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An alten Holzfenstern dichtet eine Fase aus Kitt die Scheibe ab und leitet Regenwasser nach außen. Bröckelt sie, steht vor dem Winter eine Entscheidung an: Wer jetzt Leinölkitt verarbeiten will, muss den Schutzanstrich innerhalb einer festen Frist schaffen – und die fällt bei einem Start im Oktober in die kühlen Wochen vor dem Winter. Dieser Ratgeber zeigt nach IVD-Merkblatt 42, wie Sie den Glasfalz vorbereiten, die Fase ziehen, die Hautbildung prüfen und wann eine Notreparatur mit Erneuerung im Frühjahr die bessere Wahl ist.

Kurz & knapp

Leinölkitt bekommt seine Haltbarkeit erst durch den Anstrich. Das IVD-Merkblatt 42 sieht vor, die freie Kittfase frühestens nach ausreichender Hautbildung und spätestens nach acht Wochen zu überstreichen; gute Erfahrungen nennt es mit Alkydharz-Systemen. Vorher gehören ein beschichteter Glasfalz und eine Holzfeuchte von 13 ± 2 Prozent dazu. Wer erst im Oktober oder November verkittet, plant den Anstrich vor dem ersten Kittmesserzug – und beschränkt sich im Zweifel auf eine Notreparatur, während die vollständige Erneuerung ins Frühjahr wandert.

1. Leinölkitt verarbeiten: warum der Herbst über die Kittfase entscheidet

Bei historischen Holzfenstern liegt die Scheibe im Glasfalz, wird mit Stiften oder Klammern gehalten und außen mit einer schrägen Kittfase abgedichtet, über die Regenwasser abläuft. Das IVD-Merkblatt 42 „Abdichtung historischer Fenster im Denkmalschutz“, Ausgabe März 2025, beschreibt diese Bauweise als Verglasungssystem mit ausgefülltem Falzraum und freier Dichtstofffase, kurz Va1.

Leinölkitt wird nach dem Merkblatt auf Basis von Leinöl und Kreide hergestellt. Er ist reparaturfreundlich, weil er sich später wieder entfernen lässt, und wurde deshalb von zahlreichen Denkmalschutzämtern als Abdichtmaterial gewählt. Die Kehrseite: Das Leinöl oxidiert an der Luft. Der Anstrich ist deshalb kein Finish, sondern Teil der Abdichtung. Er schützt den Kitt laut Merkblatt vor Luftsauerstoff, verzögert die Oxidation des Leinöls und erhöht so die Langlebigkeit der Kittfase.

Daraus folgt der Rahmen, an dem jede Herbstplanung hängt: Zwischen Verkitten und Überstreichen liegen nach dem Merkblatt höchstens acht Wochen; nennt das technische Merkblatt des Kitts eine kürzere Frist, gilt diese. Wer Anfang Oktober verkittet, muss bis Ende November gestrichen haben. Für den November nennt der Deutsche Wetterdienst als Deutschlandmittel der Jahre 1991 bis 2020 eine Mitteltemperatur von 4,8 Grad Celsius (DWD), für den Oktober 9,4 Grad Celsius (DWD). Zugleich hängt die Trocknung des Kitts laut IVD-Merkblatt 42 von der Temperatur ab. Je später die Arbeit beginnt, desto länger braucht die Haut und desto kürzer wird das Fenster für den Lack.

2. Leinölkitt, vergüteter Kitt, Elastokitt: was in welchen Glasfalz gehört

Das IVD-Merkblatt 42 trennt drei oft verwechselte Begriffe: Reiner Leinölkitt entsteht nach den Gütebedingungen der RAL 849/B. Vergüteter Kitt enthält neben Leinöl und Kreide Kunststoffadditive, die Verarbeitungseigenschaften anpassen. Elastokitte sind trotz des Namens keine plastischen Kitte, sondern elastische Dichtstoffe auf Basis von Hybridpolymeren.

MerkmalReiner LeinölkittVergüteter Kitt auf ÖlbasisElastokitt (Hybridpolymer)
Werkstoffverhaltenplastischplastischelastisch
GrundlageLeinöl und Kreide, Gütebedingungen RAL 849/BLeinöl und Kreide mit KunststoffadditivenHybridpolymer
Rückbau bei späterer Sanierungreversibel entfernbarnach Herstellerangabenur erschwert entfernbar
RegelwerkDIN 18545, keine Leistungserklärung nach DIN EN 15651DIN 18545DIN EN 15651-2 mit CE-Kennzeichnung
Anstricherforderlich, spätestens nach 8 Wochenwie Leinölkitt, Herstellervorgabe beachtenelastische Dichtstoffe laut IVD-Merkblatt 42 nach DIN 18545 grundsätzlich nicht überstreichen

Für das System mit freier Fase sind nach DIN 18545 plastische Dichtstoffe der Dichtstoffgruppen A oder B zu wählen; die Zuordnung nimmt laut IVD-Merkblatt 42 der Hersteller vor. Elastokitte haften üblicherweise sehr gut auf Glas und Holz, lassen sich aber nur erschwert entfernen, was bei späteren Renovierungen umliegende Materialien gefährdet. Im Denkmal gilt zudem der Grundsatz der Materialgerechtigkeit im Sinne der Charta von Venedig von 1964.

Moderne Holzfenster mit Mehrscheiben-Isolierglas sind ein anderer Fall: Die Verglasungsvorschriften der Isolierglas-Hersteller sehen laut IVD-Merkblatt 42 üblicherweise einen dichtstofffreien Falzgrund vor, und das IVD-Merkblatt 10 regelt dort die Abdichtung mit spritzbaren Dichtstoffen an Fenstern mit raumseitigen Glashalteleisten. Passende Produkte führt die Auswahlhilfe Fenster, Glas und Fassade, die Werkstoffe ordnet der Ratgeber Silikon, Acryl oder Hybrid ein. Kitte auf Ölbasis und ihre Verwandten bündelt die Kategorie Kitte für die Fensterverglasung:

„Kitt“ steht nach Norm für Öl-Basis

Nach DIN 52460, auf die das IVD-Merkblatt 42 verweist, ist „Kitt“ eindeutig mit „Öl-Basis“ definiert. Ein elastischer Dichtstoff mit „Kitt“ im Namen fällt deshalb nicht unter die Regeln für plastische Kitte. Das technische Merkblatt zeigt, welcher Gruppe ein Produkt zugeordnet ist.

3. Bestandsaufnahme: Schäden erkennen und den Umfang festlegen

Vor der Materialbestellung steht der Rundgang ums Gebäude. Die Frage lautet nicht nur, ob die Kittfase schadhaft ist, sondern wie viel jetzt erneuert werden muss und was bis zum Frühjahr warten kann. Typische Befunde sind Netzrisse, abgeplatzte Ecken, Kitt, der sich vom Glas gelöst hat, und hohl klingende Abschnitte. Liegt der Kitt grau und ohne Anstrich frei, fehlt der Oxidationsschutz bereits.

Das Merkblatt unterscheidet die Klimabeanspruchung nach Himmelsrichtung: gemäßigt üblicherweise an Nordseiten zwischen Nordwest und Nordost, streng an Ostseiten zwischen Nordost und Südost, extrem an Süd-, Südwest- und Westseiten. Je stärker die Temperaturbelastung, desto weicher und klebriger ist der Kitt in der Verarbeitung, und die Arbeitsfolge soll Sonnenverlauf und -intensität berücksichtigen. Prüfen Sie Süd- und Westseiten besonders gründlich; dort ist die Beanspruchung nach dieser Einteilung am höchsten.

Notieren Sie je Flügel die Laufmeter Kittfase, den Zustand des Holzes im Falz und ob die Scheibe fest sitzt. Wackelt sie, ist die mechanische Sicherung durch Stifte oder Klammern zu prüfen. Ist das Holz unter dem Kitt dunkel, weich oder feucht, steht die Holzinstandsetzung vor der Verglasung – und damit meist im Frühjahr. Weitere Leckagestellen zwischen Flügel, Rahmen und Anschlussfuge behandelt der Ratgeber Zugluft am Fenster stoppen.

Altkitt und Altanstrich vor dem Ausbau einordnen

Das IVD-Merkblatt 42 erinnert daran, dass Asbest und asbesthaltige Bauprodukte in Deutschland erst 1993 verboten wurden. Bei der Entfernung alter asbesthaltiger chemischer Bauprodukte ist die TRGS 519 zu beachten, beim Umgang mit Blei die TRGS 505. Ist der Hersteller eines alten Kitts bekannt, empfiehlt das Merkblatt nachzufragen, ob Asbest in der Rezeptur verwendet wurde. Ist die Herkunft von Kitt oder Altanstrich unklar, gehört die fachkundige Klärung vor den ersten Spachtel- oder Schleifansatz.

4. Das Wetterfenster: Acht-Wochen-Frist gegen Novemberwetter

Die Frist bis zum Anstrich ist die eigentliche Planungsgröße. Rechnen Sie rückwärts: Wann trägt die Haut, und welche Tage bieten trockenes Wetter oberhalb der Mindesttemperatur aus dem technischen Merkblatt des Lacks? Wie Temperatur, Taupunkt und Feuchte einen Herbstanstrich begrenzen, erklärt der Ratgeber Fassade streichen im Herbst.

„Üblicherweise erfolgt das Überstreichen der freien Kittfase sowie der raumseitigen Kittvorlage mit einer wetterfesten Farbe nach Vorgaben des Herstellers, frühestens nach ausreichender Hautbildung, spätestens nach 8 Wochen!“ – IVD-Merkblatt 42, Abschnitt 7.7
Vorlauf
Termin und Lack festlegen. Eignung des Lacks für die Kittfase beim Hersteller klären, Mindesttemperatur notieren, Holzfeuchte im Falz messen.
Tag 0
Verkitten. Kitt vollsatt einbringen, Fase ziehen, mit poliertem Kittmesser glätten, Ecken auf Gehrung abstreichen.
Ab Hautbildung
Fingerprobe. Erst wenn keine Streifen oder Abdrücke entstehen und die Oberfläche spürbar trocken ist, trägt die Haut einen Anstrich.
Spätestens Woche 8
Überstrichen. Bis hierhin muss die freie Kittfase überstrichen sein, bei kürzerer Herstellerfrist früher; Zwischen- und Schlussanstrich folgen dem Lacksystem, der Lack greift auf einen schmalen Streifen der Glasfläche über.

Aus dieser Rechnung ergeben sich vier Wege. Welcher passt, hängt von Datum, Umfang und Zustand des Holzes ab:

Vollständig erneuern

Bei frühem Start, gesundem Holz und überschaubarem Umfang, wenn der Anstrich innerhalb der Frist an trockenen Tagen realistisch ist.

Teilerneuerung mit Zwischenanstrich

Einzelne Fehlstellen verkitten und vor Fristende überstreichen. Ob der Schlussanstrich im Frühjahr folgen darf, legen Kitt- und Lackhersteller fest.

Notreparatur, Erneuerung im Frühjahr

Scheibe sichern, lose Teile entfernen, keine großen frischen Kittflächen anlegen. Die vollständige Kittfase samt Anstrich folgt bei stabiler Witterung.

Flügel in die Werkstatt

Verglasung und Anstrich unter kontrollierbaren Bedingungen abschließen; die Öffnung wird bis dahin provisorisch verschlossen.

5. Notreparatur jetzt, Erneuerung und Anstrich im Frühjahr

Eine Notreparatur ist die fachlich sauberere Lösung, wenn der Kalender keinen fachgerechten Anstrich mehr zulässt. Eine große, frisch gezogene Kittfase, die über den Winter ungestrichen bleibt, widerspricht dem Merkblatt: Ihr fehlt monatelang der Oxidationsschutz, den das Merkblatt mit dem Anstrich verbindet. Ziel im Spätherbst ist deshalb, Schäden zu begrenzen, ohne neue Risiken einzubauen.

Zuerst wird die Scheibe gesichert; das Merkblatt verlangt ausdrücklich, Klotzung und mechanische Sicherung durch Stift oder Klammer zu beachten. Danach werden nur Kittstücke entfernt, die sich bereits gelöst haben. Fest haftende Abschnitte bleiben stehen, auch wenn sie nicht schön aussehen. Kleine Fehlstellen lassen sich mit Leinölkitt schließen, wenn sie vor Fristende überstrichen werden können.

Wo das nicht absehbar ist, hilft die Werkstatt. Das IVD-Merkblatt 42 zieht sie bei einer notwendigen Sanierung von Fenstern oder Flügeln der Arbeit direkt an der Fassade vor, weil dort kontrollierbare Bedingungen herrschen und Witterungseinflüsse vermieden werden. Für alle übrigen Fenster wird die Erneuerung zum Frühjahrsauftrag: Bestand jetzt dokumentieren, Material rechtzeitig beschaffen und beginnen, sobald Holzfeuchte und Witterung passen.

6. Glasfalz vorbereiten: Holzfeuchte, Grundanstrich und Befestigung

Für die Erneuerung wird der schadhafte Kitt aus dem Falz entfernt. Das Holz darunter muss tragfähig und trocken sein; das IVD-Merkblatt 42 verlangt eine Holzfeuchte im Bereich von 13 ± 2 Prozent. Nach Regenperioden kann der Falz feuchter sein, als die Oberfläche vermuten lässt – gemessen wird deshalb im Falzgrund, nicht an der besonnten Rahmenfläche.

Anschließend erhält der Falz nach dem Merkblatt einen Grund- und Zwischenanstrich entsprechend BFS-Merkblatt 18, denn das Substrat darf kein Leinöl aus dem Kitt aufnehmen können; dabei verweist das IVD ausdrücklich auf die Herstellerangaben. Manche Kitthersteller verlangen abweichend einen nicht filmbildend grundierten Falz; klären Sie den Aufbau dann vor Arbeitsbeginn mit dem Hersteller. Verzinkte Metalle eignen sich nicht als Substrat. Zum Anschleifen alter Beschichtungen dienen Schleifmittel und Handschleifer, zum Herauslösen von Altkitt Spachtel in verschiedenen Klingenformen.

KennwertAnforderungHerkunft laut IVD-Merkblatt 42
Holzfeuchte im Falz13 ± 2 %Abschnitt 7.2
Glaseinstand imindestens 10 mmaus DIN 18545 abgeleitet
Glasfalzgrund gmindestens 5 mmaus DIN 18545 abgeleitet
Glasfalzhöhe hmindestens 15 mmh = g + i
Befestigungsmittel zur Ecke5 bis 10 cm Abstandnach DIN 18545
Befestigungsmittel untereinanderhöchstens 35 cmnach DIN 18545
Überdeckung der Befestigungsmittelmindestens 2 mm Dichtstoffnach DIN 18545
Neigung der Faseetwa 45° zum GlasfalzgrundAbschnitt 6

Bei historischen Fenstern sind diese Maße nicht überall erreichbar. Das Merkblatt nennt für Einfachverglasungen die Mindest-Glasfalzhöhen der ÖNORM B3722: 12 Millimeter bis 4 Millimeter Nenndicke, 15 Millimeter bis 6 Millimeter. Neuanfertigungen nach Altbestand mit Glasfalzhöhen unter 12 Millimetern gelten als Reparatur und sind normativ nicht geregelt. Für die Klotzung gelten DIN EN 12488 und die TR 3 des Glaserhandwerks.

7. Kitt einbringen: Fase ziehen, glätten, Ecken auf Gehrung

Das IVD-Merkblatt 42 gibt die Ausführung klar vor: Der Kitt ist vollsatt und blasenfrei mit einem polierten Kittmesser oder einer Kittspritzpistole so einzubringen, dass Wasser ablaufen kann, als gleichmäßige Fase auszubilden und mit dem polierten Kittmesser zu glätten. Das Glätten betont das Merkblatt besonders, weil ungleichmäßige Häute meist durch kleine Unterschiede in der Kittoberfläche entstehen.

  1. Kitt entnehmen und das Gebinde sofort wieder abdecken.
  2. Raumseitige Kittvorlage und Falz vollsatt füllen, ohne Lufteinschlüsse.
  3. Ausgebaute Scheibe einsetzen, klotzen und mit Stiften oder Klammern sichern.
  4. Außen die Fase in einem Zug ziehen, Wasserablauf nach außen sicherstellen.
  5. Oberfläche mit poliertem Kittmesser glätten, Überstand abnehmen.
  6. Fase nicht über die Lichtkante stehen lassen, Rahmenecken auf Gehrung abstreichen.

Die Lichtkante begrenzt die sichtbare Glasfläche. Bei der Temperatur zählt im Herbst die Mindesttemperatur aus dem technischen Merkblatt des Kitts, im Sommer die Obergrenze aus dem IVD-Merkblatt: Über 30 Grad Celsius ist das Verarbeiten zu vermeiden, damit sich kein Öl absondert. Für Einfachverglasungen mit freier Kittfase eignet sich ein Kitt auf reiner Leinölbasis, der in mehreren Gebindegrößen geführt wird:

Angebrochenes Gebinde verschließen

Offene Gebinde sind nach IVD-Merkblatt 42 abzudecken, damit kein direkter Luftkontakt entsteht und sich kein Leinöl aus dem Kitt absondert. Wie Bauchemie zwischen zwei Einsätzen gelagert wird, erklärt der Ratgeber Bauchemie richtig lagern.

8. Hautbildung prüfen und Schutzanstrich aufbringen

Der Zeitpunkt für den Anstrich wird geprüft, nicht geschätzt. Das IVD-Merkblatt 42 beschreibt eine Fingerprobe: vorsichtig über die Oberfläche streichen; es dürfen keine Streifen oder Abdrücke entstehen, die Oberfläche muss spürbar trocken sein. Bleiben Spuren, befindet sich noch Leinöl an der Oberfläche. Es wirkt als Trennmittel, und auf einer öligen Oberfläche kann eine Beschichtung nicht haften.

Die Eignung des Lacks für die Kittfase ist beim Hersteller zu erfragen; gute Erfahrungen nennt das Merkblatt beim klassischen Leinölkitt mit dem Alkydharz-System. Die Kittfase erhält einen Zwischen- und einen Schlussanstrich mit der Schichtdicke nach BFS-Merkblatt 18, und der Lack muss sich auf einen schmalen Streifen der Glasfläche neben der Fase erstrecken. Dieser Übergriff lässt Regenwasser besser ablaufen und schließt den Kitt gegen Luftsauerstoff ab.

Die Einteilung der Beschichtungssysteme liefert DIN EN 927-1. Sie ordnet Beschichtungsstoffe für Holz im Außenbereich nach Anwendungsstufen, die sich auf die Maßhaltigkeit des Untergrunds beziehen, und unterscheidet die Schichten eines Mehrschichtsystems vom Primer bis zur Deckbeschichtung. Wie sich Lasur, Öl und Lack an Terrasse und Gartenholz unterscheiden, zeigt der Ratgeber Holzschutz für Terrasse und Gartenholz.

Schlanker Flachpinsel für die Kittfasenkante: Die dünne Pinselstärke erleichtert das exakte Beschneiden entlang der Kittfase und den gleichmäßigen Übergriff auf das Glas. Ausgelegt ist der Pinsel für lösemittelhaltige Lacke auf Alkydharzbasis.

Beim Werkzeug zählt die Kantenführung: Ringpinsel für Profile und Sprossen, schmale Flachpinsel für die Fase, kurze Feinpinsel für Ausbesserungen. Welche Borste zu welchem Lack passt, vertieft der Ratgeber Den richtigen Pinsel wählen; Pinsel und Walzen für Alkydharzlacke bündelt die Auswahl Werkzeug für lösemittelhaltige Lacke.

Kittfase und Schutzanstrich
Leinölkitt und Pinsel für den Alkydharzlack
Kitt auf reiner Leinölbasis für die freie Fase sowie Flach-, Ring- und Feinpinsel für lösemittelhaltige Lacke an Fenstern, Profilen und Kittfasen.

9. Wartung, Arbeitssicherheit und typische Fehler

Nach dem Schlussanstrich sind Kittfasen laut IVD-Merkblatt 42 in den ersten Jahren druck- und stoßempfindlich. Bei Leinölfarben empfiehlt das Merkblatt eine Wartungslackierung alle ein bis zwei Jahre. Wer die Fenster jeden Herbst abläuft, prüft dabei die Fasen: Haarrisse im Lack sind ein früher Hinweis, dass der Oxidationsschutz nachlässt.

Unterschätzt werden oft Tücher, die mit trocknenden Ölen getränkt sind. Die DGUV beschreibt in Fachbereich AKTUELL FBFHB-004, dass trocknende Öle wie Leinöl beim Aushärten unter Wärmeentwicklung mit Sauerstoff reagieren; diese Oxidation kann Stunden bis Monate dauern (DGUV). Kann die Wärme in zusammengeknüllten Tüchern nicht abfließen, droht eine Selbstentzündung. Auch Lackreste auf Alkydharzbasis können laut DGUV, großflächig auf saugfähigen Materialien verteilt, bei Wärmestau zur Selbstentzündung führen.

Ölgetränkte Tücher sicher sammeln

Die DGUV nennt als bewährte Maßnahmen: Tücher flach zum Trocknen ausbreiten oder aufhängen und erst ausgehärtet entsorgen, oder sie mit Wasser befeuchten und in einem geschlossenen Metallbehälter lagern. Beim Auftragen und bei offenstehenden Gebinden besteht laut DGUV keine Selbstentzündungsgefahr, wohl aber beim Sammeln und Entsorgen der Arbeitsmittel.

Die meisten Schäden an neuen Kittfasen gehen auf wenige Ausführungsfehler zurück:

  • Zu spät gestrichen. Die Acht-Wochen-Frist läuft ab, bevor die Witterung einen Anstrich zulässt.
  • Zu früh gestrichen. Die Haut ist noch ölig, der Lack haftet nicht. Fingerprobe vor jedem Anstrich.
  • Rohes Holz im Falz. Der Untergrund nimmt Leinöl aus dem Kitt auf. Falzaufbau vorab mit IVD-Merkblatt und Kittherstellerangabe abgleichen.
  • Feuchter Falzgrund. Die Holzfeuchte liegt außerhalb von 13 ± 2 Prozent. Messen und im Zweifel verschieben.
  • Fase über der Lichtkante. Der Kitt ragt in die sichtbare Glasfläche.
  • Lack endet an der Kittkante. Der Übergriff auf das Glas fehlt.

10. Material und Werkzeug für die Kittfase planen

Für Handwerksbetriebe, Hausverwaltungen und Einkäufer lohnt es sich, die Kittarbeit als Paket zu denken: Kitt in passender Gebindegröße, Spachtel, Schleifmittel, Grund- und Zwischenanstrich nach dem gewählten System, Decklack und Pinsel in mehreren Breiten. Bedarf ist die Summe der Laufmeter je Flügel plus Zuschlag für Ecken und Verschnitt.

Spachtel und Schleifmittel bereiten den Falz vor, Flach- und Ringpinsel tragen das Lacksystem auf. Weitere Praxisthemen rund um Fenster, Fugen und Anstrich sammelt der Ampha-Blog.

Die Kurzformel für die Kittfase

Anstrichtermin vor dem Verkitten festlegen, Holzfeuchte prüfen, Falz nach Merkblatt beschichten, Kitt vollsatt einbringen, Fase glätten und auf Gehrung abstreichen, Hautbildung per Fingerprobe prüfen, spätestens nach acht Wochen überstreichen. Reicht die Zeit nicht: jetzt sichern, im Frühjahr erneuern.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen fachlichen Orientierung und ersetzt keine objektbezogene Fachplanung, keine Abstimmung mit der Denkmalbehörde und keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die einschlägigen Normen (u. a. DIN 18545, DIN EN 927-1), das IVD-Merkblatt 42 in seiner jeweils gültigen Fassung, die Technischen Regeln für Gefahrstoffe sowie die technischen Merkblätter der eingesetzten Kitte und Beschichtungsstoffe. Angegebene Werte sind im Einzelfall zu prüfen.

11. Häufige Fragen zum Verarbeiten von Leinölkitt

Wann darf frischer Leinölkitt gestrichen werden?

In der Regel, sobald eine tragfähige Haut entstanden ist. Das IVD-Merkblatt 42 nennt frühestens nach ausreichender Hautbildung und spätestens nach acht Wochen; nennt der Kitthersteller eine kürzere Frist, richten Sie sich danach. Ob die Haut trägt, zeigt die Fingerprobe; wie lange das dauert, hängt von Temperatur und Produkt ab.

Lohnt sich das Verkitten im November noch?

Das hängt davon ab, ob der Anstrich innerhalb der Frist an geeigneten Tagen möglich ist. Der DWD nennt für den November ein Temperaturmittel der Jahre 1991 bis 2020 von 4,8 Grad Celsius. Bei kleinen Fehlstellen kann es gelingen; bei größeren Flächen ist eine Notreparatur mit Erneuerung im Frühjahr oder die Werkstatt in der Regel die sicherere Wahl.

Welcher Lack eignet sich für die Kittfase?

Die Eignung ist laut IVD-Merkblatt 42 beim Lackhersteller zu erfragen; gute Erfahrungen nennt das Merkblatt mit dem Alkydharz-System. Je nach Produkt sind Zwischen- und Schlussanstrich vorgesehen, der Lack greift auf einen schmalen Streifen der Glasfläche über.

Eignet sich Leinölkitt auch für Isolierglasfenster?

Typischerweise nicht. Isolierglas-Hersteller sehen laut IVD-Merkblatt 42 üblicherweise einen dichtstofffreien Falzgrund vor; für moderne Holzfenster mit Glashalteleisten gilt das IVD-Merkblatt 10 mit spritzbaren Dichtstoffen. Im Einzelfall entscheiden Glas- und Dichtstoffhersteller.

Warum wird alter Kitt hart und bröckelt?

Häufig fehlt der Anstrich oder er ist verwittert. Der Lack schützt den Kitt vor Luftsauerstoff und verzögert die Oxidation des Leinöls. Bei Leinölfarben empfiehlt das IVD-Merkblatt 42 eine Wartungslackierung alle ein bis zwei Jahre.

Welche Angaben brauche ich für ein Angebot?

Hilfreich sind Flügelzahl, Laufmeter Kittfase, Glasdicken, Farbton, Lacksystem und benötigte Pinselbreiten. Daraus lassen sich Kittmenge, Gebindegrößen und Werkzeug in der Regel zügig zusammenstellen, je nach Artikel auch in größeren Gebinden für mehrere Objekte.

Leinölkitt, Pinsel und Zubehör für die Fenstersaison anfragen

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