten luftdicht sein muss: unkontrollierte Wärmeverluste minimieren, Zugerscheinungen unterbinden, Schimmelpilzbildung an den Konstruktionsfugen vermeiden, die durch einströmende Kaltluft abkühlen, und Tauwasser im Rollraum ausschließen, das entsteht, wenn feuchtwarme Raumluft durch Undichtheiten in den Kasten gelangt. Dort heißt es auch: „In der Praxis ist jedoch festzustellen, dass die notwendige Luftdichtheit dieses Bauteils oftmals nicht gegeben ist.“

Eine Leckage wirkt also in beide Richtungen: Bei Wind drückt kalte Luft in den Raum, bei warmer Raumluft zieht Feuchte in den kalten Kasten und schlägt sich dort nieder. Das Umweltbundesamt hält in seinem Schimmelleitfaden fest, dass für Schimmelpilzwachstum eine relative Luftfeuchte von 70 bis 80 Prozent an der Oberfläche genügt, wenn sie über längere Zeit einwirkt – sichtbar nass muss nichts sein. Typische Anzeichen sind Luftzug an Deckelkante oder Gurtschlitz, eine auffallend kalte Blende, Pfeifen bei Sturm, Staubfahnen entlang der Fugen und dunkle Ränder an den Deckelecken.

Schimmel am Deckel ist ein Bauteilsignal

Wer Schimmel an der Deckelfuge nur abwischt oder überstreicht, sieht ihn im nächsten Winter wieder. Nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes ist ein langfristiger Erfolg nur zu erreichen, wenn die Ursachen der erhöhten Feuchte gefunden und beseitigt werden. Am Kasten heißt das: Luftweg schließen, kalte Flächen dämmen, dann den Befall fachgerecht entfernen.

2. Was die neue DIN 4108-2 zum Rollladenkasten regelt

DIN 4108-2 legt Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Bauteilen und an Wärmebrücken in der Gebäudehülle fest. Gegenüber der Fassung 2013-02 wurden in der Ausgabe 2026-05 laut Änderungsvermerk Begriffe und Titel angepasst, Tabelle 3 neu gestaltet und eine alternative Nachweismöglichkeit für den Mindestwärmeschutz aufgenommen. Für den Kasten zählen drei Stellen: Abschnitt 5, nach dem der Mindestwärmeschutz an jeder Stelle vorhanden sein muss, ausdrücklich auch an Fensterstürzen; Abschnitt 7 zur Luftdichtheit; und der normative Anhang A zur Berücksichtigung von Rollladenkästen im wärmeschutztechnischen Nachweis. Nach dem frei einsehbaren Auszug können Kästen dort je nach Konstruktionsweise unterschiedlich berücksichtigt werden, außerdem geht es um den projektbezogenen Wärmebrückenzuschlag ΔUWB.

„Bauteile der wärmeübertragenden Umfassungsfläche des Gebäudes sind so auszuführen bzw. zu ändern, dass sie nicht oder nur in geringem Maße mit Luft durchströmt werden. Dies gilt auch für öffenbare Bauteile im geschlossenen Zustand …“ – DIN 4108-2:2026-05, Abschnitt 7 (frei einsehbarer Auszug)

Der Satz lässt sich unmittelbar auf den Revisionsdeckel übertragen: ein öffenbares Bauteil, das geschlossen dicht sein soll. Und „bzw. zu ändern“ richtet die Anforderung auch an Änderungen im Bestand. Für Neubauten steht die Pflicht zusätzlich im Gesetz: Nach § 13 des Gebäudemodernisierungsgesetzes ist die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig nach den anerkannten Regeln der Technik abzudichten; Vorschriften zum erforderlichen Mindestluftwechsel bleiben unberührt.

Zahlen für den Kasten selbst liefert die Richtlinie über Rollladenkästen (RokR), Anhang 13 der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen 2025/1, Stand September 2022. Sie gilt für werkmäßig hergestellte Kästen einschließlich Deckel, an die Anforderungen an Wärme- oder Schallschutz gestellt werden, und verweist auf den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2:2013-02, Abschnitt 5.1.3. Er gilt als erfüllt, wenn der Wärmedurchgangskoeffizient Usb höchstens 0,85 W/(m²·K) und der Temperaturfaktor fRsi mindestens 0,70 beträgt – eine Anforderung an Wärmedurchgang und Oberflächentemperatur. Der Hintergrund: Nach dem Leitfaden des Umweltbundesamtes senken Wärmebrücken die raumseitige Oberflächentemperatur und erhöhen so das Risiko für Kondensation und Schimmel.

Was frei einsehbar ist – und was nicht

Die Zahlenwerte der DIN 4108-2:2026-05 stehen nur im kostenpflichtigen Normtext. Die RokR-Werte beziehen sich auf die Ausgabe 2013-02 und auf werkmäßig hergestellte Kästen. Wer einen Nachweis führt oder Werte vertraglich vereinbart, braucht den aktuellen Normtext und die im Bundesland eingeführten Technischen Baubestimmungen.

3. Bauart erkennen: Sturz-, Einbau-, Aufsatz- und Vorbaukasten

DIN 4108 Beiblatt 2:2019-06 mit Berichtigung 1:2025-02, das Planungsbeispiele zur Verminderung von Wärmebrücken enthält, unterscheidet zwei Gruppen: Kästen, die der Wandfläche zugeschlagen werden, etwa Sturzrollladenkasten, Einbau- und Aufsatzkasten, und Kästen, die der Fensterfläche zugeschlagen werden, etwa Mini-Aufsatz- und Vorbaukasten. Abschnitt 4.13.1 der DIN 18073:2020-11, der Norm für Rollläden und Abschlüsse, gilt nur für Kästen mit Revisionsöffnung zur Raumseite – genau der Fall dieses Ratgebers.

BauartZuordnung nach DIN 4108 Beiblatt 2LageTypischer Ansatzpunkt
SturzrollladenkastenWandflächeim Sturz über dem FensterDeckelfuge, Deckeldämmung, Anschluss zum Putz
EinbaukastenWandflächein die Wand eingebautDeckelfuge, Kastenwände, Hohlräume zum Mauerwerk
AufsatzkastenWandflächeauf dem FensterrahmenFuge zwischen Kasten und Rahmen, Deckel
Mini-AufsatzkastenFensterflächeauf dem Fensterrahmen, geringe BauhöheRahmenanschluss, wenig Platz für Dämmung
VorbaukastenFensterflächeaußen vor der FassadeDurchführung von Gurt oder Kabel durch die Wand

Beim Vorbaukasten liegt der Rollraum außen; innen bleibt meist nur die Durchführung für Gurt, Kurbel oder Kabel. Beim Sturz- und Einbaukasten liegt der kalte Rollraum in der Wandebene, und Deckel, Kastenwände und Anschlussfugen entscheiden über Dichtheit und Oberflächentemperatur. Wie Flügeldichtung, Glasfalz und innere Anschlussfuge am Fenster darunter zusammenspielen, zeigt der Ratgeber Zugluft am Fenster stoppen.

4. Diagnose: Leckagen und kalte Stellen gezielt finden

Am aussagekräftigsten ist die Suche an einem kalten, windigen Tag. Mit dem Handrücken oder einem dünnen Rauchfaden lassen sich die Luftwege eingrenzen: Deckelkanten und -ecken, Spalt zwischen Blende und Putz, Gurtdurchführung, bei Motorantrieb Kabeldurchführung und Schalterdose. Ein Oberflächenthermometer zeigt, ob die Blende deutlich kälter ist als die Wand daneben. Nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes kann eine thermografische Analyse des Innenraums zeigen, wo wärmetechnische Schwachstellen liegen.

Danach wird der Deckel geöffnet, bei Motorantrieb erst nach dem Abschalten und Sichern des Stromkreises. Ist eine Dämmung vorhanden, ist das alte Dichtband noch elastisch, sind die Auflageflächen gerade, gibt es Wasserränder, aufgequollenes Holz oder Schimmel an der Deckelrückseite? Notieren Sie den Abstand zwischen aufgewickeltem Panzer und Kastenwand – er begrenzt die spätere Dämmstärke.

  • Bauart bestimmt: Sturz-, Einbau-, Aufsatz- oder Vorbaukasten, Lage der Revisionsöffnung.
  • Luftwege markiert: Deckelkanten, Ecken, Blende zum Putz, Gurt- oder Kabeldurchführung.
  • Deckel und Rollraum geprüft: Verzug, Befestigung, altes Dichtband, Dämmung, Feuchtespuren.
  • Platz gemessen: Abstand zwischen voll aufgewickeltem Panzer und Kastenwand.
  • Untergründe notiert: Kunststoff, Holz, Putz oder Gipskarton für Band, Primer und Dichtstoff.

5. Rollladenkasten abdichten: der Revisionsdeckel als Hauptfuge

Der Revisionsdeckel bildet am raumseitig zugänglichen Kasten meist die längste Fuge, und nach der ift-Richtlinie sind es gerade die Konstruktionsfugen, an denen einströmende Kaltluft zu Schimmel führen kann. Weil der Deckel für Wartung und Reparatur öffenbar bleiben muss, scheidet ein Zuspritzen mit Silikon oder Acryl in aller Regel aus: Beim nächsten Gurtwechsel wird die Fuge zerschnitten. Die passende Lösung ist ein elastisches Dichtband auf der Auflagefläche, das der geschlossene Deckel zusammendrückt.

Das Band muss als geschlossener Ring umlaufen; an stumpf gestoßenen Ecken bleiben sonst Lücken. Ein verzogener Deckel presst in der Mitte nicht mehr an – zusätzliche Schraubpunkte oder ein neuer Deckel helfen. Beim Austausch lohnt ein Blick in die RokR: Im Übereinstimmungszeichen ist anzugeben, für welche Kombination von Kasten und Deckel die Kennwerte gelten. Ein selbst zugeschnittener Ersatzdeckel übernimmt diese Werte also nicht automatisch.

Schritt 1
Panzer herablassen, Deckel abnehmen. So ist der Rollraum am besten zugänglich; bei Motorantrieb nach dem Herablassen den Strom abschalten.
Schritt 2
Altes Band entfernen, reinigen. Klebereste, Staub und lose Farbe entfernen, glatte Kunststoffflächen mit geeignetem Reiniger vorbereiten.
Schritt 3
Dämmung einsetzen. Deckelrückseite und, wo Platz ist, Kastenwände dämmen; Freiraum zum Panzer einhalten.
Schritt 4
Dichtband umlaufend kleben. Ohne Zug verlegen, Ecken lückenlos ausbilden.
Schritt 5
Deckel befestigen und prüfen. Schrauben von der Mitte nach außen anziehen, Panzer mehrfach fahren, Kanten erneut mit dem Rauchfaden prüfen.

Bei der Bandwahl zählen Dicke und Kompressionsbereich: Das Band muss den größten Spalt noch füllen, darf den Deckel an der engsten Stelle aber nicht aufdrücken. Messen Sie den Spalt deshalb an mehreren Stellen. Wie selbstklebende Bänder auf verschiedenen Untergründen haften, behandelt der Beitrag Klebebänder richtig wählen. Dichtbänder, Fugenbänder und Rundschnüre finden Sie unter Bänder & Schnüre:

6. Gurtdurchführung, Kurbel und Kabel: die zweite Leckage

Bei Gurtantrieb läuft das Band aus dem Kasten durch eine Öffnung zum Gurtwickler in der Wand. Diese Öffnung muss Bewegung zulassen und ist deshalb kaum so dicht wie eine geschlossene Fuge; Gurtführungen mit Bürsten- oder Lippendichtung verkleinern den Spalt, ohne das Band spürbar zu bremsen. Ein ausgefranster Gurt vergrößert den Spalt und gehört getauscht. Auch die Einbaudose des Wicklers sitzt in einem Hohlraum der Außenwand: Ist sie nicht dicht eingesetzt, strömt Luft hinter dem Wicklerdeckel in den Raum. Gleiches gilt für Kurbel- und Kabeldurchführungen. Arbeiten an Motor, Schalter und Leitungen eines elektrischen Antriebs gehören in die Hand einer Elektrofachkraft.

DIN 4108-7:2026-04, die Norm zur Luftdichtheit von Gebäuden, verlangt, Durchdringungen bei der Planung so anzuordnen, dass ausreichend Platz für die handwerkliche Herstellung des luftdichten Anschlusses bleibt. Im Bestand ist der Platz vorgegeben; umso wichtiger ist ein sauberer, elastischer Anschluss an jeder Durchführung. Das Luftdichtheitskonzept der Norm erklärt der Ratgeber Luftdichte Anschlüsse vor der Heizperiode.

7. Rollladenkasten dämmen: Deckel, Kastenwände und Hohlräume

Die Dämmung hebt die Oberflächentemperatur der raumseitigen Kastenteile und senkt den Wärmeverlust; gegen Luftzug hilft sie nur, wenn sie zugleich dicht anschließt. Weil nach der ift-Richtlinie gerade feuchtwarme Raumluft im kalten Rollraum zu Tauwasser führt, gehört die luftdichte Ebene auf die Raumseite, die Dämmung liegt dahinter. Die harte Grenze ist der Platz: Berührt eine Dämmplatte den aufgewickelten Panzer, schleift oder klemmt der Rollladen. Erst den Abstand messen, dann die Dämmstärke wählen. Für Bestandteile werkmäßig hergestellter Kästen verlangt die RokR mindestens normalentflammbare Baustoffe – ein sinnvoller Maßstab auch für Nachrüstungen.

Deckelrückseite

Eine passgenaue Dämmplatte auf der Innenseite des Deckels wärmt die sichtbare Blende spürbar auf.

Kastenwände und Boden

Wo der Wickelraum es zulässt, dünne Platten auflegen und dicht stoßen, damit keine kalten Fugen bleiben.

Hohlräume außerhalb des Rollraums

Spalten zwischen Kastenkörper, Sturz und Laibung mit PU-Füll- und Dämmschaum schließen, nicht an bewegte Teile.

Gedämmter Ersatzdeckel

Ist der alte Deckel dünn und verzogen, ist ein gedämmter Deckel mit umlaufender Dichtung oft die sauberere Lösung.

Für die Hohlräume um den Kastenkörper eignet sich ein einkomponentiger PU-Füll- und Dämmschaum, der Fugen in einem Arbeitsgang füllt und dämmt. Wichtig sind staubfreie, je nach Herstellerangabe leicht angefeuchtete Flanken, sparsames Ausbringen und ausreichende Aushärtezeit, bevor Überstände abgeschnitten werden. Temperatur, Ausbeute und den Schutz beim Umgang mit Isocyanaten erklärt der Ratgeber PU-Schaum richtig verarbeiten; über Kopf gehört eine Schutzbrille dazu.

Die passende Pistole zum Bajonett-System: Dosen mit Bajonett-Schnellwechselsystem lassen sich nur mit der dafür ausgelegten Schaumpistole verarbeiten. Sie dosiert kontrolliert und erleichtert es, schmale Spalten am Kastenkörper gezielt und in kleinen Mengen zu füllen.

Weitere Füllschäume, Pistolen und Reiniger bündelt die Kategorie PUR-Schaum & Zubehör. Was bei Kälte für Schaum und Dichtstoff gilt, steht im Beitrag Dicht- und Klebstoffe bei Kälte verarbeiten.

Nicht in den Rollraum schäumen

PU-Schaum dehnt sich nach dem Ausbringen weiter aus. Im Wickelraum blockiert er den Panzer; zu reichlich hinter die Kastenwand gesprüht, kann er sie nach innen drücken. Nur Hohlräume außerhalb des Rollraums füllen, in kleinen Mengen arbeiten, Fensterbank und Boden abdecken.

8. Anschlussfuge zwischen Kasten und Wand

Ein gedämmter Kasten mit dichtem Deckel bleibt undicht, wenn zwischen Blende und Wand ein Riss klafft. Diese Fuge arbeitet, weil sich Holz und Kunststoff mit Temperatur und Feuchte anders bewegen als Putz; starres Zuspachteln reißt deshalb häufig wieder auf. Dicht wird sie in der Regel mit einem elastischen, bei Bedarf überstreichbaren Dichtstoff. DIN 4108-7 hält fest, dass Anschlüsse und Fugen in der Regel mit Kleb- und Dichtmitteln ausgeführt werden. Die Flanken müssen tragfähig, trocken und staubfrei sein; glatte Kunststoffblenden verlangen je nach Dichtstoff einen Haftreiniger oder Primer. In tieferen Fugen begrenzt ein Hinterfüllmaterial die Dichtstofftiefe und verhindert die Haftung am Fugengrund – siehe Dreiflankenhaftung vermeiden.

Feine, unbewegte Risse neben dem Kasten lassen sich mit Acryl schließen; wo die Grenze zum elastischen Dichtstoff liegt, zeigt der Beitrag Risse und Anschlussfugen innen mit Acryl schließen. Haftvermittler finden Sie unter Reiniger & Haftgrund, elastische Dichtstoffe in der Kategorie Dichtstoffe.

9. Nach dem Abdichten: Lüften und Feuchte im Blick behalten

Ein undichter Kasten hat ungewollt einen Teil des Luftaustauschs übernommen. Das Umweltbundesamt beschreibt diesen Effekt beim Einbau dicht schließender Fenster: Der Infiltrationsluftwechsel fällt weitgehend weg, und es muss zum Abtransport der Feuchte mehr aktiv gelüftet werden; für den Fenstertausch empfiehlt der Leitfaden ein Lüftungskonzept. Wer mehrere Kästen und Fenster einer Wohnung gleichzeitig abdichtet, sollte diese Frage ebenfalls stellen. Auch § 13 des Gebäudemodernisierungsgesetzes, der für neu zu errichtende Gebäude gilt, trennt beides: Vorschriften zum erforderlichen Mindestluftwechsel bleiben von der Dichtheitsanforderung unberührt.

Im ersten Winter empfiehlt sich ein Kontrollrhythmus: Blende und Deckelecken an kalten Tagen auf Kondensat prüfen, die Raumluftfeuchte mit einem Hygrometer beobachten, im Zweifel häufiger stoßlüften. Bleibt die Blende trotz Dichtband und Dämmung auffallend kalt, kann die Ursache tiefer liegen, etwa im Anschluss an die Geschossdecke, den DIN 4108 Beiblatt 2 für beide Kastengruppen und verschiedene Wandbauweisen als Planungsbeispiel führt. Dann ist ein Energieberater oder Fachplaner gefragt.

Die Kurzformel für den Kasten

Bauart bestimmen, Leckagen markieren, Wickelraum messen, Deckel und Kastenwände dämmen, Dichtband als geschlossenen Ring, Gurtdurchführung abdichten, Anschlussfuge elastisch schließen, Hohlräume außerhalb des Rollraums ausschäumen – und im ersten Winter die Feuchte beobachten.

10. Typische Fehler am Rollladenkasten

Die meisten Nacharbeiten gehen auf wenige wiederkehrende Fehler zurück:

  • Deckelfuge zugespritzt. Die Dichtung ist mit der ersten Reparatur zerstört.
  • Dichtband mit offenen Ecken. Luft strömt genau dort, wo die Blende am kältesten ist.
  • Dämmung zu dick. Der Panzer schleift oder klemmt.
  • In den Rollraum geschäumt. Nachdehnender Schaum blockiert den Panzer oder verformt die Kastenwand.
  • Nur gedämmt, nicht abgedichtet. Feuchte Raumluft strömt weiter in den kalten Kasten und kondensiert.
  • Gurtdurchführung vergessen. Der Deckel ist dicht, der Luftzug kommt durch Gurtschlitz und Wicklerdose.
  • Lüftung nicht angepasst. Die Raumluftfeuchte steigt, an der nächstkälteren Stelle bildet sich Kondensat.

11. Material und Werkzeug für die Arbeit am Kasten

Wer mehrere Kästen in einem Objekt bearbeitet, plant das Material am besten als Paket: Dichtband nach Deckelumfang plus Zuschlag für Ecken, Dämmplatten in der gemessenen Stärke, Füllschaum mit Pistole und Reiniger, ein elastischer, überstreichbarer Dichtstoff, Abdeckmaterial und Klebeband für saubere Fugenkanten. Welche Presse zu Kartusche und Beutel passt, klärt der Ratgeber Kartuschenpresse richtig wählen.

Ausrüstung
Dichtstoff, Werkzeug und Schutz für den Rollladenkasten
Überstreichbarer Dichtstoff für die Anschlussfuge, Kartuschenpresse und Glättspachtel, Reinigungstücher, Abklebeband für Putz und glatte Flächen, Abdeckvlies für Fensterbank und Boden sowie eine Schutzbrille für Arbeiten über Kopf.

Die Sortimentsbereiche greifen ineinander: Schaum für die Hohlräume, Dicht- und Klebstoffe für Innenausbau und Montage, Abdeckmaterial sowie Reiniger und Haftgrund für die Flanken:

Dieser Beitrag dient der allgemeinen fachlichen Orientierung und ersetzt keine objektbezogene Planung, Energieberatung oder Rechtsberatung. Maßgeblich sind die einschlägigen Normen in ihrer gültigen Fassung (u. a. DIN 4108-2, DIN 4108-7, DIN 4108 Beiblatt 2, DIN 18073), die im Bundesland eingeführten Technischen Baubestimmungen, das Gebäudemodernisierungsgesetz sowie die Merkblätter der Produkte und die Angaben des Kastenherstellers. Zitierte Normwerte stammen aus frei einsehbaren Auszügen bzw. der Richtlinie über Rollladenkästen und sind im Einzelfall am Volltext zu prüfen.

12. Häufige Fragen zum Rollladenkasten abdichten und dämmen

Darf ich den Revisionsdeckel mit Silikon oder Acryl zukleben?

In der Regel ist das nicht zu empfehlen. Der Deckel muss für Wartung und Reparatur öffenbar bleiben; eine zugespritzte Fuge wird dabei zerschnitten. Dauerhafter ist ein elastisches Dichtband auf der Auflagefläche.

Wie dick darf die Dämmung im Rollladenkasten sein?

Das hängt vom freien Abstand zwischen voll aufgewickeltem Panzer und Kastenwand ab. Wählen Sie die Stärke so, dass der Panzer nirgends anliegt. Die Deckelrückseite bietet je nach Kasten typischerweise den meisten Platz.

Reicht Bauschaum, um den Rollladenkasten zu dämmen?

Füll- und Dämmschaum eignet sich in der Regel für Hohlräume zwischen Kastenkörper, Sturz und Laibung. In den Rollraum gehört er nicht, und die Deckelfuge dichtet er nicht ab – dafür ist ein Dichtband da.

Gilt die neue DIN 4108-2 auch für meinen bestehenden Kasten?

Abschnitt 7 spricht ausdrücklich auch vom Ändern von Bauteilen. Welche Anforderungen im Einzelfall verbindlich sind, hängt typischerweise vom Umfang der Maßnahme, vom Vertrag und vom öffentlichen Baurecht ab; bei größeren Sanierungen klärt das ein Fachplaner oder Energieberater.

Warum beschlägt es nach dem Abdichten häufiger am Fenster?

Mit dem undichten Kasten fällt ein Teil des Luftaustauschs weg, die Raumluftfeuchte steigt, wenn nicht aktiv gelüftet wird. Nach dem Umweltbundesamt genügen für Schimmelpilzwachstum 70 bis 80 Prozent relative Feuchte an der Oberfläche, wenn sie länger anhält. Häufigeres Stoßlüften hilft in der Regel.

Welche Angaben brauche ich für ein Angebot?

Hilfreich sind Anzahl und Bauart der Kästen, Deckelmaße, Spaltmaße an der Auflage, der freie Platz für Dämmung, die Untergründe und die Länge der Anschlussfugen. Daraus lässt sich das Material je nach Artikel in der Regel zügig zusammenstellen.

Dichtband, Dämmung und Dichtstoff für Ihre Rollladenkästen anfragen

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